Wedemärker Widerstand formiert sich

Editha Lorberg (v. l.) hatte zu einem Gesprächstermin mit Martin Schönhoff, Rolf Fortmüller und Gudrun Pieper ins Café Brotzeit der Bäckerei Vatter am Mellendorfer Bahnhof eingeladen. Foto: B. Stache

CDU und Bürger protestieren gegen geplante Krankenhausschließung

Mellendorf (st). Der Widerstand gegen die gemäß „Medizinstrategie 2020“ beabsichtigte Schließung des KRH Klinikum Großburgwedel formiert sich auch in der Wedemark. Nun gibt es neuen Zündstoff um das Klinikum, der für Unruhe sorgt. „Die vorgezogene Schließung der Geburtshilfestation 2015 ist ein weiterer Schlag gegen die medizinische Versorgung im ländlichen Raum und gegen die zahlreichen Mitarbeiter, die um ihre berufliche Existenz bangen“, erklärt Editha Lorberg, Landtagsabgeordnete und CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende der Wedemark. „Wir sind grundsätzlich gegen die Schließung. Es ist noch nicht einmal ein Sozialplan für die Mitarbeiter im Gespräch gewesen. Dies ist eine Art und Weise mit Mitarbeitern umzugehen, die für uns nicht akzeptabel ist“, so die CDU-Politikerin. Auch der Wedemärker CDU-Regionsabgeordnete Martin Schönhoff wendet sich gegen die Schließungspläne. „Wir als CDU-Regionsfraktion haben uns immer ausdrücklich für den dauerhaften Erhalt aller Krankenhausstandorte ausgesprochen“, sagte er. „Wir fordern, dass die Region auch die Verantwortung wahrnimmt, die ärztliche Versorgung standortnah zu gewährleisten.“ Hierzu seien die bestehenden Krankenhausstandorte unerlässlich, ergänzte Schönhoff. Die starken Reaktionen auf die beabsichtigte Schließung in Großburgwedel kämen nicht nur aus den Reihen der Patienten und Mitarbeiter, sondern auch von Personen, die im Rettungswesen tätig sind, macht der Regionsabgeordnete deutlich. „Die Region ist 2001 angetreten, um für alle da zu sein. Mit dieser Standortentscheidung wird es immer schwieriger, Akzeptanz für die Region Hannover zu gewinnen.“ Deutliche Worte zur beabsichtigten Krankenhausschließung findet auch der Ortsbürgermeister von Burgwedel, Rolf Fortmüller (CDU). „Das war natürlich ein Schock, als die Nachricht über die Presse kam. Das Klinikum in Großburgwedel ist unser größter kommunaler Arbeitgeber.“ Innerhalb von sechs Tagen sind 3700 Unterschriften zusammengekommen und die Stadt Burgwedel hat eine gemeinsame Petition verabschiedet. „Auch aus Bissendorf hat mich eine Dame angerufen, die sich für den Erhalt des Standortes Großburgwedel stark macht“, berichtet Fortmüller, der zügige Krankentransporte in Zukunft auch durch die häufigen Verkehrsstaus in der Region Hannover gefährdet sieht.“ Für die Abgeordnete Gudrun Pieper, CDU-Mitglied im Sozialausschuss des Niedersächsischen Landtages, ist es nach eigenem Bekunden ein Unding, dass kein Konzept für die Schließung vorliegt. „Ich finde es wirklich schlimm, dass Mitarbeiter dies aus der Zeitung erfahren.“ Sie habe das Gefühl, dass der ländliche Raum immer mehr ausgedünnt werden soll, ob im Krankenhauswesen oder in der Infrastruktur. Die Krankenhäuser gehörten schließlich zur Daseinsvorsorge. „Wir erleben immer wieder auch im Landtag, dass Entscheidungen zugunsten der großen Städte getroffen werden, aber Entscheidungen für den ländlichen Raum hinten runterfallen.“, lautet ihre Kritik. Editha Lorberg stellt sich die Frage, woher die Region das Geld für einen Krankenhausneubau in Höhe von 100 bis 200 Millionen Euro nehmen will. „Die Region ist über alle Maßen verschuldet.“ Sorgen bereitet der Landtagsabgeordneten auch die Situation für Schüler und deren Eltern, wenn beispielsweise nach einem Schulunfall das Kind in einer Klinik „auf der anderen Seite von Hannover versorgt wird“. Auch bei betrieblichen Unfällen sei die Notfallversorgung in Großburgwedel absolut wichtig, so Lorberg, die auch die Schließung der regionsweit anerkannten Urologie des KRH Klinikum Großburgwedel nicht nachvollziehen kann. Mit Blick auf das angekündigte vorgezogene Ende der Geburtshilfestation zeichnete sie darüber hinaus ein weiteres Szenario: „Steht dann auf der Geburtsurkunde von Wedemärker Säuglingen als Geburtsort nicht Großburgwedel sondern Auf der Landstraße zwischen Wedemark und Hannover?“ Die Wedemärker CDU habe zirka 600 Unterschriften von Krankenhausmitarbeitern und aufgeschreckten Bürgern aller Altersgruppen gesammelt, berichtet Lorberg. „Wir denken schon, dass aufgrund des öffentlichen Drucks ein Umdenken stattfindet. Die CDU-Fraktion wird im Rat der Gemeinde eine Resolution einbringen, die sich mit diesem Thema befasst. Ich bin sehr gespannt, ob sich die anderen Parteien solidarisch mit den Menschen verhalten werden?“



„Medizinstrategie 2020“ der Klinikum Hannover GmbH

So steht es in einem Hintergrundpapier zur „Medizinstrategie 2020“ des Klinikum Region Hannover (KRH) vom 17. Oktober 2014: „Nach Schließung der Krankenhäuser in Großburgwedel und Lehrte soll der Betrieb an einem gemeinsamen Standort fortgesetzt werden. Ziel ist es, einen Neubau mit zirka 400 bis 500 Betten binnen der nächsten 6 bis 8 Jahre in Betrieb zu nehmen. Die Geschäftsführung erhält den Auftrag, Machbarkeit und Finanzierung zu prüfen – dies umfasst auch die Frage des zukünftigen Standorts.“ Zur Neuordnung der Geburtshilfe heißt es weiter: „Das KRH betreibt derzeit vier Geburtskliniken an den Standorten Gehrden, Großburgwedel, Neustadt und Nordstadt. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und auch rückläufiger Geburtenzahlen wird ein wirtschaftlich auskömmlicher und qualitätsorientierter Betrieb dieser Abteilungen zunehmend erschwert. Bundesweit sind in den letzten Jahren aufgrund dieser kritischen Rahmenbedingungen bereits zahlreiche Geburtskliniken geschlossen worden. Auch das KRH bleibt von diesen Entwicklungen nicht verschont und wird daher die Geburtskliniken in der Nordstadt und Großburgwedel nicht weiter betreiben können. Dabei bleibt die Versorgung von Gebärenden und Neugeborenen sichergestellt: es stehen jeweils mehrere Geburtskliniken anderer Klinikträger in der Stadt Hannover oder auch im Umland (z.B. Celle) zur Verfügung.“