Wedemark – Pimp Your Town!

Der Wedemärker Ratsvorsitzende Heiner Peterburs (rechts) eröffnet die fiktive Ratssitzung mit Schülern im Forum des Campus W. Foto: B. Stache
 
Paulina (17) von der Konrad-Adenauer-Schule bedient die TV-Kamera während der Pimp-Your-Town-Ratssitzung im Forum Campus W. Foto: B. Stache

Campus W.-Schüler schlüpfen drei Tage in die Rolle von Ratspolitikern

Mellendorf (st). Als der Wedemärker Ratsvorsitzende Heiner Peterburs am Mittwochvormittag die Ratssitzung im Forum des Campus W eröffnete, war sein formeller Einstieg wie viele Male zuvor: Eröffnung, Begrüßung der Anwesenden und Feststellung der ordnungsgemäßen Ladung und der Beschlussfähigkeit sowie Feststellung der Tagesordnung. Heiner Peterburs gab dann auch noch Helge Zychlinski das Wort für die Mitteilungen des Bürgermeisters. Eines aber war diesmal anders – statt zu Ratspolitikern sprachen Heiner Peterburs und der Bürgermeister zu Schülern der Klasse 8d des Gymnasiums Mellendorf, der 8.4 der IGS Wedemark und der 9a der Realschule Wedemark. Sie alle waren beim dreitägigen Planspiel „Pimp Your Town!” in die Rolle von Ratsmitgliedern geschlüpft und vertraten für ihre jeweilige Schule eine Politikfraktion. Schüler der 10a der Konrad-Adenauer-Schule nahmen als TV-Team alles auf, machten Notizen für ein gedrucktes Magazin mit eigenen Fotos und Texten und beteiligten sich online an den Abstimmungen. Ein elfköpfigen Team des Vereins Politik zum Anfassen aus Hannover, das jungen Menschen Lust auf Demokratie macht, begleitete die Schüler während des Projekts. „Aktuell führen wir es in 26 Kommunen in Niedersachen und Schleswig-Holstein durch. Wir haben mit ´Politik zum Anfassen` 2009 angefangen,“ erklärte Projektleiter Gregor Dehmel. „Am Montag haben wir mit einem Crashkurs Politik begonnen, damit die Schüler erfahren, für welch spannende Dinge die Kommunalpolitik zuständig ist. Daraus haben sie Ideen entwickelt und Anträge geschrieben.“ Am Dienstagvormittag wurden die Schülerpolitiker von acht echten Gemeinderatsmitgliedern begleitet, die ihnen wertvolle Tipps zu den Gepflogenheiten im Rat und zur Ratsarbeit mit auf den Weg gaben. Es folgten drei parallel verlaufende Ausschusssitzungen, geleitet von echten Vorsitzenden aus dem Gemeinderat. „Dabei wurde schon lebhaft diskutiert, Anträge geändert, abgelehnt und zugestimmt – wie im wirklichen Leben“, beschrieb Gregor Dehmel den Projektverlauf. Der 13-jährige Nils vom Gymnasium Mellendorf war einer der „Ratspolitiker“. „Es war bisher spannend und wir haben viele tolle Anträge erarbeitet“, erklärte er zu Beginn der fiktiven Ratssitzung im Forum. Für den 14-jährigen Realschüler Tobias war die vierstündige Ausschusssitzung etwas Besonderes, aber auch die „Ratssitzung“ am Mittwoch, seinem Geburtstag. „Die gestrige Sitzung hat Spaß gemacht. Wir mussten lange sitzen und haben viel debattiert.“ Sein 16-jähriger Mitschüler Alexander meinte: „Ganz o.k.“ Paulina (17) hat als Mitglied des Presseteams die TV-Kamera bedient. „Wir machen einen Film über diese dreitägige Veranstaltung mit der abschließenden Ratssitzung. Der Film wird bei YouTube veröffentlicht.“ Die Zeitung des Presseteams soll an den Schulen verteilt werden und auch im Rathaus ausliegen. Die 13-jährige Luca-Ciara von der IGS Wedemark war im Ausschuss für Planen, Bau und Umwelt eingesetzt. „Es ist eine gute Idee, dass sich Jugendliche in die Politik einbringen können.“ Sie fand besonders gut, dass die eigenen Ideen der Schüler, die sie in ihre „Ratssitzung“ eingebracht haben, später vom „echten“ Gemeinderat bearbeitet werden sollen. „Wir haben uns im Ausschuss lange über das Thema Mülleimer unterhalten. In der Wedemark sollten mehr davon aufgestellt werden, vor allem an öffentlichen Plätzen. Dort liegt zu viel Müll rum. Es ist besser, man wirft seine Sachen in den Mülleimer, als in die Natur“, erklärte sie auch mit Hinweis auf die jährlich stattfindenden Müllsammelaktionen. „Es ist wesentlich leichter die Mülleiner zu leeren, als durch die ganze Wedemark zu laufen und nach Müll zu suchen.“ Carmen Mucha, didaktische Leiterin der IGS, fand es gut, dass sich alle Campus W.-Schulen an dem Planspiel „Pimp Your Town!” beteiligt haben. „Ich bin total stolz darauf, dass die Gemeinde dieses Projekt zu unseren Schulen geholt hat. So etwas Lebenspraktisches kann nur gut für Schulen sein. Das führt die Kinder an die Demokratie heran und das sind diejenigen, die später dann auch wählen gehen.“ Auch für den Ratsvorsitzenden Heiner Peterburs war die Zusammenarbeit mit den Schüler-Ratsmitgliedern eine positive Erfahrung. „Es ist der Versuch, Jugendliche im Schulalter an Kommunalpolitik heranzuführen. Bei diesem sehr praxisnahen Projekt sehen die Schüler auch, wie dicht sie als Bürger der Wedemark an Entscheidungen und Vorbereitungen von Entscheidungen beteiligt sind. Ich glaube, dass sie hierdurch einen sehr guten Einblick in die Realität erhalten und damit auch die Möglichkeit besteht, dass sie sich frühzeitig an Kommunalpolitik beteiligen – und auch zur Wahl gehen, was sie als Sechzehnjährige ja auch dürfen.“ Bürgermeister Helge Zychlinski zog ebenfalls ein positives Fazit. „Die Schülerinnen und Schüler von IGS, Realschule und Gymnasium haben bei dem Planspiel „Pimp Your Town“ super mitgemacht. Ich habe mich auch über die gute Beteiligung der Konrad-Adenauer-Schule als Presseteam gefreut.“ Die Zahl von 45 Anträgen zeige, dass das Bedürfnis, bei den Entscheidungen in der Gemeinde mitreden zu wollen, groß ist. „Rat und Verwaltung werden in den kommenden Monaten die Anliegen beraten“, kündigte der Bürgermeister an. „In Zusammenarbeit mit dem Verein ´Kinderfreundliche Kommunen e.V.` haben wir uns auf den Weg gemacht, die Möglichkeiten zu stärken, Kinder und Jugendliche stärker in die Entscheidungen der Gemeinde mit einzubeziehen.“