Weihnachtsfeier der Waldkinder

v.l.n.r: Susanne, Nina, Hannes, Melanie, Philip, Johannes, Larissa, Chralotte, Julia, Bettina, Lea, Helen, Piet und Jordi am Ende des Krippenspiels.

Im kalten Wald gefeiert und gesungen

Oegenbostel. Wie immer wetterfest trafen sich am Dienstag, 21. Dezember, die Waldkindergartenkinder mit Ihren drei Erzieherinnen und sämtlichen Eltern, Geschwistern, Omas, Opas etc zur diesjährigen Weihnachtsfeier. Treffpunkt war das kleine Wäldchen am Gutshof Bestenbostel und pünktlich um 15.30 Uhr starteten die Waldkinder Ihr über Wochen hin eingeübtes Krippenspiel. Eine fehlerfreie Darbietung verzauberte in dem verschneiten Wäldchen sämtliche Gäste. Gemeinsam gesungene Weihnachtslieder und der Abschluß auf dem Gutshof mit Kakao, Keksen und Glühwein stimmten auf die besinnlichen Tage ein. Der Waldkindergarten Wedemark bietet in unserer Region ein sehr alternatives Angebot im Vergleich zu anderen Regelkindergärten. Unsere Kinder wachsen heute in einer reizüberfluteten Umwelt auf. Sie wissen wohl, wie man einen Fernseher, Videorecorder und einen Computer „bedienen" kann, jedoch sehr wenig von Abläufen in der Natur. Die Kinder sitzen viel und bewegen sich sehr viel weniger als noch vor einigen Jahren. Dadurch kommt es schon bei den Kleinsten zu vermehrten Haltungsschäden und Übergewicht. Unsere Kinder werden jeden Tag für Stunden mit akustischen und visuellen Reizen überschüttet. Sie sind anfällig für Infektionskrankheiten und Allergien. Die Gründung von Waldkindergärten ist eine Reaktion auf diese veränderte Lebenssituation. Sie gelten als die innovativsten Bildungseinrichtungen im Vorschulalter. Die Persönlichkeit eines Menschen erhält ihr Fundament in der Kindheit. Waldkindergärten stärken und stabilisieren in besonderer Weise die kindliche Entwicklung. Durch den ständigen Aufenthalt in der Natur erleben und erfahren die Kinder die wechselseitige Abhängigkeit von ihr. Sie erfahren sich als Teil vom Ganzen. Noch im Erwachsenenalter werden diese Kinder durch die Erfahrungen, die sie mit der Natur gemacht haben, geprägt sein. Sie werden diese lieben, achten und schützen.

Die Natur ist der ideale Bewegungsraum für die Kinder. Waldkindergärten fördern in selbstverständlicher Weise die Bewegung und die körperlichen Aktivitäten der Kinder. Die primäre pädagogische Kraft ist die Natur selbst. Durch unbegrenzten Raum, Stille und Zeit werden Kinder in der Entwicklung ihrer emotionalen Stabilität, ihrer Konzentrationsfähigkeit und Ausgeglichenheit angemessen unterstützt. Sie sollen dadurch vielfältige eigene Erfahrungen machen, Vertrauen und Mut in die eigenen Fähigkeiten entwickeln, aber auch ihre persönlichen Grenzen erleben.
Die Natur bietet reichhaltige Möglichkeiten an Spielmaterialien und Spielzeug. Die Kinder konsumieren nicht, sondern haben die Möglichkeit selber kreativ zu sein und sich ständig auf neue Situationen einzustellen und dafür Lösungen zu finden. Dies fördert das soziale Lernen in der Gruppe. Auch Kinder mit motorischen Auffälligkeiten haben durch unzählige Gelegenheiten im Wald die Möglichkeit, ihre Defizite auszugleichen bzw. ,,aufzuholen”. Durch allerlei Erfahrungsmöglichkeiten bei Wind und Wetter werden Kinder einen wachsamen und fürsorglichen Umgang mit sich, der Gruppe und ihrer Umwelt erlernen. Kinder haben die Chance, gegenüber grundlegenden, sich permanent wandelnden Lebensprozessen aufmerksam zu werden und die Vielfalt der Natur im Jahreszyklus zu erleben.
Mit dem Waldkindergarten möchten wir Kindern und Eltern die Möglichkeit geben, sich wieder auf die einfachen Dinge des Lebens zu konzentrieren: auf die Natur! Die Kinder, die einen Waldkindergarten besuchen, leben mit der Natur. Aus medizinischer Sicht ist der regelmäßige Aufenthalt in der Natur eine Notwendigkeit, denn es stärkt das Immunsystem des Körpers. Damit werden die körpereigenen Kräfte mobilisiert, mit krankheitsbedingten Erregern schneller und nachhaltiger fertig zu werden. Die überheizten Räume, in denen wir leben, spielen und arbeiten, erschweren oft diesen Effekt. Weiterhin wurde auch festgestellt, dass die Bewegung in der Natur hilft, Stress abzubauen. Für Kinder bedeutet dies geringere Lärmbelästigung als in geschlossenen Räumen, weniger Reizüberflutung durch künstliche Farben und Düfte. Es ist beängstigend, wie viele Kinder heute unter stressbedingten Erkrankungen wie Schlaflosigkeit, Nervosität, Magenverstimmungen und Kopfschmerzen leiden. Ein Drittel aller Kinder erhalten heute regelmäßig Medikamente. Viele Kinderärzte stellen bei Kindern vermehrte Haltungsschäden und Übergewicht fest. Im Wald gibt es keine Tische und Stühle, und es kommt dem natürlichen Drang der Kinder, sich zu bewegen, entgegen. Die verschiedenen Untergründe und Ebenen ermöglichen den Kindern, ihre gesamte Motorik im Laufe eines Vormittages in Anspruch zu nehmen. Dadurch haben wir eine Prophylaxe gegen Haltungsschäden und Übergewicht.  Lehrer/innen stellen vermehrt fest, dass Schulkinder unter Legasthenie und Dyskalkulie leiden. Auch hier ist oft der Bewegungsmangel und fehlende Stimulierung der Sinne in den ersten Lebensjahren verantwortlich. Jean Ayres, Psychologin und Beschäftigungstherapeutin, beschrieb in ihrem Buch „Bausteine der kindlichen Entwicklung“, wie wichtig die Bewegung für die Entwicklung des Gehirns ist. 
Das Spielen in Wald und Natur mit den einfachen Dingen wie Holzklotz, Tannenzapfen, Gräsern oder das Erleben von Abenteuern mit anderen Kindern kann einem späteren Suchtverhalten vorbeugen. Kinder, die eine solche Kindheit hinter sich haben, gehen selbstbewusster und gestärkt vom Waldkindergarten in die Schule. ((Aktuell sind im Waldkindergarten noch zwei Plätze frei. Außerdem bieten wir drei Waldspielgruppen an: Die Waldkabouter für Kinder von ca. 1,5 bis drei Jahren, die Waldwikinger von ca. drei bis sechs Jahren und die Waldforscher von etwa sechs bis zehn Jahren. In allen Gruppen sind Gäste immer herzlich willkommen! Interessierte vereinbaren einfach einen Schnuppertermin mit Diana Sievert. Telefon 05130/790166.