Weniger Einbrüche erfreuen die Statistiker

Der Kriminalermittlungsdienst im Polizeikommissariat Mellendorf hat 2014 mehr Straftaten bearbeitet als im Jahr zuvor, haben Kommissariatsleiter Klaus Waschkewitz (links) und Kriminalermittlungsdienstleiter Kai-Uwe Bebensee beim Blick in die Statistik festgestellt. Foto: A. Wiese

Die Polizei zählte 2014 zwar mehr Straftaten, klärte aber auch mehr auf

Wedemark (awi). Der neue Kommissariatschef Klaus Waschkewitz fasste die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2014 kurz, aber prägnant zusammen: „Aufklärungsquote bei 60,15 Prozent, Zahl der Straftaten gestiegen, aber weniger Einbrüche.“ Und am Ende der vom Leiter des Kriminalen Ermittlungsdienstes, Kai-Uwe Bebensee, vorgetragenen Statistik steht auch in diesem Jahr wieder die beruhigende Feststellung der Polizei: „In der Wedemark lebt es sich sicher!“
Trotz der deutlichen Zunahme von Straftaten um etwa 20 Prozent besteht nach Auffassung von Waschkewitz und Bebensee kein Grund zur Beunruhigung. Zwar wurden 2014 in der Wedemark insgesamt 252 Straftaten mehr registriert als 2013. Jedoch sind dies 26 Straftaten weniger als in 2012. Eine deutliche Steigerung der Fallzahlen sei bei den sogenannten „Rohheitsdelikten“ wie Körperverletzung, Sachbeschädigung, Bedrohung oder Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz feststellbar. Hierfür seien insbesondere im Bereich der „Häuslichen Gewalt“ jedoch nur wenige Beschuldigte verantwortlich gewesen. So wurden allein gegen einen 38-Jährigen insgesamt 43 Ermittlungsverfahren wegen derartiger Delikte eingeleitet, ehe dieser Ende 2014 in Haft genommen werden konnte. Mittlerweile ist er allerdings wieder auf freiem Fuß, berichteten Bebensee und Waschkewitz. Eine weitere deutliche Steigerung ergab sich mit einem Plus von 35 Taten im Bereich der Rauschgiftdelikte. Daraus sei jedoch keinesfalls zu schließen, dass die Wedemark ein Rauschgiftproblem habe, betonten KED-Chef und Kommissariatsleiter. Vielmehr sei die Erhöhung der Ermittlungsintensität der Grund für die auffällige Steigerung, denn BTM-Verstöße seien ein eindeutiges Kontrolldelikt. Zwar habe sich auch die Zahl der Eigentumskriminalität um rund 16 Prozent erhöht, dabei seien jedoch die einfachen Diebstähle wie Ladendiebstähle überproportional häufig vertreten. Beim schweren Diebstahl haben insbesondere die Kfz-Diebstähle und -aufbrüche zugenommen, traditionell eher aufklärungsungünstige Delikte für die Polizei. Erfreulicherweise seien aber die Wohnungseinbruchsdiebstähle um mehr als 20 Prozent zurückgegangen, was dem Sicherheitsgefühl der Bevölkerung förderlich sein dürfte, freuen sich die Polizisten. Hier dürften sich sowohl die umfangreichen Präventionsmaßnahmen, als auch die Bündelung der Ermittlungsarbeit in Form einer zentralen Ermittlungsführung bewährt haben, ist Kai-Uwe Bebensee überzeugt. Auch für 2015 seien wieder umfangreiche Präventionsmaßnahmen in den verschiedenen Deliktsbereichen geplant. Sehr erfreulich sei, dass die Aufklärungsquote gegenüber dem Vorjahr um 6,09 Prozentpunkte auf nunmehr 60,15 Prozent gesteigert werden konnte, so dass man auch in diesem Jahr wieder feststellen könne, dass es sich in der Wedemark im Vergleich mit anderen Städten und Gemeinden in der Region sicher lebe. Ein eindringlicher Appell der Polizei, sie bei verdächtigen Beobachtungen schnell und ohne Hemmungen – am besten über die Notrufnummer – zu informieren geht auch in diesem Jahr an die Bevölkerung.
Im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Mellendorf wurden 2014 insgesamt 1.465 Straftaten registriert – 252 mehr als im Vorjahr. Allerdings gab es im Jahr 2012 in der Wedemark 1.491 Straftaten, also sogar 26 mehr als 2014. Bearbeitet hat die Polizei Mellendorf 1.212 der 1.465 Straftaten und damit 215 Taten oder 21,56 Prozent mehr als im Vorjahr.„Und das mit weniger Personal betont Kommissariatschef Klaus Waschkewitz, denn die Stelle von Andrea Flohr im Kriminalermittlungsdienst ist erst kürzlich wieder durch den Polizeihauptkommissar Philip Wehr besetzt worden. Der 42-Jährige aus Celle ist nicht nur Vertreter von Kai-Uwe Bebensee als KED-Leiter, sondern auch Ermittlugunsführer in den Bereichen Eigentum und Jugendkriminalität. Einbrüche werden zwar seit letztem Jahr gebündelt in Langenhagen bearbeitet, doch hat das PK Mellendorf auch einen Beamten dorthin abgegeben.
Höhere Aufklärungsquote
Die Aufklärungsquote der im Polizeikommissariat Mellendorf bearbeiteten Straftaten lag 2014 bei 60,15 Prozent. Gegenüber 2013 (54,06 Prozent) bedeutet dieses eine Steigerung von 6,09 Prozent-Punkten. Diese erfreuliche Entwicklung erkläre sich einerseits durch die Erhöhung der Aufklärungsquoten in den Bereichen Betrug und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, andererseits in der deutlichen Zunahme von Fällen „Häuslicher Gewalt“ (Körperverletzung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz), die allesamt aufgeklärt werden konnten, setzte Bebensee die Zusammenhänge auseinander. Interessant in diesem Zusammenhang: Die Stärkung des Gewaltschutzgesetzes hat sich bemerkbar gemacht. Die Polizei Mellendorf registrierte in 2014 immerhin 17 Fälle. Außerdem gab es fünf Stalking-Fälle, die alle zu 100 Prozent geklärt werden konnte.
Hinsichtlich der im Jahr 2014 im Zuständigkeitsbereich des PK Mellendorf 1.465 registrierten Straftaten konnten 652 Tatverdächtige ermittelt werden. Bei Betrachtung der einzelnen Deliktsgruppen falle zunächst auf, dass die Anzahl der Körperverletzungsdelikte – einfache, gefährliche und fahrlässige Körperverletzungen – von 87 Fällen in 2013 auf 126 in 2014 gestiegen sei. Die Aufklärungsquote liege dabei mit 93,65 Prozent auf ähnlich hohem Niveau wie im Vorjahr.
Der Bereich Eigentumskriminalität macht mit 606 registrierten Taten 41,37 Prozent des Gesamtstraftatenaufkommens aus. Gegenüber den 521 Taten in 2013 ist ein Zuwachs um 85 Taten festzustellen. Die Anzahl der Diebstahlsdelikte unter erschwerenden Umständen ist um 11,31 Prozent von 283 auf 315 Fälle gestiegen. Davon waren 71 Fälle Fahrraddiebstähle. Die Aufklärungsquote im gesamten Deliktsbereich schwerer Diebstahl lag 2014 bei 17,14 Prozent. Die Zahl der einfachen Diebstähle stieg gegenüber dem Vorjahr von 238 auf 291 Fälle. Erfreulicherweise habe es 2014 jedoch wesentlich weniger Wohnungseinbruchsdiebstähle gegeben. Wurden 2013 noch 95 Straftaten in der Wedemark registriert, so waren es 2014 nur noch 75 Fälle. Damit liegt die Wedemark im behördenweiten Trend. Innerhalb der Polizeidirektion Hannover wurde ein Rückgang von 3.606 auf 3.048 Taten festgestellt. Durch intensive präventive und repressive Maßnahmen wie Durchsuchungen, das Abhören von Telefonaten und Ähnliches konnte die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbruchsdiebstählen in der Wedemark nochmals gegenüber dem Vorjahr um 3,72 Prozent, von 18,95 Prozent auf 22,67 Prozent erhöht werden. Im vergangenen Jahr wurden in der Wedemark 16 Kraftfahrzeug-Diebstähle angezeigt. Zwölf davon wurden in einer zentralen Ermittlungsgruppe bei der Polizeiinspektion Burgdorf bearbeitet. Vier der 16 Diebstähle konnten aufgeklärt werden.
Gerade auch bei dieser Deliktgruppe steht und fällt der Ermittlungserfolg der Polizei damit, wie schnell sie von dem Diebstahl Kenntnis erhält und die Grenzfahndung einleiten kann. Ein deutlicher Anstieg von 37,89 Prozent ist bei den Diebstählen an und aus Kraftfahrzeugen zu verzeichnen. Kam es 2013 noch zu 95 Taten, so wurden 2014 schon 131 Fälle bekannt. Davon wurden 78 Anzeigen beim PK Mellendorf bearbeitet. Die restlichen 53 Taten wurden von einer Ermittlungsgruppe in der PI Burgdorf übernommen. In diesem Deliktsbereich gelte es weiterhin, die Fahrzeugbesitzer dahingehend zu sensibilisieren, keine Wertgegenstände sichtbar im Fahrzeug liegen zu lassen, betonten Waschkewitz und Bebensee. Bei den registrierten Fahrraddiebstählen ist eine Zunahme um 6,59 Prozent von 91 auf 97 Taten festzustellen. Häufige Tatorte waren dabei die S-Bahnhöfe Mellendorf, Bissendorf und Bennemühlen. Erfreulicherweise konnte aber auch die Aufklärungsquote gesteigert werden.
Betrugsdelikte rückläufg
Leicht rückläufig waren Betrugsdelikte. Davon wurden 183 Fälle hier bearbeitet. Die Aufklärungsquote liegt bei 75,11 Prozent. Während die Fallzahlen im Bereich des Waren- und Warenkreditbetruges gegenüber 2013 deutlich gestiegen sind (75 in 2014 zu 53 in 2013) blieb die Aufklärungsquote nahezu unverändert (77,33 Prozent gegenüber 77,36 Prozent in 2013.) „Es bleibt festzustellen, dass die Betrugstaten unter Nutzung des Internets weiterhin zunehmen“, so das Fazit der Ermittler. Die Fallzahlen der Deliktsgruppe Sachbeschädigung sind gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen. Während 2013 114 Fälle registriert waren, sind in 2014 134 Taten zur Anzeige gelangt. Erfreulicherweise konnte dabei die Aufklärungsquote von 28,07 Prozent auf 34,33 Prozent gesteigert werden. Die bekanntgewordenen Rauschgiftdelikte sind gegenüber dem Vorjahr deutlich von 75 auf 110 Fälle angestiegen. Grund dafür ist die Erhöhung der Intensität bei den Ermittlungen in diesem Deliktsbereich. So wurden allein 15 sogenannte „Handelsverfahren“ (gegenüber 9 in 2013) geführt, mit einer Aufklärungsquote von 100 Prozent. Insgesamt konnte die Aufklärungsquote im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität auf nunmehr 98,18 % gesteigert werden. Der geringe Prozentsatz, der übrig bleibt ist kleinen Rauschgiftmengen zuzuschreiben, die keinem Eigentümer zuzuordnen waren.
Von den ermittelten 652 Tatverdächtigen waren 75 Heranwachsende (18 bis 21 Jahre). Dies entspricht 11,50 Prozent aller Tatverdächtigen. Der Anteil der jugendlichen (14 bis 17 Jahre) Tatverdächtigen lag 2014 bei 11,81 Prozent. Die Schwerpunkte liegen dabei im Bereich der jugendtypischen Delikte wie Sachbeschädigung, Diebstahl und Körperverletzung. 16 strafunmündige Kinder konnten ermittelt werden. Das entspricht 2,45 % aller ermittelten Tatverdächtigen.