Weniger Straftaten in der Wedemark

KED-Leiter Kai-Uwe Bebensee bei der Spurensicherung: Diese Geldkassetten waren in einem Tresor, der aus einem Seniorenheim in Abbensen entwendet wurde. Erst wurde der Tresor gefunden, später entdeckten Spaziergänger die Geldkassetten. Foto: A. Wiese

Doch KED-Leiter Bebensee warnt: Statistiken können trügen

Wedemark (awi). Ein Jahr, nachdem er die Leitung des Kriminalen Ermittlungsdienstes im Kommissariat Mellendorf übernommen hat, stellte Kai-Uwe Bebensee am Donnerstag seine erste Kriminalstatistik für den Bereich Wedemark vor. Die Bilanz: Die Zahl der Delikte ist rückläufig, die Aufklärungsquote leider auch, aber bei Statistiken muss man auch hinter die Kulissen gucken. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariates Mellendorf wurden im Jahr 2009 insgesamt 1477 Straftaten registriert. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von insgesamt 142 Straftaten. Von den bekanntgewordenen 1477 Staftaten fielen insgesamt 1322 in die Bearbeitungszuständigkeit des PK Mellendorf, das heißt, sie wurden von den Beamtinnen und Beamten der PolizeiMellendorf bis zur Endabgabe an die Staatsanwaltschaft bearbeitet. Gegenüber dem Jahr 2008 mit 1460 bearbeiteten Straftaten bedeutet dieses einen Rückgang von 138 Taten, das entspricht -9,45 Prozent. Im Verbund der Polizeiinspektion Burgdorf, zu der neben den Dienststellen in Burgdorf, Lehrte, Langenhagen, Großburgwedel, Laatzen (bis Anfang 2010) auch das PK Mellendorf zählt, ist in 2009 ebenfalls ein Rückgang der bekanntgewordenen Straftaten von 19787 auf 18904 Taten (-4,46 Prozent) festzustellen. Dieser Trend ist auch in der gesamten Polizeidirektion Hannover erkennbar, wo die registrierten Straftaten von insgesamt 118519 auf 115335 (2,69 Prozent) zurückgingen. Die Aufklärungsquote der im Polizeikommissariat Mellendorf bearbeiteten Straftaten lag 2009 bei 50,23 Prozent. Gegenüber 2008 (56,03 Prozent) bedeutet dieses einen Rückgang um 5,8 Prozent. Dieser scheinbar relativ deutliche Rückgang der Aufklärungsquote hat einen ebenso simplen wie nachvollziehbaren Grund: Ein im Jahr 2007 eröffnetes und im Jahr 2008 endbearbeitetes Sammelverfahren wegen Warenbetruges führte zur Aufklärung von insges. 182 Taten. Dieses Verfahren führte auf Grund der Vielzahl der geklärten Straftaten zu einer deutlich höheren Aufklärungsquote in 2008 gegenüber dem Vorjahr 2007. Unter Ausklammerung des genannten Sammelverfahrens liegt die Aufklärungsquote des PK Mellendorf nicht unter der der Vorjahre. Allerdings bleibt festzustellen, dass die Aufklärungsquote im Verbund der PI Burgdorf mit 56,88 Prozent (2008: 55,82 Prozent) deutlich höher liegt.
Dieses gilt auch für die Polizeidirektion Hannover mit einer Aufklärungsquote von
61,35 Prozent (2008: 61,61 Prozent). Hinsichtlich der im Jahr 2009 im Zuständigkeitsbereich des PK Mellendorf 1477 registrierten Straftaten konnten 700 Tatverdächtige ermittelt werden, davon waren 639 allein handelnde Tatverdächtige.
Von diesen 700 Tatverdächtigen waren 89 nichtdeutscher Herkunft. Dieses entspricht 12,71 Prozent aller ermittelten Tatverdächtigen. Der prozentuale Anteil der ermittelten nichtdeutschen Tatverdächtigen ist somit im Vergleich zu den Vorjahren (12,39 bzw. 12,15 Prozent) konstant geblieben. Bei Betrachtung der einzelnen Deliktsgruppen fällt zunächst auf, dass die Anzahl der Körperverletzungsdelikte (gemeint sind einfache, gefährliche und fahrlässige Körperverletzung) von 119 Fällen in 2008 auf 114 in 2009 zurückgegangen ist.
Gleichzeitig konnte die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich um 3,18 Prozent
von 92,44 Prozent auf 95,61 Prozent gesteigert werden.


Für den Bereich der Eigentumskriminalität, der mit 640 registrierten Taten fast die Hälfte (43,33 %) des Gesamtstraftatenaufkommens ausmacht, ist folgendes festzustellen :

Gegenüber den 585 Taten aus 2008 ist eine Steigerung um 55 Taten oder
9,40 % festzustellen.
Allerdings ist gleichzeitig eine deutliche Erhöhung der Aufklärungsquote bei der Gesamtheit der Diebstahlsdelikte um 4,76 % (2008: 21,02 %, 2009: 25,78 %)
feststellbar.

Bei den Diebstählen ohne erschwerende Umstände (einfacher Diebstahl)
ist ein Rückgang der Fallzahlen um 34 von 267 Taten in 2008 auf 233 Fälle in 2009
festzustellen. Die Aufklärungsquote dieser Delikte, zu denen u.a. auch der klassische Ladendiebstahl zählt, konnte gegenüber dem Vorjahr um 5,25 Prozent auf 41,20 Prozent erhöht werden. Bei den Diebstahlsdelikten unter erschwerenden Umständen (schwerer Diebstahl) ist eine deutliche Zunahme der Fallzahlen um 89 Taten von 318 Fällen in 2008 auf 407 in 2009 zu registrieren. Gleichzeitig konnte in diesem Bereich die Aufklärungsquote deutlich um 8,46 Prozent von 8,49 Prozent in 2008 auf 16,95 % in 2009 gesteigert werden. Diese Auffälligkeit hinsichtlich der Zunahme der Fallzahlen, als auch der Aufklärungsquote begründet sich hauptsächlich in der Aufklärung einer Einbruchsserie in Gaststätten, Vereinsheime und andere Objekte, die einem
33-Jährigen nachgewiesen werden konnten, der dafür mittlerweile zu einer rechtskräftigen Haftstrafe verurteilt worden ist. Im vergangenen Jahr wurden in der Wedemark 21 Kraftfahrzeug-Diebstähle angezeigt. Bei 20 registrierten Taten in 2008 sind die Fallzahlen nahezu konstant. Die Quote der aufgeklärten Kraftfahrzeug-Diebstähle ist mit 23,81 Prozent gegenüber 30 Prozent in 2008 leicht rückläufig. Ein deutlicher Rückgang von 47,83 Prozent ist bei den Diebstählen aus Kfraftfahrzeugen zu verzeichnen. Kam es 2008 noch zu 92 Taten, so wurden 2009 nur noch 48 Fälle bekannt.



Bei den registrierten Fahrraddiebstählen ist ein Anstieg um 16,33 % von 98 auf
114 Taten in 2009 festzustellen.
Häufige Tatorte waren dabei die S-Bahnhöfe Mellendorf, Bissendorf und Bennemühlen.
Wie bereits in den vergangenen Jahren ist polizeilicherseits zu bemängeln, dass einige der Fahrräder nicht oder nur unzureichend gesichert waren.
Außerdem muß nach wie vor festgestellt werden, dass individuelle Daten, wie z.B. die Rahmennummer von den Geschädigten in einigen Fällen nicht genannt werden konnten.
Dadurch werden polizeiliche Fahndungsmaßnahmen erschwert, bzw. unmöglich gemacht.

Im Bereich der Betrugsdelinquenz kann für 2009 folgendes festgestellt werden :

Ähnlich deutlich wie in 2008 die Fallzahlen gegenüber 2007 gestiegen waren ist für 2009 ein erheblicher Rückgang feststellbar.
Dies begründet sich durch das bereits erwähnte Sammelverfahren wegen Warenbetrugs.
Waren in 2008 noch 435 Taten registriert, so sind in 2009 nur noch 249 Fälle
festgestellt worden (- 42,76 %).
Die Aufklärungsquote ist gleichzeitig von 83,22 % (2008) auf 73,09 % (2009)
gefallen.

Der überwiegende Teil der genannten Delikte besteht aus dem sog. Warenbetrug bzw. Warenkreditbetrug.
Im elektronischen Zeitalter wird die Masse dieser Delikte im Zusammenhang mit Online-Auktionen begangen.


Die Fallzahlen der Deliktsgruppe Sachbeschädigung sind gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant geblieben.
Während 2008 180 Fälle registriert worden waren, sind in 2009 175 Taten zur Anzeige gelangt.
Auch die Aufklärungsquote ist mit 22,29 % gegenüber 22,78 % in 2008 nahezu identisch.


Erfreulicherweise sind die bereits im vergangenen Jahr deutlich gesunkenen
(33,30 %) Rauschgiftdelikte von 75 (2007) und 50 (2008) auf 38 Fälle in 2009
zurückgegangen. Dies bedeutet eine Veränderung von nochmals 24,00 %.


Hinsichtlich der Jugenddelinquenz kann folgendes festgestellt werden :

Von den 2009 ermittelten 700 Tatverdächtigen waren 47 Heranwachsende (18-21 Jahre). Dies entspricht 6,71 % aller Tatverdächtigen. Es ist ein deutlicher Rückgang gegenüber 2008 (9,48 %) und 2007 (12,15 %) zu registrieren.

Knapp gesunken ist der Anteil der jugendlichen (14-17 Jahre) Tatverdächtigen.
57 registrierte Jugendliche entsprechen einem Anteil von 8,14 % (2008: 8,72 %)
aller Tatverdächtiger.




Nach einem deutlichen Anstieg von 3,2 % (2007) auf 5,96 % (2008) ist für 2009
ein erfreulicher deutlicher Rückgang der tatverdächtigen, aber nicht strafmündigen Kinder (unter 14 Jahre) auf 4,71 % aller Tatverdächtiger festzustellen.
Insgesamt wurden 33 Kinder als Tatverdächtige erfaßt.
Hauptsächlich handelt es sich dabei um Diebstahlsdelikte.
Letztgenannte Zahlen könnten im Zusammenhang mit der intensiven Präventionsarbeit der Mellendorfer Polizei an Schulen, Kindergärten und Jugendtreffs stehen. Diese wird, ebenso wie die verstärkte Präsenz bei Schützenfesten, Jugenddiscos und sonstigen öffentlichen Festivitäten, auch 2010 fortgesetzt werden.