Weniger Unfälle, aber drei Todesopfer

Kommissariatsleiter Klaus Waschkewitz (links) und der Einsatz- und Streifendienstleiter Peter Wengler präsentierten die Unfallstatistik. Foto: A. Wiese

Polizeikommissariat Mellendorf präsentiert die Verkehrsunfallstatistik für 2015

Wedemark (awi). Drei tragische Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang überschatten die eigentlich gar nicht so negative Unfallstatistik des Polizeikommissariats Mellendorf für 2015, die Polizeichef Klaus Waschkewitz und sein Einsatz- und Streifendienstleiter Peter Wengler gestern vorstellten: Die Unfallzahlen sind leicht gesunken, die Unfälle mit Personenschaden ebenfalls. Und es gibt in der Wedemark keine signifikanten Unfallhäufungsstellen mit schweren Folgen. Die Polizei in der Wedemark wird auch 2016 weiterhin intensive Verkehrsüberwachung betreiben und Verkehrsverstöße ahnden, auch im Rahmen von Sonderaktionen und unter Beteiligung von Fremdkräften, so das Fazit von Waschkewitz und Wengler.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle auf Wedemarks Straßen leicht zurückgegangen: von 633 im Jahr 2014 auf 617 im vergangenen Jahr. Von den 617 Unfällen wurden von den Beschäftigten des Mellendorfer Kommissariats 381 im vereinfachten Verfahren vor Ort aufgenommen. Das bedeutet, dass die Verkehrsverstöße abschließend von der Polizei vor Ort oder postalisch von der Bußgeldstelle geahndet werden. Danach werden diese Unfälle noch für statistische Zwecke ausgewertet. Die restlichen 236 Unfälle wurden im qualifizierten Verfahren aufgenommen. Im letzten Jahr mussten drei tödliche Verkehrsunfälle von den Beamten des Verkehrsunfalldienstes der Polizeidirektion Hannover im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Mellendorf aufgenommen werden. Das ist für die Wedemark eine ungewöhnlich hohe Zahl. 2014 gab es nur ein Todesopfer bei einem Unfall. 2015 verloren ein 52-jähriger und ein 39-jähriger Autofahrer im Januar auf der Kreisstraße 311 zwischen Vesbeck und Dudenbostel und im November auf der Kreisstraße zwischen Brelingen und Wiechendorf die Gewalt über ihre Fahrzeuge und stießen frontal gegen einen Baum. Beide erlagen noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen. Im Februar wurde zudem eine 19-jährige Radfahrerin auf einem Bahnübergang in Wennebostel von einem Zug erfasst und tödlich verletzt. Obwohl die Gesamtzahl der Unfälle fiel, stieg die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen Personen schwer verletzt wurden, von neun auf 15 an. Dadurch wurden 16 Personen schwer verletzt. Dagegen ging die Anzahl der Verkehrsunfälle mit leichtverletzten Personen von 93 auf 64 zurück. Es wurden 85 Menschen leicht verletzt. Die Verkehrsunfallorte befanden sich bei 362 Unfällen überwiegend innerhalb geschlossener Ortschaften, berichteten Waschkewitz und Wengler. „Dort, wo der Verkehr am dichtesten ist, finden auch die meisten Kollisionen statt“, stellte der Einsatz- und Streifendienstleiter fest. Die 255 Unfälle, die sich außerhalb geschlossener Ortschaften ereignet haben, seien oft mit den schwereren Folgen verbunden, da die Autofahrer dort in der Regel schneller unterwegs seien. Die 171 Wildunfälle im Gemeindegebiet im letzten Jahr verteilen sich fast gleichmäßig auf den gesamten Zuständigkeitsbereich des Kommissariats Mellendorf und sind mit einem Anteil von 27,71 Prozent am Gesamtaufkommen für einen ländlichen Bereich als normal zu bezeichnen und liegen gleichauf mit den Zahlen der Vorjahre.
Kollisionen mit Wildtieren könnten allerdings häufiger vermieden werden, wenn die Verkehrsteilnehmer aufmerksamer wären, die Geschwindigkeitsbegrenzungen einhielten und sich vor allen Dingen auf entsprechende Situationen gedanklich einstellen würden, gaben Waschkeswitz und Wengler zu bedenken. Bei der Betrachtung des Unfallgeschehens liegt für die Polizei stets ein besonderes Augenmerk auf den Verkehrsunfällen, an denen Fußgänger oder Radfahrer beteiligt waren. Die aktuelle statistische Erfassung differenziere allerdings nicht zwischen Beteiligung und Verursachung. Das sei für diesen Bereich auch nicht so erheblich. Viel erheblicher sei der Umstand, dass Fußgänger und Radler aufgrund des fehlenden Schutzes durch eine Karosserie meistens Verletzungen davontrügen. Bei den Radfahr-Unfällen wurde eine Radfahrerin getötet, ein Radfahrer schwer und 22 leicht verletzt – das sind 60 Prozent der Beteiligten. Bei den Fußgängern wurden drei Fußgänger schwer und acht leicht verletzt, das sind sogar 78,5 Prozent der Beteiligten.
Unerlaubt von der Unfallstelle entfernten sich 2015 insgesamt 127 Fahrzeugführer. Davon konnten 49 Taten aufgeklärt werden. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 38,58 Prozent. Meistens handele es sich bei den Fluchten um Sachschäden. Insgesamt seien in diesem Deliktsbereich nur acht Unfälle mit leichten Personenschäden aufgenommen worden, von denen fünf Unfallfluchten nachträglich geklärt werden konnten, berichtete die Kommissariatsführung. Die Motivationslage für diese Taten sei vielschichtig und reiche „von nicht gemerkt“ bis „war doch nicht so schlimm“, so Peter Wengler. Entscheidend sei jedoch, dass unerlaubtes Entfernen von der Unfallstelle eine Straftat gemäß § 142 StGB ist und mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden kann, gibt Polizeichef Klaus Waschkewitz zu bedenken. Ein dickes Lob haben er und sein Einsatz- und Streifendienstleiter für die aufmerksamen Bürger parat: Die Polizei konnte viele Unfallfluchten aufklären und die Verursacher der Schäden zur Rechenschaft ziehen, weil sie entscheidende Hinweise aus der Bevölkerung bekam.