„Werft mit Farbe, werdet Brüder“

Gefärbtes Maismehl, laut Untersuchungen gänzlich unschädlich, macht aus dem typischen Beisammensein eine farbenfrohe Party. Foto: S. Birkner
 
Das „Wir sind alle Brüder-Gefühl“ griff beim Farbrauschfestival im Spaßbad in Mellendorf schnell um sich. Foto: S. Birkner

Indischer Brauch färbt und einigt im Mellendorfer Spaßbad am Sonnabend Tausende

Mellendorf (sb). Das Holi-Festival gastierte am Sonnabend zum dritten Mal im Mellendorfer Spaßbad. Wo Birken ihre Blätter allmählich gelb färben, bemalten auch Menschen ihre Körper. Schillernd bunter Farbstaub sorgte für eine Party nach indischem Vorbild. Rund 4500 Besucher machten bizarre und bunte Erfahrungen, während auch die Veranstalter ein gutes Geschäft verzeichneten.
Das Musik- und Tanzfestival brachte Szenegrößen der Elektro-Musik wie Lexy&K-Paul in die Wedemark und ist das mit Abstand größte seiner Art in dieser Gemeinde. Aus Maismehl und Farbstoff bestehendes Pulver, eine Art Mikrokonfetti, taucht die Party-
gäste rasch in kunterbunte Farbgewänder. In Indien, wo das Holi-
Festival seinen Ursprung hat, dienen die Feierlichkeiten der gesellschaftlichen Gleichstellung. Für Millionen von Indern sind soziale Hierarchien an der Tagesordnung. Dort hängen Akzeptanz und sozialer Einfluss einer Person stark von der gesellschaftlichen Stellung ab. Eben diese sozialen Hierarchien, erkennbar an Kleidung und Ausdrucksweise, werden während der bunten Feierlichkeiten von den Farbreizen getilgt.
Obwohl auf dem Mellendorfer Holi-Festival nicht Bettlertum und Großgrundbesitz von der Farbe egalisiert wurden, waren es doch soziale Hemmungen und Berührungsängste, die das bunte Miteinander abzubauen vermochte. Das Holi-Festival verlief friedlich und bedeutete auf diese Weise einen „deutlichen Image-Gewinn für die Gemeinde Wedemark“. So fasste es Einsatzleiter Knut Hallmann von der Polizei zusammen, der
das Massenereignis als „polizeilich leicht kontrollierbar“ einschätzte. Eine mobile Wache verströmte Polizeipräsenz, ein Sonderzug der S-Bahn nach Veranstaltungsende verhinderte größeres Gedränge. Das Überqueren des Bahnübergangs bei geschlossenen Schranken kostete zehn Feiernde empfindliche Geldstrafen. Dass der ganz große Besucheransturm von bis zu siebeneinhalbtausend Menschen ausblieb, mag auch am frühherbstlichen Wetter gelegen haben. Immer wieder spülte Regen das Bunt von den Kleidern der Tanzenden, die zur vollen Stunde gemeinschaftlich neues Farbpulver in die Luft warfen. Auch aus Sicht der Veranstalter verlief das Holi-
Festival reibungslos. Rund 100 Mitarbeiter in der Gastronomie, von Sicherheitsdiensten und Marketing verrichteten gute Arbeit und sorgten für gute Umsätze und zufriedene Kunden. Der Eintritttspreis lag zwischen 18 Euro im Vorverkauf und 30 Euro an der Abendkasse. Mitarbeiter der Sport- und Freizeit GmbH säuberten am Sonntagmorgen die Straßen und Wege zwischen S-Bahnhof und Holi-Gelände. Spaßbad-Chef Ingo Haselbacher begrüßte „Partystimmung, die dem Wetter getrotzt hat“.
Haselbacher übersah aber auch nicht den Wust an Plastik-, Glas- und Papiermüll, den die Feiernden zurückließen. Insgesamt erkannte Haselbacher eine „kommerzielle Abwandlung“ der hinduistischen Feierlichkeiten. Das Festival bereitete vielen jungen Menschen eine große Party mit „sehr viel Alkohol“ (Hallmann), oder einfach einen Tag mit guter Laune und wenigen Sorgen. In Indien sollen Streitigkeiten beigelegt und schlechte Vibrationen in gute umgewandelt werden. Ob, wie in Indien, das soziale Gefüge ernsthaft umgewälzt oder vielleicht sogar gestärkt worden ist, war auf dem Mellendorfer Holi-Festival nicht klar ersichtlich. Festzuhalten bleibt: Es hat Spaß gemacht. So wird das Freibad nach 2012, 2013 und 2014 auch im kommenden Spätsommer Schauplatz einer bizarren Farbschlacht sein.