Werkstatt unterstützt auch außer Haus

Bürgermeister Helge Zychlinski (hinten rechts) sah sich interessiert in der Pestalozziwerkstatt im ehemaligen Postverteilzentrum um, wo zurzeit 34 psychisch beeinträchtigte Menschen arbeiten. Foto: A. Wiese

Pestalozzi-Betriebsstätte in Mellendorf Ziel der Bürgermeister-Sommertour

Mellendorf (awi). Sich mal in Ruhe dort umsehen, wo man sonst im Alltagsgeschäft nicht unbedingt hinkommt, das ist unter anderem das Ziel der Sommertour des Bürgermeisters. Zum Auftakt besuchte Helge Zychlinski letzte Woche unter anderem die Betriebsstätte der Pestalozzi-Stiftung in Mellendorf. Im ehemaligen Postverteilzentrum stellen 34 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen Mappen zusammen, bauen Möbel für die Fundgrube von Ikea zusammen, verpacken Teile für den Industriehof Scherenbostel, setzten Pumpenteile für die Firma Jesco zusammen oder füllen Backzubehör für die Firma Pickerd ab. Die Auftragslage sei schwankend, berichten Betriebsstättenleiter Martin Mahlau und der Geschäftsführer der Behindertenhilfe in der Pestalozzi-Stiftung, Nico Lauerwald. Vor fünf Jahren war die Stiftung mit ihrer Betriebsstätte von Isernhagen in die Wedemark gezogen und ist mit diesem zentral gelegenen Standort so zufrieden, dass sie ihn jetzt um weitere 45 Quadratmeter erweitern will. Dort sollen ein weiterer Produktionsraum und Büros untergebracht werden. Doch auch nach außerhalb möchte Martin Mahlau das Angebot seiner Betriebsstätte ausbauen: Menschen aus der Einrichtung können beispielsweise haushaltsnahe Dienstleistungen verrichten, Rasen mähen oder Senioren zum Friedhof begleiten, um dort kleine gärtnerische Tätigkeiten vorzunehmen. Auf keinen Fall will die Stiftung mit ihrer Betriebsstätte gewerblichen Unternehmen Konkurrenz machen, betonen Mahlau und Lauerwald. Ihr Anliegen ist, ihre Beschäftigten so zu fördern, dass sie bereit und in der Lage sind, Übergänge ins normale Arbeitsleben zu versuchen. So klappt zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Firma Sennheiser schon ganz gut. „Es geht um Teilhabe am Arbeitsleben“, betont Nico Lauerwald: „Wir bringen unsere Beschäftigten in die Situation, dass sie überhaupt arbeiten können.“ Viele der 34 Beschäftigten in der Betriebsstätte kommen aus den Einrichtungen Schwanenwik in Mellendorf und Mohmühle in Gailhof, einige wenige aus Burgwedel, das über den ÖPNV gut angebunden sei. Der Bürgermeister freute sich, „mal über den Tellerrand schauen“ zu können und nannte die Betriebsstätte „ein kleines, unscheinbares Juwel“. Die Nachnutzung des Postverteilzentrums durch die Pestalozzistiftung bezeichnete er als „genial“. Interessiert hörte er sich Mahlaus Schilderung der Pläne an, sich außerhalb der Werkstatt zu positionieren und überlegte sofort, wo die Gemeinde Einsatzmöglichkeiten für die Beschäftigten der Betriebsstätte haben könnte. Martin Mahlau wird die Pläne der Stiftung demnächst im Behindertenbeirat vorstellen und erhofft sich von dort ebenfalls Unterstützung. Jeder Einsatz außerhalb des geschützten Umfeldes mache den Beschäftigen zusätzlich Mut und helfe ihnen, in kleinen Schritten in Richtung Teilhabe zu gehen, betonte Mahlaus. Wer sich vorstellen kann, Einsatzmöglichkeiten für die Beschäftigten zu haben, kann sich gerne bei Martin Mahlau melden.