Wetterdienstplakette für ehrenamtliche Tätigkeit

Der Niederschlagsanzeiger in seinem Garten ist Alfred Reuschs einzige Messstation. „Zum Beobachten der Pflanzen brauche ich nichts als meine Augen“, sagt der 77-Jährige Alfred Reusch. Foto: S. Birkner

Seit mehr als 25 Jahren arbeitet Alfred Reusch für den Deutschen Wetterdienst

Gailhof. Rispenschieben, Blattentfaltung, Gelbreife, Schossen – nicht gerade geläufige Ausdrücke. Für Alfred Reusch gehören sie zum alltäglichen Vokabular. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet Alfred Reusch ehrenamtlich für den Deutschen Wetterdienst als phänologischer Beobachter in Gailhof.
Phänologie ist die „Lehre von den Erscheinungen“. Gemeint sind die periodischen Wachstums- und Entwicklungserscheinungen aller pflanzlichen und tierischen Lebewesen im Jahresablauf. Bei Pflanzen sind dies beispielsweise die eingangs aufgeführten Zustände. Beim Mais zum Beispiel wird das „Rispenschieben“ notiert, wenn bei etwa 50 Prozent der Pflanzen am Ende des Stängels die Rispe gerade sichtbar wird.
Auch im Zeitalter modernster Techniken mit Satellitensondierungen der Atmosphäre, computergestützten Vorhersageverfahren und so weiter kann der Wetterdienst auf die Mitarbeit der vielen freiwillig und ehrenamtlich tätigen Helfer nicht verzichten. In der Bundesrepublik gibt es etwa 1.800 ehrenamtlich betreute Wetterstationen (circa 850 melden online). Hinzu kommen circa 1.200 „phänologische Beobachterinnen und Beobachter“. Abgerundet wird die ehrenamtliche meteorologische Grunddatenerhebung durch circa 800 maritime Stationen an Bord weltweit fahrender deutscher Handels- und Forschungsschiffe.
Allein die hier ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter können das umfangreiche Beobachtungsmaterial liefern, das Grundlage für die vielfältigen Aufgaben des Wetterdienstes bildet.
Der Anwendungsbereich der Daten und Erkenntnisse ist weit gefächert: Industrie und Technik, Verkehr, Land- und Wasserwirtschaft, Gesundheitswesen und Erholung, Landes- und Regionalplanung sind Nutznießer des Datenmaterials. Hinzu kommen Auskünfte und Gutachten über vergangenes Wetter für Gerichte, Versicherungen und andere Interessenten.
Es ist das große Verdienst von Alfred Reusch, an dieser, dem Allgemeinwohl dienenden Aufgabe mitgewirkt zu haben. Hierfür erhielt Alfred Reusch jetzt die Wetterdienstplakette für ehrenamtliche Tätigkeit. Die Auszeichnung wurde dem Jubilar vom Leiter der regionalen Messnetzgruppe Hamburg des Deutschen Wetterdienstes, Joachim Horn, verbunden mit dem Dank des Präsidenten des Deutschen Wetterdienstes, überreicht.