„Wie schaffen Sie es, die Bürger so zu motivieren?“

Die Mitglieder vom Verein Bürger für Resse führten ihre Besucher aus Gau-Bischofsheim stolz durch den Markt. Foto: A. Wiese

Verein Bürger für Resse bekam Besuch von Verein aus Gau-Bischofsheim

Resse (awi). Die erfolgreichen Aktivitäten des Vereins Bürger für Resse, insbesondere die Gründung der Genossenschaft und der Bau des Supermarktes, haben den Ort am Rande der Wedemark und seinen engagierten Verein in ganz Deutschland bekannt gemacht. Eine der Fernsehsendungen, in den denen über die Aktivitäten der Resser Bürger zum Erhalt und Ausbau ihrer Infrastruktur berichtet wurde, sah Hans-Erhard Jacobs, einer von drei Vorsitzenden des Vereins Bürger für Gau-Bischofsheim im Süden Deutschlands. Er und seine beiden Vorstandskollegen Karl-Heinz Göth und Peter Rocker waren sich schnell einig: „Da müssen wir hin und herausfinden, wie die das in Resse machen, so viele Bürger für ihre Vorhaben zu begeistern.“ Gesagt, getan. Über Internet und Telefon nahmen die Gau-Bischofsheimer Kontakt zu Resse Ortsbürgermeister Jörg Woldenga und dem Vorsitzenden des Vereins, Bürger für Resse, Jochen Pardey auf und am letzten Freitag traten sie mit ihrem Schatzmeister Peter Zimmermann im Gefolge die lange Reise in den Norden an. Um 15 Uhr tafen sich die Vertreter von Bürger für Resse und Bürger für Gau-Bischofsheim im Frischemarkt Pagel zum Erfahrungsaustausch mit Marktbesichtigung. „Unser Ort ist etwa so groß wie Resse“, berichtete Hans-Erhard Jacobs, „doch wir haben viel weniger Vereinsmitglieder als Sie.“ Für den Frischemarkt, der schon zum einjährigen Bestehen im November um einen Getränkemarktanbau erweitert sein soll, waren die Besucher voll des Lobes. Sie haben in ihrem Ort keinen Supermarkt oder andere Versorgungsmöglichkeiten, obwohl Grundschule und Kindergarten vor Ort sind. „Unser größtes Projekt bisher war eine Weinbergschutzhütte“, so Karl-Heinz Göth aus Gau-Bischofsheim. Die einvernehmliche Frage der Besucher: „Mit welcher Motivation schafft man so eine Identifikation der Bürger mit ihrem Ort?“ Jochen Pardey, die Genossenschafts-Aufsichtsratsvorsitzende Hannelore Gabel und weitere Vereinsmitglieder standen den Gästen Rede und Antwort, berichteten von den Anfängen mit den Bemühungen, das Sparkassengebäude als Arztpraxis vor Ort zu erhalten, dem Wunsch, wieder einen Geldautomaten in Resse zu haben und dem alteingesessenen Kaufmann Thorsten Pagel die Chance zu geben, die Nahversorgung für Resse weiterhin sicherzustellen, obwohl keine der großen Ketten das Wagnis eingehen wollte. „Genauso ist es bei uns auch“, berichteten die Gau-Bischofsheimer. Keine Kette sei bereit, für die vorhandene Einwohnerzahl einen Markt zu etablieren. „Wir haben zunächst selbst ein Kaufkraft-Gutachten in Auftrag gegeben“, berichtete Jochen Pardey , „und dann den Markt für die Größe des Ortes maßgeschneidert.“ Aus der Kaufkraft sei der mögliche Umsatz, und daraus die Miete des Kaufmanns an die Genossenschaft errechnet worden. Aus der Miete habe sich die Investitionsgröße ergeben. So sei aus dem kleinen 130 Quadratmeter großen Dorfladen ein moderner Markt mit 650 Quadratmeter Fläche geworden, der schon in Kürze erweitert werde. Zusammen mit ihren Gästen gingen die Vereinsmitglieder dann erst durch den Markt und dann durch den Ortskern. Die angeregten Gespräche zogen sich den ganzen Nachmittag hin und die Gau-Bischofsheimer sagten zu, mit den Ressern in Kontakt zu bleiben.