Windkraft in Brelingen aus der anderen Perspektive

Landwirte Vortmüller und Rose stellen ihre Sicht der Dinge dar

Schadehop (awi). Wie bei allen Dingen gibt es auch zur Thematik Windkraft in Brelingen verschiedene Blickwinkel. Die Standortgegner von Brelingen 03 hätten ihre Sichtweise aus diversen Richtungen beleuchtet, die „andere Seite“ sei hingegen bisher so gut wie gar nicht zu Wort gekommen, finden Cord-Heinrich Vortmüller und Rudi Rose. Die beiden Landwirte gehören zu den Eigentümern der in Frage kommenden Flächen zwischen Brelingen und Wiechendorf. Vortmüller nahm an der letzten Informationsveranstaltung der Interessengemeinschaft der Standortgegner teil und hatte dort Gelegenheit, einmal aus seiner Sicht etwas zum Thema beizutragen, indem er die Entwicklung der Dinge schilderte. Das sei in der Presse jedoch stark verkürzt dargestellt worden und es könnte ein falscher Eindruck entstanden sein, befürchtet Vortmüller und lud noch einmal zu einem Gespräch ein. „Der massive Druck durch die Gemeinde, von dem ich in der Versammlung gesprochen habe, ist vor Jahren, als das Thema Windkraftstandorte zum ersten Mal hochkam, von Bürgermeister Bartels ausgeübt worden, nicht jetzt in der aktuellen Situation. Bartels hatte damals die Landwirte von Verträgen mit Projektierungsunternehmen abhalten wollen. Diese schicken ihre Flächenscouts, um entsprechende Flächen einzuwerben. Vor eineinhalb Jahren tauchten die Scouts wieder auf. Sie kamen von den Konzernen PNE (Plambeck Neue Energien AG), Windstrom, Naturstrom und anderen. Rund zehn betroffene Grundeigentümer setzten sich an einen Tisch, um sich anzuhören, was ihnen angeboten wurde. Es waren acht konkrete Angebote", berichten Vortmüller und Rose. Es sei bekannt gewesen, dass auch die Gemeindewerke unterstützt von Gemeinde und Politik etwas in Sachen Windkraft plante, konkrete Informationen hätte es jedoch zu dem Zeitpunkt nicht gegeben und einige seien der Meinung gewesen „bloß nicht mit der Gemeinde“. Mit den Firmen direkt zu verhandeln sei einfacher und direkter, so der Konsens. Doch die Gemeindewerke haben im wahrsten Sinne des Wortes „Wind von der Sache“ bekommen, ihren Standpunkt dargestellt und den Landwirten ihrerseits ein Angebot unterbreitet. Die traten vertreten durch das Landvolk in die Verhandlungen ein und kamen schließlich auf einen Nenner. Die ersten Investitionen für ein avifaunistisches Gutachten in Höhe von rund 12.000 Euro wurden getätigt. Mitte letzten Jahres sei dann die Wedemärker Windkraft Verwaltungs GmbH gegründet worden, mit der einige der Grundstücksbesitzer Verträge für die Nutzungsrechte abgeschlossen haben. Geplant sei weiterhin die Gründung einer Betreibergesellschaft von Gemeindewerken und Ackerstrom Wedemark Beteiligungs GmbH & Co. KG, die die Windräder baut und betreibt. Die Gemeindewerke sind zur Hälfte an der Wedemärker Windkraft Verwaltungs GmbH beteiligt. Die Pachtverträge haben die Landwirte mit der Option der Beteiligung gemacht. An der Betreibergesellschaft ist Ackerstrom zu 34 Prozent beteiligt, hiervon hält das Landvolk ein Prozent. Ehrlich räumen Vortmüller und Rose ein, dass sie vor dem Hintergrund von Fukushima nicht mit dem massiven Widerstand aus Brelingen gegen die Windkraft an diesem Standort gerechnet hätten und mit dem „Gegenwind“ auch nicht so einfach umgehen können. Die offene Aussprache in der Informationsveranstaltung sei für alle Seiten positiv gewesen, so Vortmüller. Ihm ist klar, dass das Projekt unter Zeitdruck steht, da die BIMSCH-Genehmigung bis Ende des Jahres vorliegen muss, da ansonsten Ausschreibungspflicht besteht. Die Pachtverträge für die Grundstücke sind für 20 Jahre abgeschlossen, die Vergütung ist von den Einnahmen für den durch die Windenergie erzeugten Strom abhängig. Keinesfalls handele es sich dabei aber um eklatante Summen, betonen Vortmüller und Rose: „Die anderen Projektierungsgesellschaften haben wesentlich höhere Pachterträge angeboten als die Wedemärker Windkraft Verwaltungs GmbH. Eine echte Bürgerbeteiligung wäre aber nicht möglich gewesen.“ Als nächster Schritt sei die Gründung einer Kommanditgesellschaft auf Seiten der Landwirte und die Gründung einer Genossenschaft bei den Gemeindewerken mit allen an dem Projekt Interessierten aus der Wedemark geplant. „Wir selbst wollen uns beteiligen und wollen auch, dass sich die Wedemärker Bürger beteiligen, darum machen wir das auf diese Weise, sonst hätten wir unsere Rechte auch einfach an eine Projektierungsgesellschaft verkaufen können und hätten nichts mehr damit zu tun“, so Vortmüller. Er geht davon aus, dass, wenn alles läuft wie geplant, die drei Windräder auf der einen Straßenseite zwischen Brelingen und Wiechendorf Ende 2017 stehen. Da alles am Raumordnungsprogramm der Region hängt, habe die Kommunalwahl im September keinen Einfluss darauf, wenn die Standorte einmal für die Windkraft vorgesehen seien. Kippen würden die Pläne allerdings, wenn ein Gutachten vorher noch Punkte zutage fördern würde, die gegen die Errichtung der Anlagen sprechen, wissen auch Vortmüller und Rose. Aber davon sei ihnen zurzeit nichts bekannt.