WinterJazz Brelingen gut gestartet

Johanna Borchert am Flügel bei ihrem Jazzkonzert in der Brelinger St.-Martini-Kirche. Foto: B. Stache
 
Johanna Borchert am Flügel bei ihrem Jazzkonzert in der Brelinger St. Martini-Kirche. Foto: B. Stache

Johanna Borchert begeistert mit einer starken Solo-Performance

Brelingen (st). Den zirka 50 jazzbegeisterten Besuchern wurde am Samstagabend in der St.-Martini-Kirche zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „WinterJazz Brelingen“ viel geboten. Mit ihrem virtuosen Solo-Auftritt am Flügel und ausdrucksstarken Gesang eroberte die 31-jährige Sängerin und Pianistin Johanna Borchert von Beginn an die Herzen der Konzertbesucher. Die gebürtige Berlinerin wuchs in Ritterhude bei Bremen auf. Zur Musik kam sie als Fünfjährige, motiviert durch ihre Mutter. Borchert studierte Klavier und Komposition in Kopenhagen und Berlin, ihrem heutigen Wohnort. Den zweistündigen Jazz-Konzertabend eröffnete sie mit einer freien Improvisation und anfangs sehr vorsichtigen Anschlägen. Ihr Klavierspiel steigerte sich rasch zu einem kraftvollen Sound mit schnellen Passagen und endete in einer gefühlvollen Sequenz. Schon beim ersten Auftritt zeigte die Künstlerin ihr ganzes Können. Im folgenden Stück – bei einem sich farblich ändernden Hintergrundbild – zauberte Johanna Borchert in reiner Handarbeit durch gezupfte und gestrichene Saiten kraftvolle Töne aus dem Flügel, in den sie mit ihrem ganzen Körper einzutauchen schien. In „Soulmates“ besingt sie die Begegnung mit einer Frau, die über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Wolkenfetzen gleich, glitten dabei helle Lichteffekte über den aufgeklappten Flügeldeckel – ein starker Auftritt mit Klavier und großartiger Stimme. Für die besonderen Lichtmomente sorgte Benjamin Schindler an den Visuals und Martin Ruch unterstützte mit seinen wunderbaren Soundeffekten. Ganz frühlingshaft und mit großer Leichtigkeit intoniert, präsentierte sich Borchert mit „Free Wheeling“, einer Liebeserklärung an das Leben. Geisterhaft, nahezu gespenstisch anmutend, wirkte dagegen das Stück „You make me feel tipping on my toes“. Ihre ganze musikalische Virtuosität spielte Johanna Borchert in einer weiteren Improvisation aus und verlangte dabei sich und dem Flügel alles ab. Vor der Pause, zu der sich die Besucher in der benachbarten Brelinger Mitte trafen, bot die Künstlerin mit „Desert Road“ eine musikalische Zugfahrt von San Francisco nach Los Angeles – überzeugend gesungen und stark gespielt. „Ganz ungewöhnlich fand ich die Töne, die dort rauskamen“, beschrieb Sabine Koop aus Hellendorf zur Pause den außergewöhnlichen Einsatz der Musikerin, bei dem sie mit Bassbogenhaaren und Blu-Tack den Saiten des Flügels einen zauberhaften Klang entlockte. Ehemann Sönke Koop fand den Gesang sehr beeindruckend. „Es war ein schöner Klang, eine sehr schöne Stimme zum Klavier.“ Den zweiten Konzertabschnitt begann Borchert mit einer Hommage an die Natur. Die künstlerisch wertvolle Darbietung erinnerte an einen erwachenden Morgen, szenisch auf dem Flügel nachempfunden und mit vollem, wohlklingendem Gesang untermalt. Dazu zauberte Benjamin Schindler auf den Hintergrund einen sich erhellenden Himmel vor einer Stadt- und Landschafts-Silhouette. Interaktiv wurde es bei einem indisch inspirierten Stück. Die Zuhörer folgten der Aufforderung der Künstlerin, sie dabei summend zu begleiten. Borchert, die ein halbes Jahr in Indien gelebt hat, ließ mit ihrem kraftvollen Einsatz zwischenzeitlich das ganze Kirchenschiff beben. Jazz pur und in seiner ganzen Vielfalt präsentierte die Sängerin und Pianistin mit „Lightyears“, bereichert durch eine starke Geräuschkulisse aus dem Mischpult von Martin Ruch. Auf besonderen Wunsch eines Konzertbesuchers folgte ein zweites indisches Lied, das mit seiner wunderbaren Klangfülle durch den gesamten Kirchenraum hallte. Als Abschluss spielte Johanna Borchert den Titelsong ihres neuen Albums „FM Biography“. Dem begeisterten Publikum schenkte sie als Konzertzugabe „Lullaby“, ein Schlaflied mit zyprischem Text. „WinterJazz Brelingen hat auch in Musikerkreisen einen hohen Stellenwert“, erklärte Angela von Mirbach, Kulturbeauftrage der Gemeinde Wedemark, die unter den Konzertbesuchern weilte. Ihr Ehemann Dietrich von Mirbach hatte zu Beginn der Veranstaltung als Mitglied des Orgelbauvereins St. Martini Brelingen auf die folgenden vier Veranstaltungen in der Reihe WinterJazz Brelingen hingewiesen. Am Samstag, 31. Januar, tritt um 20.30 Uhr die Esther Kaiser Band in der Brelinger Mitte auf. Dort haben auch Klaus Spencker Elements & Hans-Hermann Briese mit ihrem Programm „Van Tied to Tied“ am Samstag, 14. Februar, um 20.30 Uhr ihren Auftritt. In die Brelinger St.-Martini-Kirche kommen am Samstag, 28. Februar, um 20 Uhr Nik Bärtsch`s Mobile mit „Ritual Groove Music“. Den Abschluss der WinterJazz-Serie bilden Peter Ehwald`s Double Trouble mit „Die Kraft der zwei Bässe“ am Samstag, 7. März um 20.30 Uhr in der Brelinger Mitte.