Wirtschaft will gelernt sein

Die "Betriebschefin" Rebecca Olischewski (Mitte) und ihre Stellvertreterin Corinna Koch stellten gemeinsam mit Konditormeister Henrik Häusser die Produktpalette ihrer Bäckerei vor. (Foto: S. Birkner)

Realschule führte einwöchiges Planspiel durch

Mellendorf (sb). Wer in dieser Woche die Küche der Realschule Wedemark betrat, dem stieg ein angenehm weihnachtlicher Geruch in die Nase. "Genau das ist unser Ziel", erklärte Konditor-Chef Henrik Häusser. "Es geht uns darum, dass sich die Kunden wohlfühlen. Wir wollen ihnen gute Produkte anbieten und damit wettbewerbsfähig bleiben", sagte er. Seine prompte Reaktion auf den Pressebesuch am Donnerstagvormittag verdeutlichte, wie gut die Realschüler das pädagogische Konzept eines einwöchigen Planspiels aufgenommen hatten. Im Rahmen der erstmals durchgeführten Betriebssimulation war der gesamte neunte Jahrgang in insgesamt sechs verschiede Schwerpunktbetriebe eingeteilt worden, um gleichermaßen Wirtschaft und Handwerk in einem Unternehmen kennenzulernen. Die Schüler konnten aus den Bereichen Papeterie, Holz-, Papier- und Spielzeugwerkstatt, Schmuckdesign und Bäckerei ihren favorisierten Wirtschaftszweig auswählen und dann fünf Tage lang in verschiedenen Funktionen m
itarbeiten. Betreut wurden die jeweils 16 Schüler starken Abteilungen von je einer Lehrkraft, die allerdings nur geringfügige organisatorische Aufgaben übernahm. Die verantwortliche Wirtschaftslehrerin Frau Roth erklärte, dass es in dem Planspiel besonders auf die Eigenständigkeit der Jugendlichen ankomme. "Sie sollen lernen, ihre Funktionen gewissenhaft zu übernehmen und als Team erfolgreich zu sein", sagte sie. Die Bäckereiabteilung, zu deren Produktpalette unter anderem Weihnachtsgebäck wie Hexenhäuser und Plätzchen, aber auch abgefülltes Orangen-Ingwer-Gelee gehörte, war also für ihren Erfolg selbst verantwortlich. "Das Planspiel funktioniert wie die echte Wirtschaft, sodass auch Aufträge zwischen den einzelnen Abteilungen vergeben werden und die Kommunikation zu jeder Zeit gut sein muss", erklärte Wirtschaftslehrerin Anke Henze. Um die Authentizität der Simulation zu gewährleisten, wurden die Betriebsmitarbeiter von den Lehrern mit der Höflichkeitsform
"Sie" angesprochen und es gab Betriebsversammlungen, auf denen gemeinsam wichtige strategische Entscheidungen getroffen wurden.
Gestern stand zum Abschluss der gesamten Aktion ein Basar statt, der - wie es sich in funktionierenden Unternehmen gehört - von einer Werbeabteilung angepriesen worden war. Wie erfolgreich die jeweiligen Wirtschaftszweige gearbeitet hatten, zeigte sich bei dieser abschließenden Aktion anhand der Verkaufsbilanzen. Mögliche erwirtschaftete Überschüsse kamen den Klassenkassen zugute. Im Vorfeld des Planspiels hatten die Realschüler entscheidende Fertigkeiten für das spätere Berufsleben erlernt. Sie hatten mit einer formalen Bewerbungen ihr Interesse am jeweiligen Unternehmen bekundet, um sich dann bei einem Vorstellungsgespräch für ihre favorisierte Funktion qualifizieren zu können. "Wir haben allen Bewerbern im Anschluss an das Gespräch eine Rückmeldung gegeben, um sie möglichst gut auf die Realitätssituation vorzubereiten", erläuterten Roth und Henze. Dieses Feedback sei von den Schülern bestens aufgenommen worden und habe ihnen eigener Aussage nach Sicherheit für kommende Aufgaben gegeben.