Wirtschaftsminister besucht Sennheiser

Volker Bartels (l.), Mitglied der Geschäftsleitung, führte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (r.) und Helge Zychlinski durch das Sennheiser-Unternehmen.
 
Helge Zychlinski freute sich über den Besuch von Hanne Modder, hier vor dem Kindergarten Domino. Als Fotogag liehen sich beide den pinkfarbenen Schal von Christa Bogenschütz aus. Foto: A. Wiese

Das Unternehmen wird durch die „Marke Sennheiser“ geprägt

Wennebostel (awi). Prominente Wahlkampfunterstützung für SPD-Bürgermeisterkandidat Helge Zychlinski: Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies folgte am Mittwoch Zychlinskis Einladung, um zwei innovative Wedemärker Unternehmen zu besuchen: zunächst die Firma FSZM in Meitze und anschließend Sennheiser electronics in Wennebostel. Bereits am Dienstag war auf Zychlinskis Einladung hin die Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Hanne Modder, in der Wedemark: im Kindergarten Domino in Mellendorf als ein hervorragendes Beispiel für gelungene Inklusion und bei der Firma Fresh Breeze im Gewerbegebiet Bissendorf, wo Geschäftsführer und Firmeninhaber Michael Werner die politischen Gäste begrüßte und in die Welt der Trikes, Gleitschirme und anderer Fluggeräte, die hier in Bissendorf produziert werden, einführte.
Besuch auch bei FSZM
War Wirtschaftsminister Olaf Lies schon von der Vielfalt, mit der die Firma FSZM mittlerweile aufgestellt ist nach dem konzentrierten Vortrag von Geschäftsführer Ulrich Grösch, sehr beeindruckt, konnte Volker Bartels als Mitglied der Geschäftsleitung von Sennheiser dies mit der Führung durch die Produktion in Wennebostel und die anschließende Besichtigung der Baustelle noch einmal toppen. Da die beiden Geschäftsführer Daniel und Andreas Sennheiser gerade wichtige Messen in Kalifornien und Las Vegas besuchen, präsentierte Bartels, der seit 27 Jahren bei Sennheiser ist, dem Minister das Unternehmen im Schnelldurchlauf. Klar, dass beim Fotodurchlauf prominenter Künstler und anderer Personen vor Sennheiser Mikrofonen auch eine Aufnahme von Olaf Lies im Landtag nicht fehlen durfte. Zuvor hatten Lies und Bartels bereits festgestellt, dass sie quasi Berufskollegen sind, denn beide haben Elektrotechnik studiert, dann entwickelten sich die Karrieren allerdings ganz offensichtlich in verschiedene Richtungen. Volker Bartels war lange Jahre Geschäftsführer und blieb auch im Unternehmen, als die Brüder Daniel und Andreas Sennheiser in die erste Reihe des Familienbetriebes aufstiegen. Bartels ist in der Sennheiser-Gruppe als Mitglied der Geschäftsleitung für die Bereiche Forschung, Prototypenerstellung, Produktqualität und Prozessqualität verantwortlich. „Das Unternehmen ist geprägt durch die Marke Sennheiser“, so Bartels. Nachwievor gelte die Maxime: „As perfectly as possible“ (so perfekt wie möglich). „Wir gestalten die Zukunft der Audioindustrie, basierend auf unserer Geschichte, unserer Innovationskultur und unserer Leidenschaft für Exzellenz“, zitierte Bartels den Leitsatz des Unternehmens, der in der Erkenntnis gipfele: „Wir sind einfach nie zufrieden.“ Das bedeute, dass man zwar große Erfolge schätze, aber sich darauf ausruhe. Mehr als die Hälfte des Geschäftes mache mittlerweile der Kopfhörer aus. Eindrucksvoll belegte Bartels das Wirken von Sennheiser mit Aufnahmen von Künstlern wie Louis Armstrong oder PINK. 80 bis 100 Kanäle seien bei einer solchen Drahtlos-Show wie PINK sie zeigt, in der Luft. „Solche Shows sind nur mit Sennheiser möglich und sind auch unsere Spezialität“, erklärte Bartels stolz. Sennheiser sei aber auch Lieferant für über 100 Airlines und für Konferenztechnik, wie sie auch im hannoverschen Landtag genutzt werde. Bartels verwies auf einen Jahresumsatz von Sennheiser in 2012 von 584,4 Millionen Euro, eine Exportquote von 84 Prozent und eine Ausweitung insbesondere auf dem asiatischen Markt. Sennheiser habe aber mittlerweile auch Vertriebszentren in Australien und Neuseeland. Der Umsatz verteile sich zu 49 Prozent auf Kopfhörer, zu 35 Prozent auf Mikrofone und zu 16 Prozent auf „Integrated Systems“. Sennheiser beschäftige weltweit mittlerweile rund 2.500 Mitarbeiter. „Bei ihren weltweiten Aktivitäten, kommunizieren Sie da Wedemark als Ihren Firmensitz?“, wollte Wedemarks SPD-Bürgermeisterkandidat Helge Zychlinski wissen und war über die Antwort, „Ja, sicher, so steht es auf unseren Visitenkarten“, sichtlich erfreut.
Individuell bewerten
Einen Tag zuvor hatte Zychlinski die SPD-Fraktionschefin im niedersächsischen Landtag, Hanne Modder, im Kindergarten Domino empfangen. Modder lauschte interessiert dem Bericht von Kindergartenleiterin Gerlinde Quick, wie der Kindergarten mit seinen integrativen Gruppen arbeitet, bevor die Teilnehmer des Besuches in die Diskussion zum Thema Inklusion einstiegen. Dabei stand außer Frage, dass jeder Fall individuell bewertet werden muss und pauschale Maßgaben niemals zu Erfolg führen werden. „Es gibt durchschnittlich begabte Kinder mit erheblichen Verhaltensauffälligkeiten, wo es dennoch nicht sinnvoll ist, ihnen eine komplette Person an die Seite zu stellen“, berichtete Gerlinde Quick. Es gebe aber auch andere Kinder, die so beeinträchtigt seien – geis-tig behindert mit stark selbstverletzenden Tendenzen –, dass eine 1:1-Betreuung unvermeidbar sei. Man müsse immer gucken, was das einzelne Kind brauche. Das gelte aber auch für die Eltern, erklärte Quick Hanne Modder und Helge
Zychlinski. Manche seien sehr uneinsichtig, andere sähen dagegen sehr klar, was ihr Kind brauche. „Wir sind schon ein Stückchen weiter als vor 15 Jahren, als die ersten Kinder mit Handicap in integrative Gruppen aufgenommen wurden“, resümierte Hanne Modder nach dem einstündigen Gespräch: „Es behauptet niemand, dass Inklusion hundertprozentig gelingen kann. Wir sind in Deutschland die Weltmeister des Aussortierens gewesen. Aber auch Menschen mit Handicap sind Teil dieser Gesellschaft und bereichern uns.“ Sie sei überzeugt, dass die Politik jetzt auf dem richtigen Weg sei, wenn auch erst am Anfang. Ihr habe mal jemand gesagt, es dauere eine Generation, bis Inklusion gelänge. „Wir haben viele Kinder aussortiert, die nicht aussortiert gehören. Das will ich zurückholen“, betonte Modder.
Im Kindergarten Domino werde Inklusion bereits seit 1997 praktiziert, erklärte Heiner Peterburs, SPD-Politiker und Vertreter der Lebenshilfe. In Personal und Räume sei entsprechend investiert worden. „Für uns in der Wedemark ist es sehr wichtig, dass wir Domino hier haben“, schloss sich ihm Helge Zychlinski an. Kindergarten und Schule seien die Keimzellen der Gesellschaft.
„Langwieriger Prozess“
Die Kommune müsse sich dem Prozess der Inklusion stellen, schaffe das aber nicht alleine und sei auf die Unterstützung des Landes angewiesen. Er fände es wichtig, dass Kinder lernten mit anderen behinderten Kindern und Erwachsenen umzugehen, erklärte Zychlinski. Eine funktionierende Inklusion mache einen Bildungsstandort attraktiv. Verständlich sei, dass die Beschäftigten der Förderschulen, die jetzt schrittweise abgebaut werden sollten, Ängste hätten. Dem gelte es mit Verständnis zu begegnen. Hanne Modder bestätigte dies: „Das ist ein langwieriger Prozess und ein sehr sensibler Bereich für alle Beteiligten.“