Wohngebiet soll Gewerbegebiet ablösen

Heute noch Gewerbegebiet – in Kürze schon Wohngebiet? Der Ortsrat Wennebostel hat die Umwandlung am Donnerstagabend befürwortet. Foto: A. Wiese

Dringender Baulandbedarf in Wennebostel – Ortsrat stimmt für Bebauungsplan

Wennebostel (awi). Bauland ist in Wennebostel Mangelware. Seit über vier Jahren dümpelt der Bebauungsplan Im Mühlengrund vor sich hin, eine zügige Umsetzung sei nicht in Sicht, musste auch Planer Holger Zorn am Donnerstagabend eingestehen. Massive Kritik daran, dass die Verwaltung viel Geld für eine Feuerwehr-Nachwuchs-Kampagne ausgibt, aber nichts dafür tut, junge Feuerwehrleute im Ort zu halten, wurde im Ortsrat ebenfalls nicht zum ersten Mal laut. Da ist es kein Wunder, dass Verwaltung und Ortsrat jede Möglichkeit nutzen, dem Mangel an Wohnbauland entgegenzuwirken. Die Umwandlung des Gewerbegebietes Krähenberg in Wohnbauland ist eine solche Möglichkeit.
„Der Bebauungsplan Nr. 16/02 „Gewerbegebiet Krähenberg“ wird durch die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 16/12 Wohngebiet „Am Krähenberg“ im Gemeindeteil Wennebostel aufgehoben. Ziel der Planung ist, die gewerblichen Nutzungen am Nordrand von Wennebostel durch eine Wohnbebauung abzulösen.Die Kosten der Planung gehen zu Lasten des Grundstückseigentümers.“ So lautet der Beschluss, den der Ortsrat Wennebostel gestern nach eingehender Diskussion auch mit den Zuhörern, für die Ortsbürgermeister Achim von Einem die Sitzung eröffnete, gefasst hat. Nicht mehr zur Debatte steht hingegen, im Vorgriff auf die Umwandlung durch einen Investor Häuser errichten zu lassen, die für einen begrenzten Zeitraum der Flüchtlingsunterbringung dienen sollten. „Die baurechtliche Komplexität im Bereich des Gewerbegebietes Am Krähenberg führt nun dazu, dass zum jetzigen Zeitpunkt in diesem Bereich keine Häuser für die temporäre Unterbringung von Flüchtlingen entstehen können“, stellte Bürgermeister Helge Zychlinski jedoch relativ überraschend letzte Woche fest. An dem Ziel, dort Wohnbebauung zu ermöglichen, werde aber nach wie vor festgehalten. Und genauso sieht es auch der Ortsrat. Der betonte in seinem Beschluss, dass zehn Meter First- und 3,50 Meter Traufhöhe bei den Wohnhäusern nicht überschritten werden sollte. Mit einer Grundflächenzahl von 0,3 möchte der Ortsrat sichergestellt wissen, dass maximal 30 Prozent der Grundstücksfläche bebaut werden könnten, stellten von Einem und sein Stellvertreter Fredy Krause heraus. Sie fügten zudem an, dass sie in dem Gebiet trotz noch ausstehenden Lärmgutachtens keine Schallschutzwände wünschen, „auch nicht grün angestrichen“. Unerwünscht ist auch eine Verbindung zur L 190 über den vorhandenen Wirtschaftsweg, der auf keinen Fall zur öffentlichen Straße werden soll. Auch die jetzt vorhandenen Parkplätze im Seitenraum sollen in den Bebauungsplan integriert werden. Sie gehören nicht dem Eigentümer des früheren Engelmann-Geländes, sondern örtlichen Landwirten. Planer Holger Zorn warnte allerdings auch in diesem Fall vor übersteigerten Erwartungen, was die zeitliche Umsetzung der Planung betrifft. Alle Schritte eines regulären Bebauungsplanes müssten eingehalten werden. Darüber werde das Jahr hingehen, mutmaßte Zorn. Parallel weiterlaufen sollen die Verhandlungen mit den Eigentümern der Flächen im Plangebiet Auf dem Mühlengrund. Der Bebauungsplan „Gewerbegebiet Krähenberg“ sicherte 1999 die baulichen Erweiterungen des Gewerbebetriebs Engelmann ab. Ein Teil der Festsetzungen war daher stark auf die Nutzungsansprüche dieses Unternehmens zugeschnitten. Der westliche Teil des Plangebiets wurde für „Wohnungen für Aufsichts- und Bereitschaftspersonal sowie für Betriebsinhaber und Betriebsleiter reserviert. Nach einem Verkauf des Firmengeländes vor einigen Jahren wird es heute in wesentlichen Teilen von der Firma „Deisterwelle“ genutzt. Weitere Teile der bestehenden Gewerbehallen sind an sonstige Betriebe weitervermietet. Die „Betriebswohnungen“ sind heute nicht mehr als dem Betrieb zugeordnet anzusehen. Ihr baurechtlicher Status wurde bisher von keiner Seite abschließend geprüft, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Die Planfestsetzungen entsprechen teils nicht mehr den heutigen wirtschaftlichen Anforderungen. Pläne, über eine Änderung der planungsrechtlichen Vorgaben für das Betriebsgelände zu sprechen, haben sich mittlerweile überholt. Andere betriebliche Entwicklungen waren vorrangig zu bearbeiten. Gespräche zwischen Firmeneigentümer und Verwaltung haben nun zur Einleitung des Verfahrens zur Aufhebung des Bebauungsplanes „Gewerbegebiet Krähenberg“ mit dem Ziel eines neuen Bebauungsplanes „Am Krähenberg“ mit dem Planungsziel „Wohnen“ geführt.
„Es ist durchaus im Interesse der Verwaltung, zur Schaffung von Bauland nicht grüne Wiese neu zu versiegeln, sondern versiegelte Fläche zu nutzen und eventuell sogar zu entsiegeln, betonte Planer Holger Zorn. Der Ortsrat, der sich darüber im Vorfeld ausgiebig unterhalten und abgestimmt habe, wie Fredy Krause betonte, halte das Gelände mit Wald, Bachlauf und Biotop für Wohnbebauung für sehr geeignet, bestätigte Ortsbürgermeister Achim von Einem. Der Ort habe mehr vom Wohn- als vom Gewerbegebiet. Eine Konkurrenz zum „Mühlengrund“ sei nicht beabsichtigt. „Doch wer in der Wedemark aktuell bauen möchte, der sollte das dort tun, wo es bereits einen bestehenden B-Plan gibt und nicht auf die Ausweisung warten“, riet am Donnerstagabend Planer Holger Zorn allen Bauwilligen.