Wohnungsgemeinschaft schützt vor Vereinsamung

Anna Beckmann und ihre Mitstreiter hoffen auf großen Zuspruch bei ihrer S*E*K*T-Informationsveranstaltung zum Selbstbestimmten Wohnen im Alter. Foto: B. Stache
 
Mit einem Informationstag am Sonnabend, 4. Juni, von 11 bis 18 Uhr im Forum des Campus W (Schulzentrum Mellendorf) möchte S*E*K*T die Bürger über ihr Wohnungsgemeinschaftsprojekt informieren. Foto: B. Stache

S*E*K*T – Die Gruppe „Selber Etwas Kreatives Tun“ engagiert sich

Abbensen (st). Anna Beckmann, selbst schon im Seniorenalter, engagiert sich seit Jahren für Senioren in der Wedemark. 2008 gründete sie den gemeinnützigen Verein Senioren Engel – Wedemark mit dem Ziel, alte Menschen zu betreuen, die ihren Haushalt nicht mehr alleine schaffen. „Ältere Menschen haben keine Lobby, sie werden alleine gelassen“, erklärte die ausgebildete Hebamme aus Abbensen. Diese gesellschaftliche Situation habe sie damals veranlasst, den Verein zu gründen, der heute zirka 100 Mitglieder hat. „Wir gehen mit unseren ´Engeln` in die Haushalte der alten Menschen, die sich über unsere Hilfe freuen“, erläuterte Anna Beckmann die Arbeitsweise der freiwilligen Helfer. Es werde dabei großer Wert darauf gelegt, dass möglichst immer ein Vereinsmitglied dieselben Personen betreut. Als Ableger der Senioren Engel – Wedemark hat sich vor zirka sechs Monaten die Gruppe S*E*K*T gegründet. Die Abkürzung steht für Selber Etwas Kreatives Tun – Wohnungsgemeinschaft für Senioren und Menschen mit Behinderungen. „Selbstbestimmt wohnen im Alter“ lautet die Devise. „Ziel unserer Gruppe ist es, in der Wedemark einen Neubau zu kreieren, in dem Senioren ihre eigenen Wohnungen finden, in denen sie alt werden und bis zu ihrem Lebensende wohnen können“, brachte es die engagierte Seniorin auf den Punkt. „Wir wollen mit einem solchen Gebäude Gemeinschaft praktizieren. Dazu wird es auch einen gesonderten Gemeinschaftsraum gebe, der Gespräche zulässt, gemeinsames Frühstücken und mehr.“ Wer eine Wohngemeinschaft als Ghetto für Alte ansieht, habe nicht verstanden, dass gegenseitige Hilfe, ein fröhliches Miteinander, der Respekt vor Mitbewohnern und viele Kontakte in die Außenwelt eine Selbstverständlichkeit sein sollte, argumentierte Anna Beckmann und richtete damit auch einen Appell an die Gemeinde. „Alte Menschen leben viel zu lange in ihren viel zu großen Häusern mit Gärten und in Mietwohnungen, die sie nicht mehr bewirtschaften können.“ Da sei Vereinsamung vorprogrammiert, die Aktion Wohnungsgemeinschaft soll dieser entgegenwirken. Wir wollen, dass die Gemeinde Wedemark ein passendes Grundstück zur Verfügung stellt mit einer guten Infrastruktur, die für alte Menschen besonders wichtig ist“, lautet ihre Forderung. Die Gruppe S*E*K*T könne sich vorstellen, mit einem Investor zusammenzuarbeiten, um ein entsprechendes Gebäude – barrierefrei und vor allem bezahlbar – entstehen zu lassen. Mit einem Informationstag am Sonnabend, 4. Juni, von 11 bis 18 Uhr im Forum des Campus W. (Schulzentrum Mellendorf) möchte S*E*K*T die Bürger über ihr Wohnungsgemeinschaftsprojekt informieren. „Dazu haben wir Konstanze Beckedorf, Sozialdezernentin der Stadt Hannover, und Bürgermeister Helge Zychlinski eingeladen, die beide ab 13 Uhr Grußworte sprechen werden“, kündigte Anna Beckmann an. Anschließend hält Gemeindebrandmeister Maik Plischke in seiner Funktion als Geschäftsführer des Innovationszentrums Niedersachsen einen Vortrag über „Soziale Innovationen für ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter“. Theo Piltz, Wohnberater für Senioren der Region Hannover, wird das Thema „Gemeinschaftliches Wohnen“ behandeln und Innenarchitektin Kristina Kasubke über „Lebensqualität durch barrierefreies Bauen“ sprechen. Während einer Pause gegen 15 Uhr besteht Gelegenheit, sich mit den Vortragenden und Mitgliedern der Gruppe S*E*K*T auszutauschen. Danach hält Kai Dase, Geschäftsführer Pflegedienst Caspar & Dase, einen Vortrag über „Leben in einer Senioren Wohnungsgemeinschaft – Vorteil oder Nachteil“. Das Thema „Wohnungssuche für Menschen mit Behinderungen“ erörtert Renate Conrad. Sie ist die Beauftragte der Region Hannover für Menschen mit Behinderungen. Der Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Caren Marks wird es vorbehalten sein, die Abschlussworte zu sprechen. Anschließend besteht erneut Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit Rednern und Gastgebern. „Der Eintritt zu der Informationsveranstaltung ist frei. Wir bieten Kaffee und Kuchen an. Spenden sind willkommen – sie werden für die weitere Arbeit mit Fachleuten genutzt“, informiert Anna Beckmann und hofft auf großen Zuspruch.