Wolf im Forst Rundshorn gesichtet

So sieht ein Wolf aus: Der NDR-Naturfilm-Fotograf Sebastian Koerner bekam diesen Jungwolf auf dem Truppenübungsplatz in Munster perfekt vor die Kamera. Für Laien ist es aber nicht so einfach, aus einigen hundert Metern Entfernung zu entscheiden, ob es sich um einen Wolf oder doch eher einen Hund handelt. Foto: S. Koerner

Hegering Wedemark sieht Verbindung mit Wolfsbeobachtungen bei Fuhrberg

Elze/Berkhof (awi). „Beim Gassigehen lief mir heute morgen im Forst Rundshorn in einer Schätzentfernung von 35 Metern ein Wolf über den Weg“, berichtete Rüdiger Labenski am Dienstagmorgen dem Wedemark ECHO. Er ist sicher: „Das ist etwas sehr Besonderes. Obwohl mein Jagdhund an der Leine hochging, verharrte der Wolf seelenruhig auf dem Spazierweg und schaute in meine Richtung. Nach etwa einer Minute wandte er sich ganz ruhig ab und lief wieder in den Wald. Ich hatte ihn angerufen und laut mit meinem Schlüsselbund geklimpert.“
Dieses Verhalten war genau richtig, lobt Folke Hein, Vorsitzender des Hegerings Wedemark, auf Nachfrage des ECHO. Er hat den Hinweis von Rüdiger Labenski und dessen Bereitschaft, den genauen Punkt der Sichtung anzugeben, sofort an die Wolfsbeauftragte im Umweltministerium des Landes Niedersachsen, Dr. Britta Habbe, weitergeleitet. Überrascht hat Folke Hein die Beobachtung nicht. Die Jäger in der Wedemark wissen bereits seit längerer Zeit, dass sich auch in ihrem Gebiet vermutlich zumindest zeitweise Wölfe aufhalten. Und ab und zu werden ihnen auch Sichtungen gemeldet. Folke Hein fügt allerdings immer den Zusatz hinzu: „Wenn es denn ein Wolf war.“ Denn nach wie vor werden Wölfe noch immer allzu leicht mit Hunden verwechselt, zumal ja meistens einige hundert Meter zwischen dem Beobachter und dem vermeintlichen Wolf sind. Die Sichtung von Rüdiger Labenski hält Folke Hein aber für sehr realistisch, da sich im nahegelegenen Fuhrberger Forst nachweislich ein Wolf aufhält beziehungsweise aufgehalten hat, nachweislich belegt durch eindeutige Rotwildrisse. 32 Wölfe sind in Niedersachsen bekannt, weiß Hein. Das Einzugsgebiet eines Wolfes sei 128.000 Quadratkilometer groß. Der vier Quadratkilometer große Forst Rundshorn sei also nur ein verschwindend geringer Teil in einem Wolfsrevier, gibt Hein zu bedenken. Sorgen macht dem Hegeringvorsitzenden die Wolfssichtung in seinem Gebiet nicht. „Wir haben deutlich zunehmende Schalenwildbestände. Aggressiv gegen den Menschen ist der Wolf bisher in Niedersachsen in keiner Weise geworden. Wir können nichts dagegen sagen. Die Kleintierhalter sind natürlich verschnupft, aber solange der Wolf im Wildbestand genug Nahrung findet, wird er nicht in die Nähe von Menschen gehen“, erklärt der Hegeringvorsitzende. Er bittet jede Wolfssichtung direkt an die Wolfsbeauftragte Dr. Britta Habbe zu melden. Auf der Homepage des Umweltministeriums ist ihre Handynummer zu finden. Die Biologin informiert dort ausführlich über den Wolf in Niedersachsen und das richtige Verhalten. Da der Wolf unter Naturschutz steht, ist er auch im Umweltministerium und nicht wie die Jagd im Landwirtschaftsministerium angesiedelt. „Der Wolf hat einen hohen Schutzstandard. Es gibt zurzeit keine Legitimation ihn zu schießen. Er unterliegt nicht dem Jagdrecht, sondern dem Naturschutzrecht“, erklärt Hein. Natürlich würde auch er sich über Fotos von Wolfsbeobachtungen in der Wedemark freuen und fordert daher auf, wenn die Chance einmal bestehen sollte, auf jeden Fall einen Schnappschuss mit dem Handy zu machen. Professionelle Fotofallen wie auf dem Truppenübungsplatz in Munster sind in der Wedemark und auch im Fuhrberger Forst noch nicht aufgestellt worden, obwohl sie in der Wildtierforschung gängige Praxis seien. Und auch eindeutig auf einen Wolf zurückzuführende Risse haben die Jäger in der Wedemark bisher nicht gefunden. Trotzdem weisen viele Beobachtungen darauf hin, dass Isegrim hier zumindest ab und zu durchstreift. Die Jäger und vor allem die Wolfsbeauf-
tragte Dr. Habbe wünschen sich einen aufgeklärten und offenen Umgang mit dem Wildtier, ohne Panik, aber natürlich mit der gebotenen Vorsicht.