„Wunschrolle für den Bürgermeister“

Die Eltern überraschten Bürgermeister Helge Zychlinski in der Bürgermeistersprechstunde mit dem Transparent. Foto: A. Wiese

Elternvertreter der Berthold-Otto-Schule treten für schulische Belange ihrer Kinder ein

Mellendorf (awi). Die Schüler der Berthold-Otto-Schule haben Berufswünsche, so wie die meisten Kinder in diesem Alter. Sie möchten Bäcker, Maler, Fußballer, Autoverkäufer, vielleicht aber auch Archtitekt oder sogar Bürgermeis-ter werden. Aber ohne Schulabschluss wird das nichts, dann bleibt ihnen nur die Arbeitslosigkeit.
So suggeriert es ein Transparent, das die Schüler auf einer riesigen Tapetenrolle gestaltet haben und das einige von ihnen am Mittwochnachmittag gemeinsam mit den Elternvertretern der Förderschule Bürgermeister Helge Zych-linski in dessen Sprechstunde im Rathaus überreichten. Weil sein Büro weder die vielen Menschen noch das Transparent in seiner vollen Länge hätte aufnehmen können, zog Zychlinski mit seinen Besuchern kurzfristig in einen größeren Besprechungsraum um. Er hörte sich die Ängste und Nöte beziehungsweise die eindringlichen Wünsche der Eltern an, die in großer Sorge um die schulische und berufliche Zukunft ihrer Kinder sind. Die geplanten Auflösungen der Hauptschule sowie der Berthold-Otto-Schule beeinträchtigten die persönlichen und beruflichen Zukunftsaussichten der Kinder auf das Schlimmste, gab Sprecherin Karin Edlich zu bedenken. „Unseren Kindern wird die Möglichkeit genommen, in einer auf ihre individuellen Förderbedürfnisse abgestimmten und mit erfahrenen Fachkräften ausgestatteten Schule fürs Leben zu lernen. Außerdem wird ihnen durch die Auflösung der Hauptschule die naheste Möglichkeit genommen einen Regel-Schulabschluss zu erwerben“, so Edlich. Das sei so ja nicht, hielt Zychlinski dagegen. Alle Möglichkeiten hätten die Schüler auch weiterhin auf der IGS.
Ein weiteres grundsätzliches Problem, mit dem die Kinder mit besonderem Förderbedarf zu tun hätten, sei die große Klassenstärke an den Regelschulen, gab Karin Edlich zu bedenken. „Wenn Sie an einem Unterricht an der Berthold-Otto-Schule teilnehmen würden, könnten sie uns wahrscheinlich noch besser verstehen“, so die Mutter zum Bürgermeister. Klassen mit etwa zwölf Schülern seien für die Lernsituation, die Konzentration und das individuelle Eingehen auf die Schüler für die
meisten Kinder an der Förderschule grundlegende Voraussetzung. Auch sei es völlig unklar, wie man von einem ganztäglichen Förderunterricht an der Berthold-Otto-Schule auf zwei Förderstunden pro Woche an der Regelschule reduzieren könne und dabei die Kinder genauso gut und individuell fördern wolle. „Uns ist nicht bekannt, dass im Rahmen der Inklusion bereits in der Wedemark Schulen mit derart kleinen Klassen und durchgängig anwesenden förderschulmäßig ausgebildeten Lehrern existieren“, gab Karin Edlich zu bedenken. Und sie formulierte eine weitere Sorge der Eltern: „Im Haushaltsplan für 2015 ist zu lesen, dass im Bereich Kindertagesstätten in der Berthold-Otto-Schule Investitionen in Höhe von 875.000 Euro vorgesehen sind. Uns ist es so bekannt, dass unsere Kinder, die ja die Berthold-Otto-Schule (BOS) besuchen, ihre Schule auch bis zum Schluss sprich 9. Klasse besuchen dürfen. Das bedeutet natürlich, dass der Unterricht räumlich und fachlich weiterhin zu 100 Prozent gewährleistet sein muss. Da kommen bei uns Eltern große Zweifel auf“, so Karin Edlich.
Die Eltern der Berthold-Otto-schule weisen auf das von den Lehrern ihrer Schule entwickelte Konzept einer Werkstattschule hin, das die besonderen Bedürfnisse ihrer Kinder beim Übergang von Schule zur Berufsausbildung berücksichtigt. Sie sind der Meinung, dass gerade unter den momentanen schulischen Verhältnissen und Veränderungen eine solche Schule für ihre Kinder ein Rettungsanker sein könne.
„Um auf unsere Situation aufmerksam zu machen und Ihnen einmal zu zeigen, was für ein Potential in unseren Kindern steckt, überreichen wir Ihnen mit diesem Schreiben eine ,Wunschrolle‘ mit den Berufswünschen unserer Kinder und auch den Wünschen der Eltern“, so Karin Edlich gegenüber Helge Zychlinski am Mittwoch im Rathaus. Zychlinski versicherte, dass er absolut nicht vorhabe, die Schüler der Berthold-Otto-Schule im Regen stehen zu lassen. Allerdings müsse die Kommune als Schulträger die Vorgaben des Landes und der Landesschulbehörde umsetzen, gab Zychlinski zu bedenken und riet den Eltern, ihre grundsätzlichen Bedenken doch einmal an dieser Stelle vorzutragen. Er arbeite nach der Maxime „Keiner darf verloren gehen“, versicherte der Bürgermeister. Die Kommune sei bemüht, für die Schüler die bestmöglichen Bedingungen nach ihren Möglichkeiten zu schaffen. „Es macht mir keinen Spaß, die Berthold-Otto-Schule aufzulösen, und bei der Hauptschule genausowenig“, sagte Zychlinski zu den Eltern. Er habe zum Beispiel bewusst veranlasst, dass die Schulsozialarbeit komplett zu diesen Schülern rübergezogen wird. „Die brauchen das jetzt in dieser schwierigen Phase“, so Zychlinski. Er betonte mehrfach die „hervorragende Zusammenarbeit mit der Schulleitung der Berthold-Otto-Schule. Man arbeite zusammen an Lösungen.
Zu den Bedenken der Eltern, die Schüler könnten durch die Umbauarbeiten für den Kindergarten in ihrem Schulgebäude gestört werden, erklärte der Bürgermeister, es werde darauf geachtet, dass der Schulbetrieb so wenig wie möglich gestört werde.