WWR wollte Antje Kaufmann wählen

Der neue Ortsrat Resse mit Ortsbürgermeister Jochen Pardey (Dritter von links) von der SPD und Stellvertreterin Antje Kaufmann (rechts daneben) von der CDU. Außerdem gehören dem Ortsrat an Kai Tschentscher (von links) und Jörg Woldenga (beide WWR), Peter Stelzig (CDU), Jana Adamson (SPD) und Kirsten Sierakowski (WWR). Foto: A. Wiese

Kaufmann verpasst Chance – Pardey jetzt Ortsbürgermeister in Resse

Resse (awi). Der Zuschauerraum im Mooriz war bis auf den letzten Platz besetzt, denn schon im Vorfeld war klar: das würde eine spannende konstituierende Ortsratssitzung werden. Und die Erwartungen wurden erfüllt: Als der Punkt Ortsbürgermeisterwahl anstand, schlug Jörg Woldenga von der Wählergemeinschaft Resse die CDU-Ortsbürgermeisterkandidatin Antje Kaufmann zur Wahl vor. Er habe immer gesagt, für den- oder diejenige(n) mit den meisten persönlichen Stimmen zu votieren und er halte sein Wort, so Woldenga, und die WWR stehe dazu, Kaufmann sagte nicht, dass sie nicht zu einer Kandidatur bereit sei und da Peter Stelzig von der CDU den SPD-Ortsbürgermeis-terkandidaten Jochen Pardey zur Wahl vorschlug, gab es zwei Kandidaten und es wurde schriftlich gewählt, wie das in einem solchen Fall üblich ist.
Die WWR ist mit drei Sitzen die stärkste Fraktion im siebenköpfigen Resser Ortsrat. CDU und SPD haben jeweils zwei Sitze. Nach der Auszählung lautete das Ergebnis: drei Stimmen für Antje Kaufmann und vier Stimmen für Jochen Pardey. Keine Überraschung nach der öffentlichen Ankündigung von SPD und CDU von letzter Woche: Sie wollten zum Wohle des Dorfes zusammenarbeiten und hätten sich auf Jochen Pardey als Ortsbürgermeister und auf Antje Kaufmann als seine Stellvertreterin geeinigt. Auf Nachfrage sagte Kaufmann, sie traue angesichts des „Hickhack in Resse“ dem erfahreneren Pardey den Posten eher zu. Weder CDU noch SPD hatten im Vorfeld mit der WWR als stärks-ter Fraktion im Ortsrat gesprochen. So kam es jetzt zu dem trotz schriftlicher Wahl ebenso offensichtlichen wie ungewöhnlichen Ergebnis, dass die Kandidatin mit den meisten persönlichen Stimmen die Chance Ortsbürgermeisterin zu werden, verpasst, indem sie selbst einen anderen Kandidaten wählt, durchaus ein Kuriosum in der Wedemärker Kommunalpolitik. Und so kurios ging es am Montagabend auch weiter, denn wer jetzt glaubte, als stellvertretende Ortsbürgermeisterin würde Antje Kaufmann einstimmig gewählt, lag falsch. Zwar gab es nur diesen einzigen Vorschlag: Jana Adamson von der SPD schlug Antje Kaufmann vor. Kai Tschentscher von der WWR beantragte jedoch geheime Wahl, noch einen Schritt mehr als schriftliche Wahl wie bei Wahlgang. Alle Ortsratsmitglieder mussten ihr Kreuz hinter einem Schirm machen und den Zettel in eine Wahlurne werfen. Das Ergebnis lautete: vier Stimmen für Kaufmann und drei ungültige Stimmen. Da konnte sich dann jeder der Zuschauer seinen eigenen Reim drauf machen. Um die angekündigte Doppelspitze auch visuell in Szene zu setzen, änderte der neue Ortsbürgermeister Jochen Pardey die Sitzordnung und holte seine Stellvertreterin nach vorne neben sich. CDU und SPD strebten eine gemeinsame Arbeit zum Wohle des Ortes aller Ortsratsmitglieder an betonte Pardey und verabschiedete gemeinsam mit Kaufmann den scheidenden Ortsbürgermeister Jörg Woldenga mit einem Weinpräsent.Woldenga selbst hatte in seiner Funktion als bisheriger Ortsbürgermeis-ter sowohl die ausscheidenden Ortsratsmitglieder Marion Lentz, Thors-ten Thiele, Ralf Würtz und Gerd Kaufmann mit anerkennenden Worten und einem Blumenstrauß verabschiedet als auch die neuen Ortsratsmitglieder formell verpflichtet und dann zur Wahl des Ortsbürgermeis-ters an das älteste Ortsratsmitglied Antje Kaufmann weitergegeben. Nicht nur Pardey betonte den Willen zu einer fraktionsübergreifenden Zusammenarbeit, sondern auch Woldenga als Sprecher der WWR, der stärksten Fraktion. Auch die Wählergemeinschaft werde ihre ganze Kraft in eine positive Weiterentwicklung des Ortes stecken und er appelliere an alle, die nächsten fünf Jahre gemeinschaftlich in Angriff zu nehmen, so Woldenga. Persönliche Differenzen hätten im Ortsrat nichts zu suchen. Die WWR verfolge zudem eine klare Linie, indem sie Pos-ten nicht doppelt besetze und daher auch nicht Mitglieder ein Gemeinde- und ein Ortsratsmandat hätten, begründete Woldenga indirekt, warum er auf sein Gemeinderatsmandat verzichtet hatte. Jochen Pardey räumte nach seiner Wahl zum Ortsbürgermeister ein, er wisse, dass das nicht jedem Recht sei, aber im Resser Ortsrat seien die Mehrheiten nun mal so verteilt, dass keine Kraft allein könne, sondern sich Fraktionen zusammentun müssten, um einen Konsens zu finden, und das hätten CDU und SPD getan. Der Ortsrat nahm einstimmig das Konzept der teilgebundenen Ganztagsschule für die Grundschule zur Kenntnis und er stimmte außerdem einstimmig zwei Anträgen der WWR zu: Beide Querungshilfen in der Ortsdurchfahrt sollen im Zuge des Straßenausbau auch einen Fußgängerüberweg, möglichst mit Ampel bekommen, und für Resse soll ein Defibrillator angeschafft und öffentlich zugänglich angebracht werden.