Zehn Tage auf der Flucht

Miray, noch sehr zurückhaltend, im Garten von Dr. Helga Körnig vom ITV, wohin sie freiwillig zurückkehrte.

Miray findet allein zurück nach Hause

Schwarmstedt. Die kleine Schäferhündin Miray aus dem Waldtierheim in Istanbul kam am 28. Juli nach Deutschland zum ITV Grenzenlos. Niemand hier hatte vorausgesehen, dass diese Hündin vor Menschen extreme Angst hat und sie nach Möglichkeit meidet. Im Waldtierheim war sie nicht domestiziert worden und konnte relativ frei leben. Miray ist etwa drei Jahre alt, 53 Zentimeter groß und auf einem Auge blind. Nachdem Miray in ihrer Pflegestelle in Schwarmstedt 17 Tage lang in einer Ecke gelegen hatte, sich nicht anfassen ließ und wie in Panik erstarrt war, entdeckte sie am 14. August die Tür zum Garten – und weg war sie. Zwei Tage lang blieb sie im Gebüsch unter einem Ilex versteckt, kam zum Fressen zwar auf die Terrasse, entspannte sich aber nicht, obwohl der vorhandene Rüde Fredy sich sehr um sie bemühte und ihr helfen wollte. Dann gelang ihr schließlich die Flucht aus einem winzigen Loch, das sie unter dem Zaun gebuddelt hatte. Ihr Weg führte sie durch die Aller bis Hodenhagen. Zeugen hatten sie dort gesehen und angerufen. Einige Tierfreunde und Tierfreundinnen folgten ihr, konnten sie aber weder entdecken, geschweige denn ergreifen. Um drei Uhr in der Nacht vom 24. auf den 25. August schließlich heulte sie plötzlich vor dem Schlafzimmerfenster in ihrer ehemaligen Pflegestelle. Am frühen Morgen stand sie auf der Terrasse. Sie hatte von sich aus den langen Weg zurückgefunden, war freiwillig wieder gekommen, durch das Loch im Zaun gekrochen und ist nun da. Welch ein Vertrauensbeweis! Durch Zwangsmaßnahmen, Fallen stellen und Verfolgungsjagden hätte man diese sensible und kluge Hündin vielleicht fangen aber nie für sich gewinnen können. Inzwischen hat sie ihre Schwellenangst überwunden und kommt von sich aus ins Haus. Jetzt ist es eine Frage der Geduld, ihr die große Angst vor den Menschen zu nehmen. Der ITV Grenzenlos dankt allen, die sich an der Suche nach Miray beteiligt haben, allen, die Hinweise auf ihren Aufenthalt gaben und besonders den Zeitungen, die freundlicherweise über ihre Flucht informierten.