Zwei Mal Gold und zwei Mal Silber

Familie Bartels: Pippa (zweite von rechts) mit ihrer Unifed Partnerin Luisa und den Trainern Katrin und Henrik Bartels am Strand der Kieler Förde bei den Special Olympics. Foto: Privat

Radrennsportlerin Pippa Bartels bei Special Olympics in Kiel sehr erfolgreich

Lindwedel. Radsportlerin Philippa Bartels war bei den Nationalen Sommerspielen, den Special Olympics, in Kiel am Start und ist mit mehreren Medaillen zurückgekehrt. Die Woche vor Pfingsten stand in Kiel ganz im Zeichen von sportlichen Aktivitäten der Menschen mit geistiger Einschränkung. Hoch im Norden von Deutschland direkt an der Kieler Förde versammelten sich wieder mehr als 4.000 Sportler, um in über 20 Sportarten an den Start zu gehen. Der Wassernähe geschuldet wurde auch erstmals Segeln mit in das Programm aufgenommen.
Nach einer imposanten Eröffnungsfeier am Montagabend, in der bis auf den letzten Platz besetzten Sparkassenarena von Kiel, mit den dazugehörigen Gänsehaut- Momenten (Olympische Flamme, Fahne und Eid), begannen am folgenden Tag für Pippa die Radwettbewerbe. Durch die widrigen Wetterbedingungen bis etwa vier Wochen vor Beginn der Spiele in Kiel, fiel das Straßen-Training im Lindwedeler Umland etwas geringer aus als eigentlich geplant.
Das konnte Pippa aber durch das über den ganzen Winter exzellent geplante Kraft- und Ausdauerprogramm mit ihrem Trainer Daniel Becker nahezu ausgleichen. Die Radstrecke in Kiel war für fast alle 200 Teilnehmer an den Radwettbewerben dann doch eine Herausforderung. Niemand hätte doch damit gerechnet das direkt an der Kieler Förde am Falckensteiner Strand und in unmittelbarer Strandnähe auf einem 1,4 Kilometer langen Rundkurs auch noch ein kräftezehrender Anstieg zu bewältigen war. Ein riesiger Respekt gerade an die mehrfach Gehandicapten, die besonders auf ihren Dreirädern alles aus sich herausholen mussten. Pippas erstes Finale ging gleich am Dienstag über 25 Kilometer und lief ausgesprochen gut. Am Ende war nur ihre Dauerkonkurrentin aus Thüringen vor ihr, und bei der Siegerehrung wurde ausgiebig die Silbermedaille gefeiert.
Nach einem Tag Wettkampfpause für Pippa, war am Donnerstag das nächste Finale über 15 Kilometer. Auch bei diesem Rennen konnte Pippa wiederum die Silbermedaille erringen, und musste sich nur der sehr stark fahrenden und auch taktisch gut aufgestellten Radsportlerin aus Thüringen geschlagen geben. Aber die Freude in den Gesichtern der Sportler im Rennen oder danach bei der Sieger-
ehrung zeigt einmal mehr, dass es hier um viel mehr geht als um den Sieg. Ganz nach dem Motto von Special Olympics „Wenn ich nicht gewinnen kann, dann will ich mutig mein Bestes geben“. Am Freitag wurde dann von Pippa noch einmal alles gefordert. Am Vormittag war sie als einzige Frau im 40-Kilometer-Finale gemeldet. Mit den Männern zusammen waren nun 28 Runden von ihr gefordert. Bravourös mit gleichbleibenden Lächeln und Tempo bewältigte sie diese Langstrecke und durfte bei der Siegerehrung mit den stärksten Männern dann auch ihre Goldmedaille in Empfang nehmen.
Das hätte eigentlich von der Anstrengung schon gereicht. Aber am Nachmittag und als letztes Rennen der Wettbewerbe gab es noch ein Zehn-Kilometer-Unified-Rennen. Dieses war seit langem mal wieder mit im Angebot der Spiele, und deshalb versucht man es zu unterstützen. Bei diesem Rennen fährt ein Sportler mit Handicap zusammen mit einem nicht behinderten Sportler im Team. Gerade bei den Unified- Wettkämpfen erlebt man am meis-ten Inklusion. Pippa hatte als Teampartner ihre extra angereiste Schwester Luisa mit dabei. Auch bei diesem Rennen über die zehn Kilometer hat jeder Teilnehmer noch einmal alles gegeben. Pippa und Luisa erkämpften sich die Goldmedaille der Frauenwertung, obwohl Pippa die Athletin mit den meisten Rennkilometern in dieser Woche gewesen ist.
Sie hatten am Ende einen guten Vorsprung auf das nächste Frauenteam und ließen auch noch zwei Männerteams hinter sich. Die abschließende Siegerehrung wurde noch ausgiebig gefeiert, mit allen Beteiligten, die diese Woche in Kiel wieder zu einem großartigen Erlebnis gemacht haben. Und am Ende stand einmal mehr die Erkenntnis: Inklusion über den Sport – nicht alles ist möglich, aber vieles machbar, so das Fazit von Henrik Bartels, Pippas Vater, der zusammen mit seiner Frau Katrin seine Töchter selbstverständlich in Kiel begleitete.