Zwei Tote: Leichtflugzeug bei Elze abgestürzt

Die Feuerwehr löscht am Flugzeugwrack mit den beiden Toten noch einmal nach.
 
Bis zum Abtransport am frühen Donnerstagsnachmittag lag das Wrack des Ultraleichtflugzeugs auf dem Feld bei Elze nahe der A7.
 
Ingolf Masemann vom Bundesamt für Flugunfalluntersuchung (rechts) im Interview mit den Medien.

Maschine geriet zwischen den Windrädern in die Hochspannungsleitung

Elze/Meitze (awi). Ein Leichtflugzeug ist am Mittwochabend gegen 18 Uhr auf einem Feld nahe der A 7 zwischen den Windrädern bei Elze und Meitze in eine Hochspannungsleitung geflogen und abgestürzt. Beide Insassen, vermutlich ein 74-jähriger Fluglehrer und sein 50-jähriger Schüler, kamen ums Leben.
Nach bisherigen Informationen war das einmotorige Kleinflugzeug am Flughafen Hannover-Langenhagen gestartet. Die Identitäten der beiden Insassen sind mittlerweile offenbar geklärt. Bei den Verunglückten handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um zwei Männer im Alter von 50 und 74 Jahren, teilte die Polizei mit. Letzte Sicherheit werde jedoch erst die Obduktion der Toten bringen, die nach letztem Stand von Freitagmittag jetzt doch erst nächste Woche stattfinden soll. Beamte des Fachkommissariats für Todesermittlungen hätten nach den ersten Befragungen der Zeugen und des Flugzeuginhabers Hinweise auf die Identitäten der beiden Insassen bekommen. Die Identitäten können jedoch erst nach Abschluss aller noch ausstehenden rechtsmedizinischen Untersuchungen zweifelsfrei bestimmt werden. Und dann will die Polizei auch erst den Herkunftsort der beiden Männer bekanntgeben. Mittlerweile konnte der Typ des Flugzeugs festgestellt werden – es handelt sich um eine Next-Aircraft MD 3 Rider MK2. „Es kam von Süden und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es eine Berührung mit der Hochspannungsleitung gegeben hat“, so Polizeisprecher Philipp Hasse am Mittwochabend gegenüber dem ECHO an der Absturzstelle. Inzwischen ist sicher, dass es diese Berührung gegeben hat. Das Hochspannungskabel ist deutlich sichtbar beschädigt. Nicht nur in Elze, sondern in der gesamten Wedemark fiel offensichtlich zum Unfallzeitpunkt kurzzeitig der Strom aus. Spaziergänger hatten gegen 18 Uhr einen Knall gehört und das brennende Flugzeug auf dem Feld nahe der verlängerten Wasserwerkstraße an der A 7 liegen sehen. Als zeitgleich Polizei und Feuerwehr – die Ortswehren Elze und Mellendorf – eintrafen, konnten die Elzer Brandschützer die Flammen schnell unter Vornahme eines C-Rohres und einer Schnellangriffseinrichtung Schaum ablöschen und entdeckten dann die beiden Insassen im Wrack, deren Tod von der Notärztin des Rettungshubschraubers festgestellt wurde. Nach Abstimmung wurde die Einsatzstelle weiträumig abgesperrt und bei Einbruch der Dämmerung zur Ursachenermittlung durch die Fachstellen der Polizei und des mit alarmierten Bundesamtes zur Klärung von Flugunfällen ausgeleuchtet.
Von der Feuerwehr waren 37 Einsatzkräfte mit sieben Fahrzeugen im Einsatz. Da Explosionsgefahr der Treibgaspatronen der Fallschirme bestand, konnten die Helfer die beiden Toten zunächst nicht bergen. Gegen 21.30 Uhr gab Polizeisprecher Philipp Hasse bekannt, dass die Experten die Fallschirme jetzt entschärft hätten und ein Bestatter verständigt sei, der die Leichen der Flugzeuginsassen in die Gerichtsmedizin bringen werde. Auch Bürgermeister Helge Zychlinski informierte sich am Mittwochabend vor Ort über das Unglück.
Entschieden wurde dann jedoch, das Flugzeugwrack in dieser Nacht nicht mehr zu bergen, sondern erst nach einer erneuten Untersuchung bei Tageslicht am nächsten Tag. Daher wurde das Wrack auch nicht zum Fotografieren freigegeben und die Absturzstelle über Nacht von der Polizei bewacht. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig hat ihre Ermittlungen zur Bestimmung der noch unbekannten Absturzsache bereits am Mittwochabend aufgenommen und am Donnerstag fortgesetzt. Die BFU-Beauftragten Ingolf Masemann und Roland Karnbach erklärten am Donnerstag im Gespräch mit dem ECHO an der Absturzstelle, es habe sich bei dem 74-Jährigen um einen erfahrenen Fluglehrer einer Langenhagener Flugschule mit seinem 50 Jahre alten Schüler gehandelt, die gegen 17.30 Uhr in Langenhagen gestartet und sich ordnungsgemäß am Kontrollpunkt „November 1“ aus dem Korridor des Flughafens Hannover abgemeldet hätten. Ein Notruf sei nicht abgesetzt worden. Dennoch müsse es einen Grund dafür geben, dass das Flugzeug an der Unfallstelle so niedrig geflogen sei, dass es eine Berührung mit der Hochspannungsleitung gegeben habe. Ein technischer Defekt und eine dadurch bedingte möglicherweise beabsichtigte Notlandung auf dem Feld könne nicht ausgeschlossen werden, so Masemann. Ebensowenig aber auch eine in der Flugausbildung geforderte Außenlandung. Eine solche hätte aber ein so erfahrener Fluglehrer eigentlich nicht in einem solchen mit Windrädern und Stromleitungen gespickten Gebiet anvisiert. Weitere Erkenntnisse müsse eine noch
genauere Untersuchung des Flugzeugwracks ergeben, die sich wegen der starken Zerstörung schwierig gestalte. Am frühen Donnerstagnachmittag gegen 13.30 Uhr waren die Untersuchungen an der Unfallstelle abgeschlossen und die Wrackteile des Flugzeugs wurden auf zwei Abschleppwagen geladen und abgefahren. Ob die beiden Flugzeuginsassen durch den Stromschlag in Folge der Berührung mit der Starkstromleitung, einen sogenannen Lichtbogen durch die Nähe der Leitungen, durch Verletzungen infolge des Absturzes, oder das Feuer ums Leben gekommen sind, werde erst die Obduktion der Leichen klären können, so Masemann. Es lasse sich auch keine Aussage dazu treffen, ob Fluglehrer oder Flugschüler zum Zeitpunkt des Unfalls das Flugzeug gesteuert hätten. Beide hätten Steuerknüppel gehabt. Die Sitzposition gebe keinen Aufschluss darüber. Zur Unfallhäufigkeit von Ultraleichtflugzeugen befragt, erklärte Ingolf
Masemann vom Bundesamt für Flugunfalluntersuchung in Braun-schweig, insgesamt sei die Zahl der Hobbyflieger mit Ultraleichtflugzeugen gestiegen, weil dies die günstigere Alternative zu Sportflugzeugen sei und so steige logischerweise auch die Beteiligung dieser Flugzeuge an Unfällen. Durch den Einschlag der einmotorigen Maschine in die Hochspannungsleitung wurde nach Angaben von Avacon-Pressesprecherin Michaela Fiedler ein sogenanntes Leiterseil einer Gemeinschafts-
leitung mit Tennet beschädigt. „Für die Reparatur wurden rund 40 Meter Leiterseil dazwischen gepresst“, erklärte Fiedler. Die Reparaturarbeiten seien am Donnerstagnachmittag abgeschlossen worden. Der durch die Flugzeugberührung verursachte Stromausfall am Mittwoch gegen 18 Uhr habe weniger als eine Sekunde gedauert, dann habe sich die Leitung, die sich bei einer Störung automatisch abschalte, wieder angeschaltet, als sie keine Störung mehr registriert habe. Das Flugzeug lag zu diesem Zeitpunkt schon brennend am Boden. Die Haushalte in der Wedemark registrierten ein kurzes Flackern in der Stromversorgung, bemerkten es am Fernseher oder Computer, doch dann funktionierte die 110-KV-Leitung wieder, bestätigte Fiedler. Eine Schadenshöhe konnte sie noch nicht beziffern, ob die Avacon den ihr entstandenen Schaden überhaupt in Rechnung stellen werde, stehe noch nicht fest.