Zweite Chance für Abbenser Mühle?

Die Abbenser Mühle ist eine der wenigen nicht modernisierten Mühlen in der Region Hannover.

Mühlenbauer Rüdiger Hagen wirbt bei Versammlung für Erhalt und macht Mut

Abbensen (awi). „Ich möchte Ihnen Mut machen, die Mühle ist zu retten“, sprach Mühlenbauer Rüdiger Hagen aus Negenborn am Donnerstagabend diejenigen an, die der Einladung von Wolfgang Kasten zu einer Informationsveranstaltung in das Gasthaus Zur Post gefolgt waren. Das einzige Thema: Die Zukunft der baufälligen alten Holländermühle in Abbensen. Die Situation: Die Mühle, deren Erbauungsdatum Rüdiger Hagen auf 1822 schätzt, ist in Privatbesitz. Die Eigentümer sind jedoch wirtschaftlich nicht in der Lage, das völlig marode Baudenkmal zu restaurieren und zu erhalten. Weil die Gemeinde Wedemark als Bauaufsichtsbehörde die Mühle als Gefahr einstuft, erließ sie 2011 eine Abbauverfügung, der die Eigentümer aber bisher nicht nachgekommen sind.
Am Rande einer Ortsratssitzung Ende letzten Jahres kam die Frage auf, ob die Mühle nicht doch zu erhalten ist. Rüdiger Hagen und ein Kollege von ihm, Karl Rohlfing, haben die Mühle mittlerweile so abgestützt, dass die Gemeinde die provisorischen Maßnahmen bis zum Herbst diesen Jahres toleriert. „Ein bisschen Zeit haben Sie, um sich zu entscheiden, was mit der Mühle geschehen soll. Aber nicht viel“, sagte am Donnerstag Holger Zorn aus dem Bauamt der Gemeinde in Richtung der Versammlungsteilnehmer. Ausführlich stellte Rüdiger Hagen die Mühle, ihre Geschichte und ihren jetzigen Zustand dar. Dabei betonte er, dass immerhin 20 bis 25 Prozent der Substanz wiederverwendet werden können. Das sei doch eine ganze Menge. Es gebe Mühlen, an denen deutlich weniger Substanz vorhanden gewesen sei, bevor sie res-tauriert wurden, zum Beispiel die Wassermühle in Laderholz. Auf etwa 350.000 Euro beläuft sich Hagens grobe Schätzung für den Wiederaufbau am Originalstandort. Würde sie an einem anderen Standort wieder aufgebaut, sind die Kosten schwieriger zu beziffern, so der Experte. Dann wäre ein neues Fundament nötig und die Statik müsste neu berechnet werden. Vor allem aber würde die Mühle ihren Status als Baudenkmal verlieren. Und damit auch den Anspruch auf Fördergelder. Für die überwiegenden Versammlungsteilnahmer am Donnerstag stand damit fest, dass ein möglicher Wiederaufbau wenn dann nur am Originalstandort erfolgen sollte. Die Bedenken der Eigentümervertreterin, dass dann, um die wieder betriebsfähige Mühle mit genügend Wind versorgen zu können, Wald abgeholzt werden müsste und es schwierig sei, dafür heutzutage Genehmigungen zu bekommen, zerstreute Holger Zorn von der Gemeindeverwaltung. Da gehe es dann um eine Interessensabwägung und die würde mit ziemlicher Sicherheit zu Gunsten der Mühle ausfallen. Grundsätzlich bekundeten die Eigentümervertreter Zustimmung zur Übertragung der Mühle an einen Verein, sollte dieser tatsächlich gegründet werden. Auch bezüglich des Grundstücks werde man sich einigen können, so Hartmut Bünger, wollte dazu aber zum derzeitigen Zeitpunkt nicht näher eingehen. Holger Zorn wollte nicht ausschließen, dass Fördermittel für die Mühle fließen könnten, sollte die Wedemark, die sich gemeinsam mit Neustadt und Wunstorf für das LEADER-Projekt beworben hat, in das Förderprogramm aufgenommen werden. Vertreter des Mühlenvereins Wettmar zeigten auf, dass sie 90.000 Euro der insgesamt 300.000 Euro für den Wiederaufbau ihrer Mühle, die allerdings einen neuen Standort bekommen habe, selbst aufgebracht hätten, durch Feste, Verkaufsaktionen und ähnliches. „Bei der Abbenser Mühle gibt es zwei ganz wichtige Aspekte“, so Rüdiger Hagen: „Sie ist die einzige noch res-taurierbare Mühle in der Wedemark, da die Mellendorfer Mühle quasi konserviert und zugebaut ist. Und sie ist ein lebendiger Anschauungsort, wenn sie denn wieder läuft.“ Der Vorteil dieser Mühle, die mit der Nähe zum CVJM-Heim ausch günstig für eine Attraktion liege, sei, dass sie eine richtige Produktionsstätte sein werde, wenn sie fertig sei. Dadurch, dass Teile der Inneneinrichtung rekonstruiert werden müssten, seien sie dann ganz neu und damit für eine Lebensmittelproduktion geeignet. So könnten spezielle Mehle damit hergestellt werden, die dann Bäckern der Umgebung zur Verarbeitung angeboten werden könnten. Diese detaillierten Schilderungen der Möglichkeiten, die sich mit einer arbeitsfähigen restaurierten Mühle ergeben würden, stärkten sichtlich die Motivation der Versammlungsteilnehmer. Dennoch hob sich auf die mehrfach von Initiatior Wolfgang Kasten gestellte Frage, wer denn nun bereit sei, zumindest erstmal in einer Arbeitsgruppe die Möglichkeiten zur Rettung der Mühle auszuloten, zunächst kein Finger. Schließlich fand sich aber doch ein Grüppchen zusammen, dass jetzt zumindest die ersten Gespräche führen will, um die Realisierungschancen des Projektes darstellen zu können. Als Ansprechpartner für weitere Interessenten für das Mühlenprojekt, die sich mit Rat und Tat einbringen würden, die natürlich gerne aus Abbensen kommen dürfen, aber auch aus der gesamten Wedemark, wird zunächst Wolfgang Kasten fungieren. Er ist telefonisch unter (0 50 72) 15 05 erreichbar und freut sich auf Anrufer. Wer mitarbeiten würde, zunächst einmal, in der „Prüfgruppe“, ob ein Mühlenverein Sinn macht, sollte sich bis spätestens Mitte März bei Wolfgang Kasten melden. Weitere Mitglieder dieser Arbeitsgruppe sind Mühlenbauer Rüdiger Hagen, Klaus Neidhardt, Uwe Meier, Gunter Partetzke und Heike Süring. Jeder einzelne beteuerte, nur beschränkt Zeit opfern, aber jetzt in der Prüfungsphase gerne an der Planung mitarbeiten zu wollen. Alle sind jedoch sehr interessiert an der Erhaltung der Mühle.
Auch Dorfgemeinschaftsvereinsvorsitzender Alfred Falkenberg bekundete grundsätzlich Interesse, warnte aber davor, ein so gigantisches Projekt in Angriff zu nehmen, ohne sich zuvor zu versichern, dass genügend Abbenser dahinter ständen. Aus Falkenbergs Sicht waren unter den Versammlungsteilnehmern zu wenige Abbenser. Doch dieser Meinung waren nicht alle. Viele sind sich sicher, dass das Interesse stark ansteigt, in je greifbarere Nähe die Realisierung des Projekts rückt. Diese Erfahrung haben auch die Mitglieder der Mühlenvereine im benachbarten Neustädter Land in Laderholz, Dudensen und Vesbeck gemacht. „Und was dort gelingt, sollte doch in der Wedemark auch möglich sein“, meinen viele.