Zweiter Platz beim Wettbewerb der HAZ

Ist stolz auf seinen zweiten Platz beim HAZ-Wettbewerb: Julius Petersen aus Brelingen.

Schüler aus Brelingen schreibt Reportage zum Thema „Fremd“

Brelingen. Die Reportage ist die Geschichte von Semo, seinem Freund, aber auch von ihm selbst. Auf den Wettbewerb der HAZ zum Thema „Fremd“ war Julius Petersen durch seine Klassenlehrerin in der Grundschule Brelingen aufmerksam gemacht geworden. Von den drei Möglichkeiten – Kommentar, Interview, Reportage – wählte er die letztere, weil er gerne Geschichten liest und schreibt. In dieser Geschichte ist es dann ein doppelter Blick geworden: auf die eigene Erfahrung, sich in neuer Umgebung fremd zu fühlen, und auf die Erfahrung eines anderen, dem es ähnlich ergeht.
Die Spannung nach der Nachricht über die Nomierung im April war natürlich groß. Bei der mit viel Aufwand und Engagement gestalteten Preisverleihung in Hannover war die Freude über den zweiten Platz in der Kategorie der dritten/vierten Klasse entsprechend groß. Eines ist klar: nächstes Jahr ist Julius wieder mit dabei. Und mit Semo wird jetzt im Frühling wieder draußen Fußball gespielt.
Hier die Geschichte mit dem Titel „Fremd ist ein Gefühl“: Jeder kennt das Gefühl fremd zu sein. Zum Beispiel als ich in den neuen Kindergarten gekommen bin.
Da habe ich mich auch nicht gleich wohlgefühlt. Ich hatte Heimweh nach Zuhause und vielleicht ein klein wenig Angst. Wie wird es wohl sein? Sind alle Kinder blöd oder richtig klasse? Ich wusste es einfach nicht. Als ich reinkam fühlte ich mich fremd. Aber dann hatte ich gar keine Angst mehr. Man konnte mit tollen Spielzeugen
spielen, die Erzieher waren alle super nett, und die Kinder waren
voll coole Typen. Als Mama mich dann abgeholt hat, wollte ich gar nicht
mehr weg.
Ich erinnerte mich wieder an meinen ersten Kindergartentag, als Semo in unsere Klasse kam. Semo kommt aus dem Irak, hat schwarzes Haar, braune Augen, trägt eigentlich immer denselben Pullover. Er redet sehr wenig. Aber dafür kann er gut Fußball spielen. Unsere Klassenlererin sagte mir und den anderen Kindern,
dass wir mit ihm in der Pause spielen sollen. Sie hat Semo neben mich gesetzt. Zuerst fand ich es gar nicht gut, ich kannte ihn ja nicht. Aber dann war es toll, neben Semo zu sitzen. Es hat Spaß gemacht ihm zu helfen. Aber wie war es für Semo? Bestimmt auch nicht gleich wunderbar. Wahrscheinlich hatte er Angst. Schließlich waren überall fremde Leute. Die Lehrer, die Kinder, die ganze Schule.
Heute sitzt Semo in der Schule nicht mehr neben mir, weil er jetzt in die Klasse 1a geht. Dafür kommt er jeden Montag zu mir nach Hause. Er spricht immer noch wenig, dafür können wir umso besser zusammen Fußball spielen. Draußen oder im Wohnzimmer. Er fühlt sich hoffentlich jetzt nicht mehr fremd.