Gutachter einschalten

Pfusch am Bau kann von Fachleuten nachgewiesen werden. (Foto: VQC)

Keine Chance für Pfusch am Bau

Göttingen (vz). Nicht selten endet der Traum vom Eigenheim als Alptraum. Nach Aussage des Vorsitzenden des Vereins zur Qualitätscontrolle am Bau e.V. (VQC), Dipl.-Ingenieur Rüdiger Damm, ist noch immer auf Deutschen Baustellen nicht alles in bester Ordnung. Nach weit mehr als 5.000 begleiteten Bauvorhaben - meist wurden vom VQC Einfamilienhaus-Neubauten unter die Lupe genommen - kommt der VQC-Vorsitzende zu dem Fazit, dass eine unabhängige Qualitätskontrolle ein wesentlicher Baustein für Bauherren sein sollte. Meist sind private Bauherren Laien und ausschließlich auf die Aussage und die Zuverlässigkeit der Baufirmen und Architekten angewiesen. Sie haben kaum die Möglichkeit, die geleistete Arbeit auch nachhaltig auf Qualität hin zu untersuchen. Von daher gilt ganz besonders am Bau: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser," so Damm. VQC: Schwachpunkt Kellerabdichtung und Außendämmung. Die Gutachter des Göttinger Vereins sind seit 2005 auf Baustellen in ganz Deutschland unterwegs und überprüfen unabhängig und transparent Bauleistungen - und das mit Hilfe modernster Technik. So zeigt zum Beispiel ein "Blower-Door-Test", wo es mit der Gebäudedichtigkeit hapert. Und die Infrarot-Wärmekamera dokumentiert unmissverständlich, wo die Wärmebrücken in der Außenfassade zu finden sind. Nach der Auswertung der VQC-Begehungsprotokolle aus den Jahren 2008 und 2009 zeigt sich jetzt, dass die meisten Baumängel bei der Abdichtung von Kellern zu finden sind. An nahezu 20 Prozent der durch den VQC begutachteten Einfamilienhäuser fanden die Prüfingenieure hier Mängel. Weiter wurden durch den Einsatz des Blower-Door-Tests an etwa 15 Prozent der Neubauten Schwächen bei Gebäudedichtheit festgestellt. Ebenfalls "hoch im Kurs": mangelhafte Drainagen und nicht sachgerechte allgemeine Verarbeitung im Innenausbau. "Meist waren dies jedoch Mängel, die mit einem ausgesprochen geringen Aufwand zum richtigen Zeitpunkt beseitigt werden konnten", betont Damm. Denn nur eine baubegleitende Qualitätskontrolle mit mehreren Begehungen verhindert nachhaltig, dass geschummelt und vertuscht wird. So hat der Bauherr von Beginn an das gute Gefühl, ein Maximum an Qualität zu erhalten. Wichtiger Termin für Bauherren: Nach fünf Jahren endet die Gewährleistungspflicht. Besonders Bauherren, die es versäumt haben, während der Bauphase eine baubegleitende Qualitätskontrolle einzuschalten, sollten einen Zeitpunkt dick im Kalender ankreuzen. Fünf Jahre nach Fertigstellung des Neubaus endet die gesetzliche Gewährleistungspflicht. Spätestens kurz vor Ablauf dieser Gewährleistungspflicht sollte, so der VQC-Vorsitzende, unbedingt nochmals ein Gutachter eingeschaltet werden, der die Immobilie intensiv begutachtet. Denn das Tückische: Oft zeigen sich erst nach einigen Jahren Verarbeitungs- oder Konstruktionsschwächen. Ist die Frist einmal überschritten, kann der Eigentümer nur noch sehr schwer seine Ansprüche gegenüber dem Architekten oder der Baufirma geltend machen, weist Damm hin.

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