Brelingen und die nordwestlichen Bosteldörfer

Historische Arbeitsgemeinschaft tagte wieder

Historische Arbeitsgemeinschaft Wedemark. Die jüngste Arbeitssitzung der Historischen Arbeitsgemeinschaft Wedemark begann mit Fragen zu Brelingen und den nordwestlichen Bostel-Dörfern und Hinweisen anwesender Ortsbewohner. Zu Brelingen, zu dem eine ausführliche Chronik vorliegt, informierten Frau Koch und Herr Rose, zu Oegenbostel die Herren Sänger und Schwidurski, zu Bestenbostel Herr und Frau Sievert, schließlich zu Dudenbostel Frau Kolp.
Es folgte das angekündigte Referat: „Ergebnisse der neueren Ortsnamenforschung zu den Dörfern der Wedemark“ von Jan Olaf Rüttgardt. Die Ausführungen fußen auf dem Buch: Uwe Ohainsky, Jürgen Udolph:
Die Ortsnamen des Landkreises Hannover und der Stadt Hannover, Bielefeld 1998, das in der Gemeindebibliothek Bissendorf unter der Signatur Nda 1325 Ohai ausgeliehen werden kann.
Das Referat begann mit einer Einführung in die Methoden der neueren Sprachforschung und gab dann einen Überblick über die Ortsnamen der Wedemark und deren Deutung. Dazu wurden die Ortsnamen vom Referenten zu Gruppen sprachgeschichtlicher Zusammengehörigkeit zusammengefasst, vor allem die altsächsischen und die mittelniederdeutschen Ortsnamen. Als Ergebnis lässt sich festhalten, bis auf das in die germanische Sprachschicht zurückreichende „Meitze“ stammen als Wedemärker Ortsnamen entweder aus der altsächsischen Siedlungszeit (500-1050 n.Chr.) oder aus der großen mittelalterlichen Siedlungsperiode (ab 1100 n.Chr.). Für die altsächsische Zeit lassen sich zwei große Siedlungswellen erkennen. Zur älteren Schicht gehören Siedlungen mit dem Grundwort „Dorf“ (Mellendorf, Hellendorf, Wiechendorf; als bischöfliche Siedlung bietet Bissendorf ein Sonderproblem) und „Husen“ (Abbensen, Elze). In einer zweiten Siedlungswelle, wohl erst ab 900 n.Chr., entstanden als Abbau die zahlreichen Bosteldörfer, ursprünglich immer Einzelhöfe. In die erste Siedlungsschicht, vermutlich ab 600 n.Chr., gehört Brelingen. Das in einem mittelalterlichen Text 992 n.Chr. erwähnte „Bredanlagu“ bezieht sich auf eine altsächsische Landschaftsbezeichnung „Bredan-laga= Breite Fläche“, was die ganze flache Landschaft zwischen den Mooren und den Höhenrücken der Mellendorfer und Brelinger Berge meint, die „Brelinger Fläche“. Ein „Sumpfwasser“, wie es die Brelinger Chronik vermutet, hat es nie gegeben. Das -u am Ende von „Bredanlagu“ bedeutet einfach „Auf der breiten Fläche“, womit dann die ursprünglich sehr kleine Dorfsiedlung gemeint sein dürfte.
Ob sich noch nähere Zeitangaben zu weiteren Siedlungen der älteren Schicht gewinnen lassen, wird der Fortgang der Untersuchungen zeigen. Dabei werden über die Ortsnamen hinaus zu beachten sein: Die allgemeine Landesgeschichte, Daten der Klimaforschung, der Charakter der ursprünglichen Landschaft vor 1400 Jahren und die Entstehung der Dörfer in dieser Landschaft, die Beziehungen der Ortsnamen unter einander und zu den benachbarten Landschaften, insbesondere zum Leinetal.