Jüttner ehrt langjährige Mitglieder der SPD Bissendorf

Ehrung für langjährige Mitglieder: (v. l.) Günter Zickermann, Wolfgang Bertling, Wolfgang Jüttner, Walter Wilke.

Jüttner und Friedrich der Große beim Grünkohlessen

SPD-Abteilung Bissendorf-Wennebostel. Die SPD Abteilung Bissendorf-Wennebostel hatte ihre Mitglieder und Freunde am vergangenen Freitag zu einem Grünkohlessen im Saal des Gasthauses Bludau in Wennebostel eingeladen. Gast des Abends war Wolfgang Jüttner, bis vor kurzem Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag und Landesvorsitzender der Partei. Im Rahmen dieser Veranstaltung ehrte Jüttner vier Mitglieder für 25-jährige und 40-jährige Mitgliedschaft und sprach über die aktuelle politische Situation im Bund und im Land. Walter Wilke als Vorsitzender der Abteilung begrüßte die Gäste und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass Wolfgang Jüttner der Einladung gefolgt sei. Dieser sei für viele Mitglieder ein Vorbild bei seinem jahrzehntelangen Engagement für das Gemeinwohl, an dem man sich gerne orientiert habe. Vor allem als niedersächsischer Umweltminister und danach als Fraktionsvorsitzender im Landtag habe Wolfgang Jüttner Herausragendes geleistet. Weiterhin konnte der Vorsitzende als Vertreter des Rates den Ersten stellvertretenden Bürgermeister und Regionsabgeordneten Helge Zychlinski sowie den Vorsitzenden der Wedemärker Jusos Niklas Mühleis begrüßen. Nach der Teilnahme an einem anderen Termin stieß später auch noch der Bürgermeister der Gemeinde Wedemark Tjark Bartels zu der Gesellschaft. Besonders willkommen hieß Walter Wilke die anwesenden Mitglieder der Abteilung Scherenbostel-Wiechendorf, die man zur Pflege der guten Nachbarschaft eingeladen habe. Nachdem die Küche den obligatorischen Grünkohl mit Kassler, Bregenwurst und Bauchfleisch sowie alternativ Schlachteplatte oder Salatteller serviert hatte, wurde ausgiebig gespeist, das eine oder andere Bier getrunken und geklönt. Gleichsam als „Nachtisch“ trat Heidemarie Heinzelmann mit ihrem Sketch „Röschens heißes Höschen“ auf und gewährte einen ungewöhnlichen Einblick in die Welt der Dessous. Im Mittelpunkt des Abends stand aber die Ehrung langjähriger Mitglieder durch Wolfgang Jüttner und die beiden Abteilungsvorsitzenden Walter Wilke und Wolfgang Bertling. Für 25 Jahre in der SPD wurde zunächst Vera Ackermann geehrt, die in den vergangenen Jahren auch Mitglied des Ortsrates von Bissendorf und des Gemeinderates war. Da Vera Ackermann aus beruflichen Gründen nach Oldenburg umziehen wird, verabschiedete Walter Wilke sie gleichzeitig mit einem Blumenstrauß – die Blüten natürlich in der Farbe Rot! Für ebenfalls 25-jährige Mitgliedschaft wurde Günter Zickermann aus Scherenbostel geehrt, der seine Talente in dieser Zeit bei Veranstaltungen der SPD, vor allem den Kinderfesten zum Einsatz gebracht hatte. Der Abteilungsvorsitzende Wolfgang Bertling überreichte ihm als Dank einen traditionellen Strauß roter Nelken. Für seine Mitgliedschaft von 40 Jahren dankte Walter Wilke Karl Meister, der in früheren Jahren aktiver Wahlhelfer in Landtagswahlkämpfen war. Ebenfalls auf eine Mitgliedschaft von 40 Jahren kann Herbert Vennemann aus Bissendorf-Wietze zurückblicken, dessen politische Aktivitäten vor allem in seinem früheren Wohnort in Dorsten in Nordrhein-Westfalen lag, wo er unter anderem Mitglied im Rat der Stadt Dorsten und im Kreistag Recklinghausen war und in verschiedenen Ausschüssen arbeitete.
Alle Geehrten erhielten als symbolischen Dank für die jahrzehntelange Mitarbeit und ihr Engagement für die Allgemeinheit ein Exemplar des Buches von Helmut Schmidt und Giovanni di Lorenzo „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“, die Zusammenstellung der kurzweiligen Gespräche zwischen diesen beiden in einer Kolumne der „Zeit“. Wolfgang Jüttner nahm die Mitgliederehrung zum Anlass, in seiner Ansprache an die Gäste die Bedeutung der Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger in Parteien und anderen Organisationen, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen, hervorzuheben und zu würdigen. Dankenswerterweise gebe es immer noch eine große Zahl von Bürgern, die hierfür ehrenamtlich ihre Zeit und ihre Arbeitskraft einbringen. Gleichzeitig warnte er jedoch vor der Tendenz, dass in der öffentlichen Wahrnehmung gelegentlich Einzelengagements höher bewertet und hoch gelobt werden, das Engagement in Parteien hingegen weniger gewürdigt werde. Auch die zurzeit vielgelobten Ansätze für mehr direkte Demokratie seien kein Allheilmittel zur Bewältigung gesellschaftlicher Probleme; sie könnten vielmehr dazu führen, dass eigentlich für notwendig erachtete Entscheidungen und Maßnahmen nicht herbeigeführt werden könnten. Jüttner mahnte bei den Parteien – auch seiner SPD – verstärkt Bemühungen an, neu auftretende Besorgnisse oder Ideen am Ziel des Gemeinwohls zu messen und die Diskussion darüber in die Parteien hineinzutragen. Man dürfe es nicht dazu kommen lassen, dass in der Mitte der Gesellschaft vermehrt Anzeichen zur Durchsetzung von Teilinteressen auftreten. „Die Demokratie ist eine empfindliche Pflanze, man kann sie auch zertreten!“ mahnte Jüttner seine Zuhörer und erntete dafür viel Beifall. Speziell für Niedersachsen wünschte sich Jüttner eine Diskussion darüber, was in der heutigen Gesellschaft von staatlichen Einrichtungen vorgehalten werden solle. Für die SPD sei klar, dass sich dies an den Grundwerten der Partei „Soziale Sicherheit, Chancengleichheit und Gerechtigkeit“ ausrichten müsse. Erst wenn diese Anforderungen erstellt sind, können die daraus ableitbaren Ansprüche an die staatlichen Strukturen definiert und anschließend die Fragen der Finanzierung geklärt werden. „Was brauchen wir an Leistungen, was brauchen wir dafür an Geld?“ war sein Fazit. Dieser Weg werde dann auch sehr deutlich machen, welche unterschiedlichen Vorstellungen die einzelnen Parteien vom Inhalt des Begriffs „Gemeinwohl“ hätten.Natürlich war auch die Atompolitik der Bundesregierung in Jüttners Ansprache ein zentraler Punkt, zumal für ihn als ehemaligen Niedersächsischen Umweltminister. Mit dem Satz „Immer mehr Menschen fühlen sich von der Energiepolitik der jetzigen Bundesregierung verklappst“ wurde Jüttner sehr deutlich und verwies auf die problematischen Folgen gerade für Niedersachsen, das bisher so sehr von der Förderung der regenerativen Energien profitiert habe. Dieses Potenzial dürfe nicht verloren gehen, schließlich sei Deutschland in diesen Techniken die Nr. 1 weltweit und beherrsche den Weltmarkt.
Mit der Schulpolitik der Niedersächsischen Landesregierung, insbesondere der starren Position des kleinen Koalitionspartners ging Jüttner scharf ins Gericht. Die Landesregierung vermittele auf der einen Seite den Eindruck, als wolle sie Konsequenzen aus der „Abstimmung der Schüler und Eltern mit den Füßen“ ziehen, gleichzeitig solle es jedoch so aussehen, als solle alles beim Alten bleiben. Den Schlusspunkt seines Ganges durch die Politikfelder setzte Jüttner mit dem Stichwort „Gesundheitsreform“ und den jüngsten Entscheidungen der Mehrheit im Bundestag. Er prognostizierte vor allem steigende Kosten für die gesetzlich Versicherten durch die zukünftige Abkoppelung des Arbeitnehmeranteils bei Prämienerhöhungen. Hier drohe eine Entsolidarisierung der Gesellschaft.
Den Abschluss des Abends bildete ein Show Act von Thomas Vosseler aus Scherenbostel, der im Anschluss an Jüttners politische Ausführungen im originalgetreuen Kostüm die Auffassungen von Friedrich dem Großen zu Grundsätzen von Demokratie und Monarchie äußerte. Vosseler, der auch als „Thovo-Theater“ in der Region auftritt, begeisterte seine Zuhörer, indem er in Gestik, mit Kostüm und Wortwahl in seine Figur geradezu eintauchte und dem Volk seine preußische Sicht der Politik erläuterte - und das im Lande der Welfen!