Karate und Gesundheit

Die Teilnehmenden der Trainerfortbildung des KVN am 4. und 5. Mai in Hellendorf mit den beiden Referenten Dr. Natalie und Reinhard Mandel (Mitte) vom WBC sowie dem Lehrwart des KVN Axel Markner (außen re.).

Trainerfortbildung in der Wedemark

WBC. Am 04.05. und am 05.05. folgten fast 50 interessierte Karate-Trainerinnen und Trainer der Einladung von Axel Markner (6.Dan), Lehrwart des KVN, ins ruhig gelegene Hellendorf. Zum Thema hatte die Trainer-Fortbildung ‚Alternative Aufwärmmethoden mit Muskel- und Knochenqigong‘ sowie ‚Selbstmassage und Stimulation der Vitalpunkte‘. Die Resonanz war so zahlreich, dass die Gruppe auf zwei Trainingstage verteilt werden musste. Nach der Begrüßung ging es dann direkt in die theoretischen Grundlagen. Referentin Dr. Natalie Mandel (5. Dan, Karate-A-Trainerin sowie Taijiquan- und Qigong-Lehrerin) zeigte anhand eines Wibelsäulenmodells, welche Muskelgruppen (insbesondere die tieferen Schichten) bei den traditionellen Aufwärmübungen häufig nicht angesprochen werden und somit über einen längeren Zeitraum Probleme gerade im unteren Rückenbereich verursachen können. Um dem entgegen zu wirken, griff sie auf die Theorie der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zurück, die sich hauptsächlich mit dem Energiefluss (chin. Qi oder jap. Ki) im Körper beschäftigt. Insbesondere das Muskel- und Knochenqigong kann dabei helfen, Muskelblockaden zu lösen und den Energiefluss wieder zu verbessern.
Nachdem der Theoriestunde ging es in die Sporthalle zur Praxis. Das Aufwärmen begann mit klassischen Qigong-Übungen zum Qi-Wecken. Entgegen den Bekannten Dehnübungen aus dem alltäglichen Training wurde hier zur Musik der ganze Körper unkoordiniert geschüttelt. Zweck der Übung war es, Muskelspannungen zu lösen, um jede Stelle im Körper erreichen zu können. Nebenbei wurde aufgrund des ungewohnten Anblicks „das innere Lächeln“ (bei den meisten auch äußerlich sichtbar) gefördert. Es folgten weitere Übungen, deren Hauptaugenmerk auf der entstehenden Energie durch das Lösen von Muskulatur lag. So konnten wir feststellen, dass gerade mit entspannter Bauchmuskulatur und gesenktem Steißbein die Kraft eines gegnerischen Tsuki´s über das hintere Bein absorbiert werden kann und die entstehende Stauchung des Körpers durch die Energie des Gegners eine prompte Gegenreaktion verursacht, die für die eigene Kontertechnik genutzt werden kann (Prinzip einer Feder die gestaucht und wieder gelöst wird).
Nach einer kurzen Pause nutzten wir dann das herrliche Wetter und verlegten die nächste Trainingseinheit auf den angrenzenden Spielplatz. Die dort spielenden Kinder staunten nicht schlecht, als wir Übungen vollführten, die kuriose Namen wie „Das Nashorn schaut zum Mond“ oder „Den Polarstern pflücken“ trugen. Diese ebenfalls aus dem Muskel und Knochen-Qigong stammenden Übungen, die den Übenden anfangs Einiges an Koordination abverlangten, gingen weiter auf die Problembereiche im Rücken ein und stellten so eine sinnvolle Ergänzung zum Aufwärmtraining dar - insbesondere im Bereich des Jukurentrainings. Als wir nach dieser Übungseinheit den Weg zurück zur Sporthalle einschlugen, merkte der Ein oder Andere bereits, dass der eigene Gang federnder, lockerer – einfach entspannter geworden war.
Die letzte Lehreinheit übernahm Ko-Referent Reinhard Mandel (6. Dan). Schwerpunkt dieser Einheit war die Stimulation verschiedener Vitalpunkte. Überrascht mussten wir feststellen, dass bereits durch unser normales Training eine Vielzahl dieser Punkte eine positive Stimulation erfahren, z.B. die Handinnenseite durch das Schließen der Faust oder durch leichte Berührungen an Hals und Rippen beim Ausholen zum Gedan-Barai oder Uchi-Uke. Ebenfalls vorgeführt und in Partnerübungen erprobt wurde, welche überaus schmerzhaften Folgen eine negative Stimulation dieser Punkte haben kann. Da noch etwas Zeit übrig war, ging Reinhard noch auf den Punkt „mentaler Fokus“ bei der Ausführung von Techniken ein. Anhand des Gyaku-Tsukis zeigte er die verschiedenen Wirkungen von einem mit Muskelkraft geschlagenen Tsuki auf den Bauch und einem „lockeren“ Tsuki mit dem Fokus hinter dem Gegner. Das Ergebnis dürfte vor allem seinen Trainingspartner überrascht haben, der regelrecht aus dem Stand katapultiert wurde.
Letztendlich war die Zeit dann doch zu schnell vorbei, denn gerne hätten wir den Weisheiten von Natalie und Reinhard über die „Inneren Kampfkünste“, die über das ausschließlich sportlich betriebene Karate hinaus gehen, noch weiter zugehört und selber geübt. So aber beschloss man, sich auf alle Fälle wieder zu treffen und trat mit einem gefüllten Kopf und einem entspannten Körpergefühl den Heimweg an.
Ansgar Zorn, Jugendtrainer im WBC e.V. und Teilnehmer