"Armut trotz Arbeit" nimmt zu

Stellten den Jahresbericht des Diakonieverbandes Hannover-Land vor (von links): Dorothee Beckermann, der stellvertretende Vorsitzende Bernd Dörrie und Angela Carld.Foto: O. Krebs

Diakonie will weiter kostenloses Angebot unterbreiten

Langenhagen/Wedemark (ok). Deutschland – eines der reichsten Länder der Erde, aber Armut spielt auch hier eine Rolle, ist in den vergangenen zehn Jahren immer mehr zum Thema geworden. Der Diakonieverband Hannover-Land besteht jetzt seit zehn Jahren, hat auch im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen ein gutes Hilfenetz aufgebaut, versucht quasi eine Rund-Um-Versorgung für viele Sorgen und Nöte anzubieten. Doch es wird nach Auskunft von Kirchenkreissozialarbeiterin Angela Carld immer schwieriger, dieses Angebot zu finanzieren, das sowohl an Einzelpersonen aber natürlich auch an ganze Familien gerichtet ist. Nach Einschätzung Angela Carlds hat schon im Jahre 2003 die Verunsicherung bei den Hilfesuchenden zugenommen – von 2.698 persönlichen Beratungen lagen 20 Prozent iom sozialanwaltlichen Bereich. Tendenz eher steigend. Finanzielle Notlagen hätten zugenommen, Arztbesuche würden oft wegen der Praxisgebühr vermieden werden. Zwar sei im Jahre 2011 das Bildungs- und Teilhabepaket verabschiedet worden, aber "Armut trotz Arbeit" werde trotzdem immer mehr zum Thema. Viele Familien hätten einen großen Informationsbedarf und seien mit der bürokratischen Antragstellung oft hoffnungslos überfordert. Ein paar eindrucksvolle Zahlen: Seit 2003 haben Frauen und Männer aus 12.779 Haushalten die Beratungsangebote der Kirchenkreissozialarbeit wahrgenommen; in den Haushalten lebten insgesamt 16.114 Kinder, und es fanden in dieser Zeit 20.429 persönliche Beratungen statt. Und die sozialanwaltliche Beratung stand auch 2011 mit einem Anteil von 26 Prozent an erster Stelle, hat gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent zugenommen. Angela Carld: "Die Zahlen zeigen deutlich die zunehmenden sozialen Nöte und die Verunsicherung durch die vielen Sozialrechtsformen." Die Zahlen bestätigten auch, dass ein verlässliches niedrigschwelliges, unabhängiges und kostenloses Beratungsangebot weiterhin dringend nötig sei.
Die diakonische Familienarbeit, die es in Langenhagen seit vier Jahren gibt, ist ein weiterer Baustein, um die Familien zu stärken. "In der Familienarbeit soll die Diakonie den Menschen entgegen kommen und mit ihnen vor Ort die Angebote gestalten, die sie brauchen", sagt die zuständige Dorothee Beckermann. Professionelle Beratung soll mit Nachbarschaftshilfe und dem Ausbau der Fähigkeit zur Selbsthilfe verknüpft werden. Netzwerke sollen geschaffen werden, die die Menschen miteinander verbinden. Zurzeit gibt es in der Familienarbeit drei Schwerpunkte: die allgemeine Sozialberatung als Anlaufstelle bei sozialen und finanziellen Schwierigkeiten; das Familienbildungsprogramm "FuN", das zusammen mit den Kindertagesstätten entwickelt worden ist und über das zum Beispiel Familiennachmittage und Gespräche, so genannte Familienkreise, ins Leben gerufen worden sind. Und nicht zuletzt das Familienzentrum "Emma und Paul", in dem die beiden benachbarten Kirchengemeinden Emmaus und St. Paulus an einem Strang ziehen und seit drei Jahren einen festen Treffpunkt für die Familien darstellen. Sowohl Dorothee Beckermann (05 11) 7 40 36 13 als auch Angela Carld (05139) 99 76 12 geben gern nähere Auskünfte zu den einzelnen Projekten.