Ausländische Berufsabschlüsse

Neues Gesetz bringt Chancen für Zuwanderer

Region. Seit April gelten in Deutschland neue Regeln für die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen. Zuwanderer können nun ihre Qualifikationen bewerten lassen. Das „Gesetz zur Verbesse­rung der Feststellung und Anerken­nung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ schafft erstmals für alle Menschen, unabhängig von der Staatsangehörigkeit, einen Rechtsanspruch auf Überprüfung ihrer Qualifikationen. Die Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK) ist in der Region für Aner­kennungsverfahren bei Berufen aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen zuständig.
„Vom neuen Anerkennungsgesetz profitieren beide Seiten. Unterneh­men haben nun die Möglichkeit, genauere Aussagen über die berufli­chen Kenntnisse und Fähigkeiten von Bewerbern mit ausländischen Bildungsabschlüssen zu erhalten. Zugewanderte erhöhen mit einer Bewertung und Einordnung ihrer Qualifikationen ihre Chancen bei der Jobsuche oder können sich gezielt nachqualifizie­ren“, erklärt Heinz Orlob, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover.
Viele Zuwanderer haben in ihren Heimatländern berufliche Qualifika­tionen und Abschlüsse erworben, die auf dem deutschen Arbeits­markt dringend gebraucht werden. Die IHK Hannover hat bereits im September 2011 eine Erstanlaufstelle für Anerkennungssuchende eingerichtet, die Menschen mit den verschiedensten Berufs- und Hochschulabschlüssen berät und an die jeweils zuständigen Stellen vermittelt. Die Mitarbeiter der Erstanlaufstelle haben schon in mehr als 120 Fällen weitergeholfen.
„Mit unserem kombinierten Angebot aus Beratungs- und Anerken­nungsstelle unterstützen wir Anerkennungssuchende und Unterneh­men vor Ort“, erläutert Orlob. Die meisten anderen IHKs, auch die anderen niedersächsischen mit Ausnahme der IHK Braunschweig, übertragen ihre Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsab­schlüsse hingegen auf den bundesweiten Zusammenschluss „IHK-Fosa“ (Foreign Skills Approval) mit Sitz in Nürnberg.
Bei den Anerkennungsverfahren werden die vorhandenen Qualifika­tionen mit der entsprechenden deutschen Ausbildung verglichen. „Was sich einfach anhört, ist in der Praxis aufgrund der weltweit unterschiedlichen Bildungssysteme oft eine Heraus­forderung. Beispielsweise kann die in Russland häufig verwendete Berufsbezeichnung „Techniker-Mechaniker“ in Deutschland der Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker oder Werkzeug­mechaniker sein“, so Orlob. Der Vergleich erfolgt anhand von schriftlichen Unterlagen, wobei auch einschlägige Berufserfahrungen berücksichtigt werden. Dies ist insbesondere relevant, wenn prakti­sche Ausbildungsteile fehlen, da diese bei Ausbildungsberufen im deutschen dualen System im Gegensatz zu vielen Auslandsausbil­dungen eine wichtige Rolle spielen. Ist eine abschließende Bewertung dann noch nicht möglich, oder liegen – beispielsweise bei Flüchtlingen – keine Unterlagen vor, können die beruflichen Qualifikationen durch Arbeitsproben, Fachgespräche, Gutachten oder Prüfungen festgestellt werden. Die IHK wird dazu auch auf einen Unterstützungspool mit Experten aus Prüfungsausschüssen zurückgreifen.