Basis und Weichensteller im Sportunterricht

Koordinationsübungen, die letztendlich auch das Ballgefühl im Handball fördern soll. (Foto: O. Krebs)
 
Gar nicht so einfach: Carola Kirchner schiebt ihre Kollegin Ronja Feldmann auf die Rampe; Jutta Schlochtermeyer, Vizepräsidentin für Inklusion beim Behindertensportverband Niedersachsen, steht hilfreich zur Seite. (Foto: O. Krebs)

Sportlehrerverband stellt Anforderungsprofil bei erstem Grundschulsporttag vor

Region Hannover (ok). Rückwärtsgehen? Für viele Grundschülerinnen und -schüler heutzutage ein großes Problem. Nach Aussage des Niedersächsischen Kultusministers Grant Hendrik Tonne fällt es einigen Erst- bis Viertklässlern schwer, einige, wenige Schritte zu gehen. Nicht nur für ihn ein alarmierendes Signal. Den Grundschulen komme eine enorme Bedeutung zu, sagte Tonne beim ersten Grundschulsporttag in der Akademie des Sports am Maschsee. Sie bildeten die Basis der schulischen Laufbahn und seien oftmals Weichensteller. Nur: Oft seien es keine ausgebildeten Sportlehrer, die an der Grundschule Sport unterrichteten. Und die Grundschulen könnten bei Weitem nicht alles leisten, die Elternhäuser seien auch gefordert. Etwa, was die Schwimmfähigkeit angehe, die schließlich lebenswichtig sei. Talentsuche solle nicht nur über die Vereine mit so genannten Talentscouts laufen, auch im Unterricht sollten die motorischen und sensorischen Fähigkeiten gefördert werden. Für den Bissendorfer Reinhard Rawe. Präsident des Niedersächsischen Landessportbundes, ist Schwimmen sogar ein Kulturgut. Er ging auch auf die steigende Zahl adipöser Kinder an der Grundschule ein und plädierte für studierte Sportlehrer an den Grundschulen, um die Bedeutung und Wichtigkeit des Fachs zu unterstreichen. Jetzt müsse es an die Umsetzung gehen. Der Weg zu den Olympischen Spielen führe letztendlich auch über den Schulsport. Sport in der Schule komme nicht nur der Gesundheit zu Gute, sondern fördere auch die interkulturelle Kompetenz und den Umgang miteinander.
Daniel Möllenbeck, Präsident des Niedersächsischen Sportlehrerverbandes und Lehrer an der IGS Langenhagen, stellte die Forderungen seines Landesverbandes vor, gerade auch im Hinblick auf das große Thema Inklusion: drei Wochenstunden Sportunterricht verpflichtend an den Schulen, dazu bewegungsfreundliche Angebote in der Freizeit, auch in Kooperation mit den Sportvereinen. In jeder Grundschule sollte es mindestens eine Sportfachkraft, die anderen Lehrerinnen müssen über das Modul „Bewegung, Spiel und Sport“ für den Sportunterricht qualifiziert werden. Und ganz wichtig: Der Gesundheit der Sportlehrer müsse Rechnung getragen werden, gerade bei der erhöhten Lärmbelastung im Unterricht.
In diversen Praxisworkshops und dem Theorieworkshop „Talentschule des Sports“ probierten sich die Teilnehmer in verschiedenen Sportarten aus. Turnen, Tanz, Fußball, Handball, Fußball für alle Ringen und Raufen, Schwimmen, Kinder-Leichtathletik, kleine Spiele, Tischtennis in der Grundschule und Orientierungslauf standen auf dem Programm. Und natürlich die Inklusion, die in allen Schulen erhöhte Anforderungen an die Lehrkräfte stellt. Ulrike Schulze und Gerd Köhler aus dem Arbeitskreis Schule des Handballverbandes Niedersachsen führten die Lehrer zum Ball mit Ball und Reifen an Spiele zur Raumorientierung und Koordination heran, bevor es an die Wurf- und Fangspiele ging. Selbsterfahrung war beim Workshop „Inklusion“ angesagt. Die Lehrerinnen und Lehrer konnten am eigenen Leib erfahren, wie Sportunterricht im Rollstuhl oder mit Hör- oder Seheinschränkung wahrgenommen wird.