„Bewegung ist so wichtig wie nie“

Noch ist auf dem Sportplatz hinter dem Schulzentrum nichts los. Das soll sich nach Auffassung der Sportlehrer aber bald ändern. (Foto: O. Krebs)

Sportlehrer fordern Unterricht mit klaren Regelungen

Langenhagen (ok). Regulärer Sportunterricht findet in den Jahrgangsstufen eins bis zehn bis auf Weiteres nicht statt. Die Schule sorgt für alternative Bewegungsangebote – unter Wahrung des Abstandsgebotes und nach Möglichkeit im Freien. So steht es in einem Leitfaden des Niedersächsischen Kultusministeriums in Corona-Zeiten. Klar ist: Die Kerncurricula Sport und die schuleigenen Arbeitspläne sind außer Kraft gesetzt, Mannschaftssportarten und Sportarten mit engem Körperkontakt dürfen nicht ausgeübt werden. Der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) Niedersachsen fragt sich allerdings: „Was ist genau mit alternativen Bewegungsangeboten gemeint und wer soll diese Angebote erteilen?“ Der Niedersächsische Verbandspräsident Daniel Möllenbeck, Sport- und Englisch-Lehrer an der IGS Langenhagen, spricht Klartext: „Der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) Niedersachsen fordert, dass Unterricht in allen Schulformen – angepasst an die Situation vor Ort und unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregelungen – möglichst durch ausgebildete Sportlehrkräfte erteilt werden kann.“
Denn es sei zurzeit wichtig wie nie, dass sich die Schülerinnen und Schüler bewegten. Der Alltag vieler Kinder und Jugendlicher sei in den vergangenen Wochen durch Inaktivität, hohen Medienkonsum und sitzende Tätigkeiten geprägt gewesen. Einige durften ihre Wohnungen aus Angst vor Ansteckung gar nicht verlassen. Diese Bewegungsarmut könne erhebliche gesundheitliche Konsequenzen auf physischer und psychosozialer Ebene nach sich ziehen. Eine professionelle sportpädagogische Anleitung des Sportunterrichtes sei nicht zuletzt wegen der Vermeidung von Überforderung, Unfällen und Verletzungen notwendig. Erst einmal im Freien auf dem Sportplatz – ähnlich soll es nach den Vorstellungen einer Sport-Sonderkonferenz ja ab Anfang Mai auch beim Vereinssport laufen. Mögliche Ansätze im Sportunterricht sind nach Auffassung des DSLV Niedersachsen Laufen, Springen, Werfen, Leichtathletik. Der Erwerb des Sportabzeichens sei sicherlich eine Alternative sowie auch Badminton oder Speedminton oder auch Inlineskaten. Eben alle Sportarten ohne Partner oder Gegnereinwirkung.
Das Argument des Kultusministeriums, den Sportunterricht grundsätzlich wegen eines erhöhten Infektionsrisikos beim Umkleiden, Duschen oder Waschen zu untersagen, greife zu kurz. Sportuntericht könnte in die Randstunden gelegt und zu Hause geduscht werden. Es könnte mehr Zeit eingeräumt und auch die Umkleidekabinen aufgeteilt werden. Hygiene und Reinigung müsse mehr in den Fokus genommen werden.
Möllenbeck sagt: „Es wäre tragisch, wenn nun Kinder aus bildungs- und bewegungsfernen Familien auch noch die letzte Möglichkeit genommen wird, sich zu bewegen, ihre physische und psychosoziale Gesundheit und kognitive Leistungsfähigkeit zu stärken, sich zu erholen und zu entspannen.“ Der Schulsport bewege alle.
Nicht zuletzt auch die Abiturienten des Sport-Leistungskurses an der IGS Langenhagen, deren letzten beiden praktischen Prüfungen abgesagt worden sind. Und auch die Prüfung in einer Mannschaftssportart vor Weihnachten fließt nicht in die Bewertung ein. Deshalb haben die Pennäler einen offenen Brief an Ministerpräsident Stephan Weil, die Landesschulbehörde und die Schulleitung der Gesamtschule geschrieben. Sprecher Frederik Eden: „Für diese Prüfung haben wir alle hart trainiert und teilweise auch anderen Schulstoff vernachlässigt. Aus unserer Sicht eine sehr unfaire Regelung.“ Diese Vorbereitung auf die Reifeprüfung sei mit Lernen für Mathe oder Deutsch zu vergleichen. Vier bis fünf Stunden Training pro Woche seien so für die Katz. Die einzig faire Regelung sei ein Durchschnittsabitur, weil auch nicht unter Wettkampfbedingungen trainiert werden konnte, die Verbesserungsvorschläge der Lehrer fehlen. Eden: „Wir Sport-Leistungskursler haben diesen Kurs gewählt, weil der sportpraktische Teil unsere Chance auf eine gute Abitur-Note verbessert, ähnlich wie zum Beispiel bei Schülerinnen und Schülern, die den Kunst-Leistungskurs gewählt haben, da ihre Stärke im künstlerischen Bereich liegt.“