Budde trifft hundertprozentig

United-Center Alexander Budde (12) war im Spiel bei den BG Baskets Hamburg der Turm im Spiel der Niedersachsen. (Foto: MSSP-Sportphoto/Michael Schwartz)

Rollstuhlbasketball-Bundesliga. Hannover United schafft's in die Playoffs

Hamburg/Hannover. Dieses Spiel hat Alexander Budde wirklich Freude bereitet. Erst auf dem Feld, dann am Bildschirm. Der 21 Jahre alte Center von Hannover United schaute sich die 40 Minuten seiner Mannschaft bei den BG Baskets Hamburg auf seinem Sofa im Re-Live an, nachdem er am Sonntagabend von dem Auswärtsspiel zurückgekehrt war. Mit dem 78:61 im Nordderby qualifizierte sich United kurz vor Hauptrundenschluss der 1. Rollstuhlbasketball-Bundesliga (RBBL1) für das Playoff-Halbfinale. Budde war mit 20 Punkten und 12 Rebounds neben Amit Vigoda (22 Punkte) der Turm im Team.
Entsprechend gut war die Laune. "Ich bin noch ein bisschen in der Euphorie-Phase gefangen", sagte Budde am Montagmorgen, nachdem er eine Nacht über die ersten Emotionen geschlafen hatte. "In Hamburg alles klar zu machen, ist schon ein sehr gutes Gefühl", sagte Budde. "Und im Video hat man einfach gesehen, wie viel Spaß die Mannschaft hatte. Eine gute Mischung aus Lockerheit und Kontrolle." Für das Team von Trainer Martin Kluck ist es die vierte Meisterrunden-Teilnahme in Folge.
Die vergangenen Wochen waren für den 21-Jährigen nicht so einfach. Budde arbeitet seit Saisonbeginn in Vollzeit bei United-Partner Meravis Immobiliengruppe im Praxissemester für sein Architektur- und Immobilienmanagement-Studium an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM). Seit dem Ausfall von Mariska Beijer bekommt er kaum noch Pausen auf dem Feld. Da schleichen sich dann ab und an - wie zuletzt - auch mal nicht so gute Tage ein. "Meine Leistung im Spiel gegen Köln war zum Vergessen", sagt Budde. Danach fiel er zwei Wochen lang mit einer Corona-Infektion aus. "Ich habe mir schon Gedanken darüber gemacht, wie ich gesundheitlich aus der Nummer rauskomme. Das war eine Zeit der Ungewissheit."
Umso wichtiger, dass es in der alten Heimat Hamburg gut gelaufen ist. Den Sonnabend verbrachte Budde bei den Eltern in Maschen. "Nach Hamburg zurückzukommen, wo alles angefangen hat, ist schon etwas Besonderes für mich. Und dann machst du da vor der Familie, deinen Freunden und Verwandten das beste Spiel der Saison und die Mannschaft qualifiziert sich damit für die Playoffs. Das ist einfach toll", sagt Budde. Bis Donnerstag war nicht klar, ob er überhaupt im Kader stehen würde. "Die Priorität lag darauf, dass ich nach der Infektion topfit bin. Am Donnerstag haben wir das sportmedizinisch abgecheckt. Da habe ich dann grünes Licht bekommen."
Im Spiel hat Budde dann mit seiner Energie dem Team grünes Licht gegeben für den Auswärtssieg. Der 21-Jährige traf neun von neun Würfen - glatte hundert Prozent. Außerdem räumte er vor allem unter dem eigenen Korb ab und brachte Hamburgs Offensive mit seinen langen Armen und etlichen Ballgewinnen zur Verzweiflung.
Der Sieg beschert United im Bundesliga-Halbfinale im April mindestens zwei weitere Spiele gegen die RSB Thuringia Bulls oder den RSV Lahn-Dill. Mit jetzt 16 Punkten ist Hannover der vierte Platz nicht mehr zu nehmen. Denn Tags zuvor hatte der wichtigste Konkurrent um Platz vier, die RBC Köln 99er mit Ex-United-Star Joe Bestwick überraschend bei den Doneck Dolphins Trier mit 54:80 verloren - und so das Tor weit aufgemacht für United. Und plötzlich kann United sogar noch Dritter werden, wenn die Rhine River Rhinos Wiesbaden zwei ihrer drei noch ausstehenden Partien verlieren. Aber das ist in diesen Tagen zweitrangig. Am letzten Spieltag der Hauptrunde empfängt Hannover United am 19. März (18 Uhr) Tabellenführer und Meister RSB Thuringia Bulls in der United Arena (IGS Stöcken).

BG Baskets Hamburg: Mojtaba Kamali (24 Punkte), Alireza Ahmadi (15), Martin Steinhardt (9), Kai Möller (7), Saman Balaghi, Nikolaus Classen, Anne Patzwald (je 2), Janne Deutschmann, Maya Lindholm, Luc Weilandt.
Hannover United: Amit Vigoda (22 Punkte), Alexander Budde (20), Jan Sadler (12), Jan Haller (11), Jan Gans (9), Oliver Jantz (4), Vanessa Erskine, Tobias Hell, Christoph Lübrecht.