Deutsche Mädchen peilen Medaille an

Olympische Jugend-Winterspiele in Innsbruck

Eine olympische Eishockey-Medaille für Deutschland. Das gab es schon längere Zeit nicht mehr. Zuletzt gelang diese Sensation 1976 mit dem Bronzerang. In Innsbruck übrigens. Und genau dort sind nun 17 junge Eishockeyspielerinnen des Deutschen Eishockey-Bundes dabei, wenn am 13. Januar 2012 die Olympischen Jugend-Winterspiele ihre Premiere feiern.
Eine davon hätten die deutschen Nachwuchsspielerinnen gerne. Am 7. Dezember präsentierte der österreichische Abfahrts-Olympiasieger Fritz Strobl die Medaillen für die Olympischen Jugend-Winterspiele 2012 in Innsbruck.
2007 hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Olympischen Jugendspiele für Nachwuchssportler im Alter von 14 bis 18 Jahren ins Leben gerufen. 2010 fanden die ersten Sommerspiele in Singapur statt. Nun stehen erstmals die Jugend-Winterspiele in Innsbruck auf dem Plan. Keine Frage, dass auch Eishockey dabei sein wird. Und das mit einer Neuerung: Denn es gibt Medaillen in der Mannschaftsvariante - und in einer Einzelwertung!
Die Turniere für Jungen und Mädchen sind allerdings vergleichsweise klein: Jeweils in einem Fünferfeld geht es um Gold, Silber und Bronze, da das IOC beschlossen hat, dass einerseits nur 1000 Athleten und 500 Betreuer zugelassen werden und andererseits bestehende Sportstätten genutzt werden sollen, um eine Kostenexplosion wie bei den „Großen" zu vermeiden.
Dabei geht es den Machern offenbar auch darum, nicht nur einen sportlichen Wettbewerb zu veranstalten, sondern den Jugendlichen auch Werte zu vermitteln und auf ein Leben als Leistungssportler vorzubereiten. So ist für die Teilnehmer ein Kultur- und Erziehungsprogramm vorgesehen. Dazu gehört übrigens auch, dass keine Nationalhymnen gespielt werden und dass das IOC keinen Medaillenspiegel führt, da das Miteinander gefördert werden soll. Wenn man das dann aber doch für den IOC übernimmt - und auch das dürfte die Jugendlichen wohl interessieren - dann hat China diesen „inoffiziellen" Medaillenspiegel bei den Sommerspielen von Singapur gewonnen; Deutschland wurde Neunter.
Die Qualifikation für die Eishockeyturniere erfolgte gemäß einer kombinierten Männer- und Frauen-Rangliste, die nach der WM 2011 im Mai erstellt worden ist. Zu jeweils vier Mannschaften kommt Österreich als Gastgeber. So treten bei den Jungs Kanada, Finnland, die USA, Russland und Österreich gegeneinander an. Bei den Mädchen treffen Schweden, die Slowakei, Deutschland, Kasachstan und Österreich aufeinander. Abgesehen vom Gastgeberland sind die teilnehmenden Nationen nur einmal vertreten.
Das gilt daher auch für den „Eishockey-Einzelwettbewerb", eine sogenannte Skills Competition. Dabei stehen die Disziplinen „Schnellste Runde", „Schussgenauigkeit", „läuferische Agilität", „härtester Schuss", „Passgenauigkeit" und „Puckkontrolle" auf dem Plan. Auch hier sind die acht Turniernationen (außer Österreich) nicht vertreten. Eine gute Idee - schade nur, dass eben nicht alle dabei sein können. Aber vielleicht wäre das ja auch etwas für die Nachwuchs-Weltmeisterschaften.
Beim Mädchenturnier ist der DEB mit 17 Spielerinnen des Jahrgangs 1994 vertreten. Das Jungenturnier ist auf den Jahrgang 1996 beschränkt. Die Mitglieder der deutsche Nationalmannschaft in Innsbruck waren zum größten Teil schon bei U-18-Maßnahmen im Einsatz. Trainerin Maritta Becker freut sich auf das erste Zusammentreffen auf olympischem Boden: „Wir wären zwar gerne mit der gesamten U-18-Mannschaft nach Innsbruck gereist, weil wir dann stärker wären, aber die IOC-Regularien lassen nur den Jahrgang 1994 zu. Trotzdem rechnen wir uns Medaillenchancen aus. Am wichtigsten ist aber, dass die Mädels Erfahrungen sammeln."
Neben dem Erfolg in den 15 Wintersportarten geht es für Ulf Tippelt, dem deutschen Chef de Mission auch darum: „Vor allem sollen die Athleten Erfahrung und Motivation aus Innsbruck mitnehmen, um vielleicht schon 2014 in Sotschi oder sonst 2018 in Pyeongchang den Sprung in die Deutsche Olympiamannschaft zu schaffen."
Den Sportlern stehen sogenannte „Athlete Role Models" zur Seite, die ihre Erfahrungen weitergeben sollen. Im Eishockey sind dies Jennifer Botterill and Angela Ruggiero. Botterill nahm an allen bislang vier Olympischen Eishockey-Turnieren für Frauen teil und gewann dreimal mit Kanada Gold. Die Amerikanerin Ruggiero ist dreifache Weltmeisterin sowie einmal Olympiasiegerin. Auch sie nahm an vier Olympischen Spielen teil.
Der Kader für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft der Mädchen bei den Olympischen Jugend-Winterspielen in Innsbruck vom 13. bis 22. Januar 2012 in Innsbruck:

Tor: Meike Krimphove (TSV Peißenberg), Viola Hotter (ERC Lechbruck).

Verteidigung: Anna-Maria Fiegert (EV Landshut), Theresa Fritz (EC Peiting), Melanie Häringer (HC Landsberg), Simone Hase (ESV Königsbrunn), Lena Walz (ERV Schweinfurt), Johanna Winter (ECDC Memmingen).

Sturm: Lucie Geelhaar (ASV Dachau), Nina Korff (EC Hannover), Katharina Oertel (ECDC Memmingen), Valerie Offermann (Iserlohn Young Roosters), Maylina Schrul (Hamburger SV), Saskia Selzer (ECDC Memmingen), Pia Szawlowski (SC Langenhagen), Theresia Hoppe (EHC Freiburg), Carolin Welsch (TSV Peißenberg).

Mit Schiedsrichter Simon Aicher und und Linesman Benjamin Hoppe sind auch zwei Unparteiische aus Deutschland beim Eishockey-Turnier der Olympischen Winter-Jugendspiele in Innsbruck mit von der Partie.