Die knallrote Starke-Kinder-Kiste

Alexandra Grabner (von links), Lars Arneke und Kathrin Linde beteiligen sich am bundesweiten Präventionsprogramm zur frühen Stärkung von Kindern in Kindertagesstätten und begutachten die gerade eingetroffenen "Starke Kinder Kisten". (Foto: P. Chadde)

Kids durch Stärkung des Selbstwertes vor Missbrauch schützen

Langenhagen. Das Vorhaben ist ambitioniert: Mithilfe des so genannten Präventionsplans für Deutschland sollen Kinder in ihrer Selbstwahrnehmung und in ihrem Selbstwert gestärkt werden. Auf diese Weise sollen sie besser vor Missbrauch geschützt werden. An diesem bundesweiten Projekt beteiligt sich jetzt auch der Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen.
Die Deutsche Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel und das Petze-Institut aus Kiel haben dafür eine knallrote Starke-Kinder-Kiste entwickelt. Stoppschild, Megafon, Stoffherz, Plüschkatze, zwei Geheimnissäcken und ein Bilderbuch unterstützen die altersgemäße und spielerische Erarbeitung der Thematik.
Das Begleitkonzept sieht vor, Kita-Mitarbeiter im Umgang mit den Anregungen aus der Kiste speziell zu schulen. Auch ein Elternabend gehört dazu, um die Angehörigen zu Mitstreitern in Sachen Prävention zu machen. „Die Starke-Kinder-Kisten sollen bundesweit in 5000 Kitas eingeführt werden, um auf diese Weise eine halbe Million Kinder zu erreichen“, berichtet Jerome Braun. Er ist Geschäftsführer der Deutschen Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel aus Karlsruhe. Aufgrund der Entfernung war Braun nun per Videokonferenz in die Vorstellungsrunde bei der Langenhagener Kindertagesstätte der St.-Paulus-Kirchengemeinde zugeschaltet.
St. Paulus ist eine von 13 Kitas in Trägerschaft des Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen, die sich an dem Präventionsplan beteiligt. Lars Arneke, pädagogischer Leiter der Kitas, stellte die sechs Kisten und deren Inhalt vor. „Wir finden das Präventionsprogramm, das unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Franziska Giffey steht, überzeugend“, sagte er.
Auch Alexandra Grabner, stellvertretende Leiterin der Kita St. Paulus, ist überzeugt: „Es gibt uns attraktive Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand.“ Als Beispiel zeigte sie die Magnettafel, auf der Mädchen oder Junge abgebildet sind. Mithilfe von roten und grünen Magneten können bereits kleine Kinder deutlich machen, an welchen Körperstellen eine Berührung angenehm wirkt und welche Bereiche tabu sind. „Durch diese Form der Visualisierung lässt sich das Bewusstsein für den eigenen Körper und seine Gefühle stärken“, sagte Grabner.
Mit Kathrin Linde steht den Einrichtungen des Kirchenkreises für acht Stunden im Monat eine systemische Familientherapeutin zur Verfügung. Sie hatte die Starke-Kinder-Kisten entdeckt und unterstützt die Mitarbeiter bei der Umsetzung des Sexual- und Schutzkonzepts, das 2018 vom Kirchenkreis erarbeitet worden war. „In einigen Kitas startet die Umsetzung noch dieses Jahr, die anderen folgen 2021“, erklärt Linde. Neben Langenhagener und Burgwedeler Einrichtungen werden die Kisten auch in den Gemeinden Isernhagen und Wedemark zur Verfügung stehen.
Wie Braun berichtete, arbeiten bundesweit schon 350 Kitas mit den Starke-Kinder-Kisten und werden von 62 Fachberatern begleitet. Die mehrsprachigen Bilderbücher im Pixi-Format, die jedes Kind mit nach Hause nehmen darf, ermöglichen dabei auch Angehörigen die Teilhabe an dem wegweisenden Projekt.