„Die Langstrecke ist entscheidend“

Machen sich für einheitliche Schulabschlüsse stark: Annette Schavan und Bernd Althusmann.Foto: O. Krebs

Kultusminister Althusmann setzt auf „demografische Rendite“

Langenhagen (ok). Das Wort „Oberschule“ ging Kultusminister Bernd Althusmann bei der öffentlichen Diskussion der Niedersachsen-CDU zum Thema Bildung oft und ziemlich leicht über die Lippen, bei den von ihm nicht so präferierten Gesamtschulen tat sich der Christdemokrat aus Lüneburg allerdings deutlich schwerer. Auf Eberhard Brandt, Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, reagierte Althusmann dann allerdings doch, machte deutlich, dass unter der Ägide der CDU/FDP-Landesregierung seit 2003 40 neue Gesamtschulen entstanden seien, mehr als unter der rot-grünen Vorrängerregierung. Gleichwohl bliebe die Integrierte Gesamtschule die ergänzende Schulform, denn er halte die Oberschule für eine bessere Antwort auf den demografischen Wandel. Auf unterschiedliche Begabungen werde mit unterschiedlichen Bildungsangeboten eingegangen. Ein Konzept, das sich aus Sicht Althusmanns langfristig durchsetzen werde. Die sinkende Schülerzahl will Althusmann dazu nutzen, die Qualität des Unterrichts zu verbessern, verspricht die Klassengröße nach der Landtagswahl im Januar 2013 auf 28 Schülerinnen und Schüler zu senken, die Rahmenbedingungen durch die „demografische Rendite“ zu verbessern. Eine Absage des Kultusministers gab es dagegen in Sachen beitragsfreie Kita-Jahre. Die finanziellen Mittel wolle er lieber für mehr Betreuerinnen, kleinere Kindergartengruppen oder bessere Ausstattung nutzen. Überhaupt führe der Weg nicht wieder zurück zum Abitur nach 13 Jahren, sondern es müsse im Gegenteil noch viel früher angesetzt werden. Die Zeit vor der Grundschule müsse für Bildung genutzt werden, deshalb wolle die Landesregierung an acht Modellstandorten im Land das Projekt „Elementarschule“ für „frühkindliche Bildung von 0 bis 10“ als Erweiterung des so genannten Brückenjahres zwischen Kindergarten und Grundschule auf den Weg bringen. Althusmann: „In diesem Alter lernen die Kinder spielerisch, ja fast explosionsartig, eine zweite Fremdsprache.“ Weitere Ziele, die sich der Kultusminister gesteckt hat: eine flächendeckende Ganztagsschule und so genannte Kerncurricula, die Bildungsstandards vorgeben. Bernd Althusmann machte aber auch klar, dass nicht alles von heute auf morgen vonstatten gehen könne: „Die Langstrecke ist entscheidend; es geht nicht darum, Bildungspolitik neu zu erfinden.“ Unterstützung bekam er von Annette Schavan; die Bundesbildungsministerin war zum Auftakt des so genannten „Niedersachsen-Forums 2020“ der Christdemokraten ins Langenhagener Forum gekommen. Bildungspolitik brauche eine ruhige, konsequente Hand. Sie räumte ein, dass gerade an den Übergängen im Bildungssystem zwischen Kindergarten, Grundschule, weiterführender Schule sowie Berufsausbildung und Hochschule noch ein großer Nachholbedarf bestehe, brach aber auch eine Lanze für das duale Bildungssystem von Berufsschule und Berufsausbildung im Betrieb in Deutschland, das in dieser Form einzigartig sei. Es sei die beste Vorsorge gegen Jugendarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel, wenn die Betriebe selbst ausbildeten. Schavan: „Der Mensch beginnt nicht beim Abitur, und der Meister ist mit einem Bachelor gleichzusetzen.“ In einer globalen Welt müssen nach Ansicht Schavans aber auch die Abschlüsse vergleichbarer und internationaler werden; Lehrpläne darauf abgestimmt werden. Von diversen Studien hält die Bundesministerin nicht besonders viel; das Thema Bildung werde dort oft nicht richtig widergespiegelt. Wie ihr Landeskollege Althusmann ist Schavan der Ansicht, über den Tellerrand hinauszublicken und keine Struktur-, sondern eine inhaltliche Debatte zu führen.