Ein Quintett für Tokio

Von Hannover nach Tokio (von links): Jan Haller, Eike Gößling (Interims-Teammanager), Tobias Hell, Martin Kluck (Assistant Coach) und Jan Sadler. (Foto: M. Schenk/Rollt)

Rollstuhlbasketball: Hannover United ist bei Olympia vertreten

Großwallstadt/Hannover. Für dieses Hannover-United-Quintett wird es ein heißer Sommer. Am Freitag sind Jan Haller, Jan Sadler, Tobias Hell, Eike Gößling (Teammanager) und Martin Kluck (Assistent Coach) zum Trainingslager der Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft nach Wetzlar aufgebrochen. Dort heißt es bis kommenden Freitag: üben, üben, üben für das Highlight - die Paralympischen Spiele in Tokio (Japan). Im Selection Camp in Großwallstadt hat Nationaltrainer Nicolai Zeltinger zum vergangenen Wochenende bekannt gegeben, welche zwölf Spieler er mitnehmen möchte auf die "Road to Tokyo". Der Deutsche Behindertensportverband muss den Vorschlag annehmen, die offizielle Nominierung gibt's am 19. Juli. Die Spiele beginnen am 24. August.
Da Haller, Sadler und Debütant Hell als United-Spieler im Paralympics-Boot sitzen, bedeutet dies auch, dass U22-Nationalmannschaftskapitän Alexander Budde und Oliver Jantz nicht dabei sind. "Es tut mir für Oli und Alex leid, dass sie es knapp nicht geschafft haben. Ich denke, sie haben es den Verantwortlichen der Nationalmannschaft sehr schwer gemacht, eine Entscheidung zu fällen", sagte United-Coach Martin Kluck, der Nationaltrainer Zeltinger erneut als Assistent zur Seite steht. "Für Hannover United ist es eine tolle Auszeichnung, dass bis zuletzt fünf Spieler unter den letzten 15 um die zwölf Plätze gekämpft haben. Das zeigt, dass der Verein sehr viel dafür tut, um gerade jungen Spielern große Perspektiven zu bieten", so Kluck. Mit Phillip Schorp, Joe Bestwick und Matthias Güntner stehen zudem drei ehemalige Hannoveraner im Kader.
Für United-Talent Hell ist es das erste Jahr in der Herren-Nationalmannschaft. Mit den Junioren holte Hell im Juni die Silbermedaille bei der U22-Europameisterschaft, bekam viel Spielzeit. Jetzt belohnte das Trainerteam den 21-Jährigen für sein Engagement der vergangenen Jahre. "Bei den Paralympics dabei zu sein, ist für jeden Spieler der Traum. Aber ich habe auch großen Respekt vor der Aufgabe und Verantwortung, die die Nominierung mit sich bringt", sagte Hell. Er fühle sich von Team und Trainer sehr unterstützt. "Ich will so viel wie möglich von meinen ersten Paralympics mitnehmen und die Zeit genießen."
Nach der Nominierung spielte das Team in Großwallstadt mit dem Paralympics-Kader zwei Tests gegen die Nationalmannschaft der Niederlande (65:57; 68:52). Im EM-Viertelfinale 2019 war es das entscheidende Duell um das Tokio-Ticket. "Wenn klar ist, welche zwölf Spieler zu einem Turnier fahren, ist es wie ein kleiner Startschuss", sagte United-Spielmacher und Nationalmannschaftskapitän Jan Haller. Denn von diesem Zeitpunkt an könnten sich die geplanten Line-Ups entwickeln, Spielzüge eingeübt werden. "Die Testspiele waren sicherlich nicht schlecht, aber wir haben noch viel Luft nach oben", so Haller.
Der Dritte im Bunde aus Hannover ist United-Kapitän Jan Sadler. "Ich habe mehr als zehn Jahre auf diese Nominierung hin trainiert. Dieses Ziel nun zu erreichen, fühlt sich großartig an. Für mich geht es darum diese Zeit zu genießen und mental und körperlich topfit zu sein für Tokio", sagte Sadler. In den kommenden Tagen wird das Trainerteam in Wetzlar einiges darauf verwenden, Sadler und Co. fit zu machen. Bis Freitag trainieren sie für den großen Traum. Zweieinhalb Wochen später wird es ernst: Die RBC Köln 99ers richten vom 22. bis zum 24. Juli den Nations Cup in der Stadt aus. Das Team trifft auf den EM-Dritten Türkei. Die Frauen-Nationalmannschaft spielt gegen die Niederlande und Spanien.