Eine furioser Saisonstart

Zugang Jan Gans überzeugte bei seinem United-Debüt mit viel Größe und sieben Punkten. (Foto: M. Lobback)

Bei Hannover United ist zum Saisonstart gegen Trier Stimmung drin

Hannover. Nach der Schlusssirene war ganz viel Liebe in der United Arena: Alexander Budde ließ sich von Mutter und Freundin herzen. Teammanager Udo Schulz drückte Jan Haller fest. Und Centerin Mariska Beijer umarmte Gegenspieler Correy Rossi. "Don’t worry - Mach dir nichts daraus", sagte die niederländische Paralympics-Siegerin im Trikot von Hannover United zu ihrem alten Kumpel aus Trierer Tagen. Wenig später lächelte Rossi schon wieder, ließ sich mit Beijer und deren Goldmedaille fotografieren.
Und dann gab es noch ganz viel Liebe von den rund 120 United-Fans für einen wirklich gelungenen Saisonauftakt ihrer Mannschaft. Minutenlang applaudierten die Zuschauerinnen und Zuschauer den Spielerinnen und Spielern auf dem Feld. 78:56 hatte Hannover United zuvor in der ersten Rollstuhlbasketball-Bundesliga gegen die Doneck Dolphins Trier gewonnen. Erstmals seit 19 Monaten Pandemie-Pause durften wieder Fans in die Halle.
Für die Niederländerin Beijer und Center Christoph Lübrecht war die Rückkehr auf das Parkett besonders. Beide hatten Corona-bedingt die vergangene RBBL-Saison ausgesetzt, die Spiele ihrer Mannschaft lediglich im Livestream verfolgt. "Das war der geilste Abend seit eineinhalb Jahren", sagte Lübrecht, der 14 Punkte erzielte. Aufgeregt sei er am Vorabend gewesen, konnte nicht gut einschlafen. "Aber es hat sich unglaublich gut angefühlt, mit der Mannschaft wieder in der Kabine zu sitzen und vor dieser Kulisse zu spielen."
Paralympics-Siegerin Beijer kam nach dem Spiel aus dem Grinsen nicht mehr heraus. "Es ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl, wieder zurück zu sein. Ich hatte wirklich großen Spaß heute. Hier waren heute mehr Menschen in der Halle als die ganze Zeit in Tokio", sagte Beijer. "Die Atmosphäre im Team ist unheimlich gut. Es war, als sei ich nicht weggewesen."
Der Trainer war ebenfalls glücklich - nicht nur über den Sieg, sondern auch über die Stimmung von den Rängen. Auch wenn er sein Coaching ein bisschen umstellen musste. "Wir haben uns ja schon ein bisschen daran gewöhnt, ohne Fans zu spielen", sagte Coach Martin Kluck. "Jetzt müssen wir uns wieder daran gewöhnen, dass sie zurück sind. Es war heute nicht ganz einfach, Informationen aufs Feld zu bekommen und zu kommunizieren", so Kluck. "Aber es ist genial, wieder Leute dabei zu haben, die da mitfiebern."
Gespielt wurde zwischendrin natürlich auch. In der ersten Hälfte war die Partie sogar einigermaßen ausgeglichen. "In der ersten Halbzeit hatten wir noch etwas Ladehemmungen, mussten uns durchkämpfen", sagt Budde, mit 15 Punkten zweitbester United-Score. Auf Budde und Kapitän Jan Sadler, mit je drei persönlichen Fouls früh vorbelastet, lag zusätzlicher Druck. "Das schleppst du natürlich im Kopf mit." Man müsse dann noch sauberer spielen, den Stuhl noch genauer platzieren, so Budde. Das klappte gut. Am Ende blieb es bei beiden bei drei Fouls.
Nach dem Seitenwechsel dreht Hannover United auf. "In der Pause haben wir ein paar Dinge aufgegriffen in der Halbzeit und sind fulminant in die zweite Hälfte gestartet", sagte Coach Kluck zufrieden. "Wir haben den Doneck Dolphins früh den Zahn gezogen." Das gelang auch, weil die Gäste-Defense viel rotieren musste und sich nicht auf einen oder zwei Werfer einstellen konnte. Sadler, Budde, Lübrecht und Haller scorten zweistellig. Mariska Beijer und Zugang Jan Gans kamen gleich dahinter. "Wir haben heute nicht unseren besten Basketball gespielt", konstatierte Kluck. "Aber wer das Spiel gesehen hat kann erahnen, dass es eine tolle Saison mit schönem Basketball werden kann."
Hannover United: Jan Sadler (19 Punkte), Alexander Budde (15), Christoph Lübrecht (14), Jan Haller (13), Mariska Beijer (8), Jan Gans (7), Oliver Jantz (2), Vanessa Erskine, Tobias Hell.
Doneck Dolphins Trier: Dirk Passiwan (25 Punkte), Correy Rossi (16), Patrick Dorner (8), Miljan Grujic (7), Corin Depping (1), Valeska Finger, Lukas Jung, Zeljko Likic, Kim Zettlitz.