Eine Kultur der Wertschätzung

Freuen sich über die positive Entwicklung in der Martinsgemeinde: Rainer Müller-Jödicke (von links), Stefan Weisser, Holger Grünjes und Jens Wening. (Foto: O. Krebs)

Zahl der Gemeindeglieder bleibt in Engelbosteler Martinsgemeinde stabil

Engelbostel/Schulenburg (ok). Es ist eine Tendenz, die nicht nur auf Langenhagen oder den Kirchenkreis zutrifft. Allerorts sinkt die Zahl der Gemeindeglieder in den Kirchen. Nicht aber in Engelbostel und Schulenburg, in diesem Fall ein gallisches Doppeldorf, das der Entwicklung trotzt. Hier bleiben die Zahlen seit Jahren stabil. Woran liegt das wohl? „Wir sind zwei Dörfer, in denen die Kirche mitten im Dorf steht, und das ist den Vereinen und Verbänden wichtig. Hier ziehen alle an einem Strang.“ Eine Gemeinschaft, die Superintendent Holger Grünjes schon oft von außen gesehen hat und bestätigen kann. Und auch der promovierte Vikar Jens Wening, der die Gemeinde im Februar verlassen wird, um eine eigene Gemeinde zu übernehmen, wird einiges mitnehmen: „Hier herrscht einfach eine Kultur der Wertschätzung, in der Andere nicht ausgegrenzt werden.“ Durch diese Zuneigung entstünden auch Stützen für die Gesellschaft ist Holger Grünjes überzeugt. Man kenne sich eben. Und man geht aufeinander zu. Pastor Rainer Müller-Jödicke beispielsweise in die Schule, um dort ab der dritten Klasse den Religionsunterricht zu übernehmen, ehe die Kinder dann in der vierten Klasse zum ersten Teil des Konfirmandenunterrichts kämen. Überhaupt: Die Gemeinde bleibt dran an den jungen Menschen, über Krabbelgruppe, Kita, Martinsclub für die ABC-Schützen , Jugendclub und nach der Konfirmation in der achten Klasse dann Trainee gibt es für Jeden etwas zu tun. Der Kontakt reiße nie ab. Jens Wening berichtet von seinen Erfahrungen: „Viele Fäden laufen hier zusammen und sind miteinander verwoben. Es entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl.“ Und das über die Heranwachsenden mit dem Kreis Junger Erwachsener bis ins Erwachsenenalter hinein. Müller-Jödicke: „Wir haben jährlich eine Erwachsenentaufe.“ Ein gutes Beispiel ist Anja Philippeit, die als Jugendliche noch die Jugendweihe bekommen hat. Ein Viertel der Konfirmanden sind nicht getauft; im zweiten Quartal 2015 gab es sage und schreibe 40 Taufen. Das Gemeindekonzept ist vielfältig; Diakon Stefan Weisser, deren Stelle über Fundraising finanziert wird, spielt darin ebenso eine große Rolle wie die sieben ehrenamtlichen Lektoren als Laienprediger. Und Rainer Müller-Jödicke hat als als gebürtiger Ostfriese die plattdeutsche Verkündigung in Engelbostel eingeführt; eine Idee, die in der Martinsgemeinde sehr gut angekommt. „Er ist überzeugt und überzeugt“, bringt es Holger Grünjes auf den Punkt. Und so gelingt es Müller-Jödicke mit seinen Hauptamtlichen, die ehrenamtlichen Mitarbeiter mitzureißen und zu motivieren, sodass diese selbstbewusst auftreten und Aufgaben übernehmen. „Da bei uns die Wiedereintritte die Austritte überwiegen, jeden Monat einer, macht die Arbeit Freude“, sagt Rainer Müller-Jödicke in seiner bescheidenen Art. Eine Einstellung, die bei dem Geistlichen Tag für Tag wieder spürbar ist.