"Für Weltausstellungen entflammt"

Der deutsche Pavillon wurde in Südkorea im dem "Gold Award" ausgezeichnet.

Interview mit Claus Holtmann über sein erfolgreiches EXPO-Engagement

Langenhagen (sch). Seit der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover hat der Langenhagener Unternehmer und Vorsitzende des Wirtschaftsklubs Claus Holtmann sein Messebau-Unternehmen auch bei den Weltausstellungen in China und Süd-Korea einbringen können. Der deutsche Beitrag in Süd-Korea wurde zum Abschluss der EXPO gerade mit dem "Gold Award" ausgezeichnet. Welche Erfahrungen Claus Holtmann auf seinem erfolgreichen Weg durch die globalisierte Welt gesammelt hat, erläuterte er nach seiner Rückkehr aus Fernost dem ECHO.


Herr Holtmann, Sie sind gerade von der EXPO aus Süd-Korea zurückgekehrt. Krönender Abschluss Ihres Engagement dort war die Auszeichnung des deutschen Pavillons mit dem "Gold Award". Welchen Anteil haben Sie und Ihr Team an diesem Erfolg?

Zunächst einmal sind hier die Projekt-Initiatoren (Bundesministerium für Wirtschaft und Hamburg Messe + Congress GmbH) und die Ausstellungsgestalter (Kreativagentur Facts + Fiction aus Köln, sowie Güttel, Taranto und Partner aus Düsseldorf als Architekten) ausgezeichnet worden, denn bei dem Preis ging es ja um die "Königsdisziplin 'Theme Development'". Dennoch - auch als Realisierer des Pavillons haben wir sicherlich Grund, uns mit belobigt zu fühlen, denn die Juroren und das Publikum beurteilen ja das, was konkret baulich und gestalterisch umgesetzt wurde. Also sind wir alle als Team ausgezeichnet worden.



Was haben die Verantwortlichen bei der Erstellung des deutschen Pavillons besser als andere Nationen gemacht?

In Deutschland nehmen wir die globale Themenstellung einer jeweiligen Weltausstellung sehr ernst und tragen wirklich intensiv mit Lösungen und Denkansetzen zu dem Them a bei. Das Ganze packen wir in eine interessante erlebnisorientierte Ausstellung und geben uns dabei sehr viel Mühe im Detail.
Die Deutschen Pavillons auf Weltausstellungen gehören so immer mit zu den Spitzen-Attraktionen auf Weltausstellungen. Von 'Landes-Schauen' oder tourismus-orientierten Ausstellungen sind wir da weit entfernt, was nicht alle Pavillons von sich behaupten können.
Besonders beeindruckt hat alle Besucher der durchgängige 'rote Faden', der alle Themenräume zu einem Ganzen verbunden hat.

Sie waren bereits erfolgreich bei der EXPO in Hannover und auch zuletzt bei der gigantischen Weltausstellung in Shanghai dabei. Was macht für Sie den besonderen Reiz aus, sich im internationalen Wettbewerb um ein EXPO-Engagement zu bewerben?

Wir sind als Ausstellungs-Spezialist im Messeland Nr. 1 in der Welt (70% aller Weltleitmessen finden in Deutschland statt) sehr häufig mit Höchstanforderungen konfrontiert. Seit wir jedoch auf unserer Expo2000 hier in Hannover begeisternde Projekte anvertraut bekamen, sind wir in besonderer Weise für Weltausstellungen 'entflammt'. Die gemischten Anforderungen aus temporärem Bauen, hohen Logistikanforderungen, Internationalität, begeisternden Erlebnisausstellungen und klassischem Messebau scheinen für uns wie geschaffen zu sein - das können wir eben alles ganz gut.



Die letzten beiden Weltausstellungen haben Sie nach Ostasien geführt. Welche Bedeutung hat dieser Wirtschaftsraum für Ihr Unternehmen?

Wenn man sieht, mit welcher Dynamik dieser Wirtschaftsraum - allen voran natürlich China - sich entwickelt, dann können uns solche tollen Referenz-Projekte nur sehr recht sein. Unsere Kunden aus Europa nutzen diese Wirtschaftsräume vielfach für Beschaffung und Produktion, zunehmend aber auch als Absatzmärkte. Auch viele deutsche Mittelständler orientieren sich in Richtung dieser Märkte. Das erzeugt in Zukunft viel Potenzial für Geschäft. Wir lernen, uns auszukennen und die richtigen Partner für Umsetzungen zu finden und stehen für unsere Kunden dann als Kenner und Partner bereit.



Die Region Hannover hat im April eine Kooperation mit der chinesischen Region Luan ratifiziert. Bereits 2010 haben Sie als Vorsitzender des Wirtschaftsklubs eine Delegation aus Luan in der Wedemark begrüßt. Welchen Stellenwert messen Sie solchen kommunalen Verbindungen bei?

Wir selbst erleben häufig die Befangenheit auf beiden Seiten, wenn es um interkulturelle Annäherungen bis hin zu Geschäftsanbahnungen geht. Durch die Verschiedenartigkeit geht uns vieles von der Vertrautheit und Sicherheit verloren, die es uns sonst möglich macht, uns auf die 'andere Seite'
einzulassen. Wenn diese ersten Kontakte aber über eine interkommunale Zusammenarbeit unterstützt werden, entsteht eine neue Vertrauenssphäre, die es besonders Mittelständlern möglich macht, mit Vertrauensvorschuss in die Entwicklung von eigenen Beziehungsnetzwerken einzusteigen. Auch von Vornherein die beratenden Institutionen einer solchen interkulturellen Zusammenarbeit mit kennenzulernen, erleichtert den Einstieg.

Die Aktivitäten Ihres Unternehmens haben sich mittlerweile über den ganzen Erdball ausgedehnt. Was motiviert Sie weiterhin, sich vor Ort in Langenhagen und der Region Hannover zu engagieren?

Für mich ist das kein Widerspruch. Unser Unternehmen lebt'gesellschaftsorientierte Unternehmensführung' und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unsere Familien kommen aus dieser Region. Wenn man dazu noch Überzeugungstäter ist und seinem Umfeld etwas geben möchte oder Menschen helfen möchte, dann lässt sich das besonders gut innerhalb des Wirkungskreises realisieren. Man lernt tolle Menschen kennen und wird durch ein glückliches Lächeln hier oder dort belohnt. Dadurch hat man die Kraft, immer mal wieder ein neues Projekt zu starten :-)

Wenn Sie aus der Perspektive Ihrer internationalen Projekte und Kontakte auf die Region Hannover schauen, was müssen wir hier im größten Ballungsraum Niedersachsen Ihrer Meinung nach besser machen, um uns in einer globalisierten Welt erfolgreich positionieren zu können?

Eigentlich gefällt mir der Slogan der 90er Jahre ganz gut, der lautete:
"besser unterschätzt, als übertroffen".
Ich glaube ein wenig mehr Selbstbewustsein stände uns ganz gut zu Gesicht.
Wenn dann noch in zukunftsweisenden Projekten nicht immer gleich das Negative kritisch herausgestellt würde, sondern die Chancen im Hinblick auf etwas 'Besonderes' entwickelt würden, könnten vielleicht noch mehr Alleinstellungsmerkmale entstehen.



Und schließlich: Was finden Sie an Ihrer Heimat im weltweiten Vergleich besonders sympathisch?

Es ist für viele weitreisenden ein besonders schönes Gefühl, wieder "nach Hause" zurückzukehren. Hier ist uns alles vertraut: Essen, Landschaft, Menschen, Sprache, Kultur - und sowieso natürlich die Freunde und Familienmitglieder.
Allerdings kehren Chinesen genauso gerne nach China zurück und Koreaner sehnen sich nach Kimchi, ihrer Leibspeise.
Privat und persönlich könnte man sich also wohl an vieles einfach gewöhnen, aber insbesondere beruflich schätze ich die hohe Professionalität unserer Spezialisten und die Zuverlässigkeit von Handwerkern aller Art. Das sind Dinge, die uns in anderen Ländern einen unschätzbaren Vorteil vor lokaler Konkurrenz verschaffen.