Gravierende Probleme durch Alkohol, Zigaretten und Gamen

Stellten den DAK-Gesundheitsreport vor: Stefanie Gödecke von der DAK und Chefarzt Michael Neubauer. (Foto: O. Krebs)

Aber: Gesündeste Niedersachsen leben in Region Langenhagen

Langenhagen. Der Krankenstand in der Region Langenhagen, zu der auch die Wedemark gehört, ist 2018 konstant geblieben. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen lagen exakt auf Vorjahresniveau. Mit 4,0 Prozent hatte die Region zudem gemeinsam mit dem Osnabrücker Land den geringsten Krankenstand in Niedersachsen während der Landesdurchschnitt 4,3 Prozent betrug. Laut DAK-Gesundheitsreport waren damit an jedem Tag des Jahres von 1.000 Arbeitnehmern 40 krankgeschrieben. Zum Vergleich: Der höchste Krankenstand in Niedersachsen wurde mit 4,9 Prozent im Göttinger Land verzeichnet.
Die aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit für die Region Langenhagen zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen: Die Fehltage bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen sanken um 14 Prozent und damit am stärksten von allen Diagnosen. Rückenschmerzen und Co. haben einen Anteil von mehr als 18 Prozent am gesamten Krankenstand der Region. Bei Bronchitis, Sinusitis und Erkältungen gab es einen Anstieg der Ausfallzeiten um drei Prozent. Mehr als jeder fünfte Fehltag hatte eine psychische Erkrankung als Ursache. Depressionen und Angstzustände rangierten damit auf Platz eins. Die Zahl der Krankschreibungen ging allerdings um zwei Prozent zurück.
„Mit unseren Analysen zum Krankenstand in der Region Langenhagen setzen wir gezielt beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement an und bieten Arbeitgebern konkrete Hilfe“, sagt Stefanie Gödecke, Chefin der DAK-Gesundheit in Langenhagen.
Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport mit dem Schwerpunkt „Sucht 4.0 – Trinken, Dampfen, Gamen in der Arbeitswelt“, wie viele Erwerbstätige in Niedersachsen mit gravierenden Problemen durch Alkohol, Zigaretten und Computerspiele zu kämpfen haben. Die Kasse wirft dabei einen Blick auf Ursachen und Risikofaktoren. Für das Schwerpunkthema wertete das IGES-Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in dem Bundesland aus – flankiert von Analysen der ambulanten und stationären Versorgung. Eine repräsentative Befragung von 5.000 Beschäftigten sowie eine Expertenbefragung geben Aufschluss über die Verbreitung und den Umgang mit den verschiedenen Suchtmitteln und Verhaltensweisen. Das Fazit: Hunderttausende Beschäftigte in Niedersachsen haben ein Suchtproblem. Konkret bedeutet das: Rund 425.000 Arbeitnehmer zeigen einen riskanten Alkoholkonsum – das ist jeder neunte Beschäftigte. 12,7 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande sind zigarettenabhängig. Erstmals untersucht der DAK-Report das Thema Computerspielsucht in der Arbeitswelt. Ergebnis: Rund 200.000 Erwerbstätige in Niedersachsen zeigen ein riskantes Nutzungsverhalten.
Laut DAK-Gesundheitsreport 2019 haben Arbeitnehmer in Niedersachsen mit Hinweisen auf eine so genannte Substanzstörung deutlich mehr Fehltage im Job als ihre Kollegen ohne auffällige Probleme. Der Krankenstand der Betroffenen ist mit 7,3 Prozent fast doppelt so hoch. Sie fehlen aber nicht nur im Job, weil sie wegen ihrer Suchtproblematik krankgeschrieben werden. Vielmehr zeigen sich bei ihnen in allen Diagnosegruppen mehr Fehltage. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den psychischen Leiden. Hier sind es mehr als dreimal so viele Fehltage. Bei Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen gibt es ein Plus von 76 Prozent, bei Atemwegserkrankungen sind es rund 53 Prozent. Insgesamt ergibt eine Hochrechnung der Studienergebnisse unter den Erwerbstätigen in Niedersachsen 477.000 abhängige Raucher, rund 49.000 erfüllen die Kriterien einer Internet Gaming Disorder (Computerspielsucht), rund 15.000 Erwerbstätige haben eine sogenannte Gebrauchsstörung im Umgang mit Alkohol.
Der Großteil der direkten Krankmeldungen bei Suchtproblemen ist in Niedersachsen auf Alkohol zurückzuführen (81 Prozent). Laut Studie der DAK-Gesundheit hat jeder neunte Arbeitnehmer hierzulande einen riskanten Alkoholkonsum. Bei Männern beginnt das beispielsweise bei täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläsern Bier, bei Frauen schon bei einem 0,3 Liter-Glas Bier pro Tag. Mit ihrem Trinkverhalten setzen sich 425.000 Erwerbstätige in Niedersachsen Risiken aus, krank oder abhängig zu werden. „Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und gesundheitliche Schäden in der Gesellschaft wie Alkohol. Das riskante Trinken bleibt daher ein zentrales Problem, das auch gravierende Folgen in der Arbeitswelt hat“, sagt Stefanie Gödecke, Chefin der DAK-Gesundheit in der Region. „Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Wir wollen eine breite und offene Debatte anstoßen. Wir müssen hinsehen, hinhören und handeln, um Betroffene nicht allein zu lassen. Ist es Genuss, Gewohnheit oder bereits Sucht?“ Beim Thema Alkoholprävention fehlen auch in Niedersachsen flächendeckende und wirksame Angebote. Die DAK-Gesundheit schließt diese Versorgungslücke ab sofort mit einem neuen kostenlosen Online-Selbsthilfeprogramm bei Alkoholproblemen. Eine Anmeldung ist auf www.dak.de/vorvida möglich.
Erstmals untersucht der Report auch das Thema Gaming und seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Demnach spielen fast 51 Prozent der Erwerbstätigen in Niedersachsen Computerspiele. 5,2 Prozent der Erwerbstätigen gelten als riskante Gamer. Das heißt: 196.000 Beschäftigte zeigen auffälliges Nutzungsverhalten. Vor allem junge Beschäftigte zwischen 18 und 29 Jahren sind laut DAK-Report riskante Computerspieler (11,6 Prozent). Jeder elfte Mitarbeiter mit riskantem Spielverhalten gab bei der Analyse an, in den letzten drei Monaten wegen des Spielens abgelenkt oder unkonzentriert bei der Arbeit gewesen zu sein. Von den Erwerbstätigen mit einer Computerspielsucht war es sogar jeder Dritte (34,1 Prozent).
Das Rauchen von Zigaretten ist laut DAK-Report in Niedersachsen die verbreitetste Sucht, die auch die Arbeitswelt betrifft. 12,7 Prozent oder jeder achte Erwerbstätige ist zigarettenabhängig. Unter den jungen Erwerbstätigen zwischen 18 und 29 Jahren gibt es bundesweit mit 16,3 Prozent den geringsten Anteil. Bei den 60- bis 65-jährigen Berufstätigen raucht hingegen fast jeder Vierte (23,7 Prozent). Etwa jeder zweite Raucher raucht auch während seiner Arbeitszeit, also außerhalb der Arbeitspausen.
Derzeit dampfen knapp vier Prozent der Erwerbstätigen in Niedersachsen. Raucher von E-Zigaretten greifen oft parallel zur herkömmlichen Zigarette, belegt der DAK-Report. Dampfer finden sich deshalb fast ausschließlich unter Rauchern und Ex-Rauchern.