„Mehr Qualität in die Bildung“

Aufgeschlossene Gesprächspartner (von links): Marco Brunotte, Thorsten Schirmer und Stephan Weil. Foto: O. Krebs

Stephan Weil und Marco Brunotte zu Besuch beim ECHO

Langenhagen/Wedemark (ok). Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil schickt sich an, mit der kommenden Landtagswahl am 20. Januar als Herausforderer von Ministerpräsident David McAllister den Wechsel aus der Kommunal- in die Landespolitik zu wagen. Bereits jetzt ist er viel in Niedersachsen unterwegs, um sich vorzustellen und ein eigenes Meinungsbild zu gewinnen, welche Themen für das Land wichtig sind. Gemeinsam mit dem Langenhagener Landtagsabgeordneten Marco Brunotte besuchte der SPD-Politiker nun am Mittwoch das ECHO. Verlagsleiter Thorsten Schirmer hatte in das Bissendorfer Verlagshaus an der Burgwedeler Straße 5 eingeladen. Weil zeigte sich beeindruckt von dem attraktiven Standort in der historischen Ortsmitte in Nachbarschaft zu Bürgerhaus, Standesamt und Heimatmuseum. Auch den traditionsreichen ECHO-Titeln zollte er Lob und Anerkennung. Sehr überzeugt zeigte sich Weil im Redaktionsgespräch von Aufmachung und Inhalt, die er als Musterbeispiel für andere Wochenzeitungen in der Region bezeichnete. „Das hat die Anmutung einer Tageszeitung“, lautet sein Fazit bei Durchsicht der aktuellen ECHO-Ausgaben. Gabriele Gosewisch und Oliver Krebs befragten Stephan Weil zu seinen Ideen und Zielen, die er im Falle eines Machtwechsels im Land zwischen Harz, Heide und Nordsee realisieren will. Im Zentrum seines Programms für eine neue Landespolitik sieht Weil die Themen Bildung und Qualifizierung – ein Komplex, der nach Ansicht Stephan Weils für die Entwicklung und Zukunft Niedersachsens entscheidend sein wird. Weil machte deutlich: "Wir müssen mehr Qualität in die Bildung bekommen, versuchen die Talente der jungen Leute zu entfalten." Im ganzen Land gebe es Klagen der Unternehmen, dass die Ausbildungsfähigkeit oft schlichtweg fehle; 15 bis 20 Prozent der Jugendlichen würden ihre Ausbildung abbrechen. „Wir brauchen mehr Gesamt- und mehr Ganztagsschulen - aber richtige mit pädagogischem Personal, gerade bei den Grundschulen“, argumentierte Weil. „Die Landesregierung verkauft uns zurzeit eine Mogelpackung und schmückt sich mit fremden Federn“, lautet sein Vorwurf in Richtung schwarz-gelber Koalition. Wenn die Schülerzahlen weiter sinken, sei ein besonders gutes pädagogisches Konzept erforderlich, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Gleichwohl liegt Stephan Weil sehr viel daran, den Schulstreit „schnell und pragmatisch“ zu beenden, die gerade erst eingeführten Oberschulen will er im Falle seiner Wahl daher nicht wieder abschaffen. Entscheidend sei für ihn der Elternwille, wo beispielsweise Gesamtschulen gefordert würden, müsse das Land die Bürgermeister und Landräte unterstützen, wo es nur könne. Denn: Weil steht nach eigener Aussage als gelernter Kommunalpolitiker für Dezentralisierung; eine Devise, die er auch bei der Umstrukturierung der Verwaltung beherzigen möchte. Im Zuge der Regionalisierung soll es zukünftig vier Landesbeauftragte in Braunschweig, Hildesheim, Oldenburg und Lüneburg geben. Die ressortübergreifende Stelle diene so zu sagen als „Anwalt der Region“ mit einer Scharnierfunktion, soll koordinieren und auch dem demographischen Wandel in einigen Regionen des Bundeslandes entgegenwirken. Diesen habe die derzeitige Landesregierung vollständig ignoriert. „40 bis 50 Beauftragte sind in den vier Regionen vorgesehen. Die 150 bis 200 Stellen sollen allerdings durch Umschichtung zustande kommen, den Steuerzahler nichts kosten“, betonte Weil. Er schrecke nicht davor zurück, den Spitzensteuersatz zu erhöhen, um die Mittel im Landeshaushalt zu erhöhen. So könne gerecht in die Zukunft investiert werden, denn „starke Schultern tragen mehr als schwache“. Damit sich unsere Gesellschaft auch weiterhin „großen Wohlstand“ leisten kann, seien Kooperationen und Diskussionen mit Kompromissen erforderlich, bei denen der Ton die Musik mache. Das gelte auch für den Langenhagener Dauerbrenner Flughafen mit zahlreichen Arbeitsplätzen auf der einen, aber auch Fluglärm für Anwohnerinnen und Anwohner auf der anderen Seite. Was die verkehrliche Belastung angeht, so sieht Stephan Weil eine Menge Herausforderungen auf das „Transitland Niedersachsen“ zukommen, die Y-Trasse sei zwar zunächst vom Tisch, könne aber durchaus wieder ein Thema werden. „Denn schließlich kann nicht alles über die Straße laufen“, machte Weil deutlich. Eine Maut für Lastwagen sei für ihn durchaus diskutabel.
Auch ein Blick ins ECHO-Archiv nahmen die Gäste. Was das Verbreitungsgebiet zur Zeit seiner Geburt bewegte, konnte Stephan Weil in einer Ausgabe des Langenhagener ECHO vom 19. Dezember 1958 nachlesen. Darin gab es Kurioses und Amüsantes zu entdecken; zum Beispiel Rentenzahltage im Postamt und den heute eher unbekannten Service einer Fahrradbewachung vor dem damaligen Kino. Zum Abschied gab es schließlich vom Spitzenkandidaten der niedersächsischen SPD die Zusage, den Dialog mit der ECHO-Redaktion nach der Landtagswahl gerne fortsetzen zu wollen. Ob er dieses Versprechen als Ministerpräsident oder Oppositionsführer einlösen wird, beantwortet der Wählerwille am 20. Januar.