Mila ist ein ganz besonderer Hund

Karin und Sabine Wegner haben die kleine Mila in ihr Herz geschlossen.

Familie aus Godshorn sucht Spender für die Ausbildung ihres Epilepsiehundes

Langenhagen. Mila ist noch keine zehn Wochen alt, verspielt, kuschelig und niedlich wie jeder Hundewelpe, und eigentlich sieht man der kleinen Golden-Retriever-Hündin nicht an, dass etwas ganz Besonderes aus ihr werden kann. Genau das aber ist der Fall: Mila hat die Eignungsprüfung für Anfallwarnhunde bestanden und damit unter Beweis gestellt, dass sie Fähigkeiten hat, die unter 1.000 Hundewelpen nur etwa ein Tier mitbringt. In den kommenden anderthalb Jahren wird die Hündin, die im Moment noch an einen kleinen Eisbären erinnert, eine intensive Ausbildung durchlaufen und dadurch für ihre Besitzerin zu einer wertvollen Hilfe werden.
Mila gehört Karen Wegner aus Godshorn; seit etwa zwei Wochen lebt der kleine Hund bei der jungen Frau. Seit ihrem 13. Lebensjahr leidet sie unter Epilepsie; mit Beginn der Pubertät setzte die Krankheit bei der heute 20-Jährigen ein. Etwa alle zwei Wochen erleidet Karen Wegner trotz Medikamenteneinnahme einen Anfall, fällt ohne vorherige Warnzeichen in tiefe Bewusstlosigkeit und anschließend in einen oft mehrstündigen Komaschlaf. Trotz ihrer Erkrankung bemüht sie sich um ein selbstbestimmtes Leben: Sie ist berufstätig, lebt in einer eigenen Wohnung, trifft sich mit Freunden und sucht nach Wegen, konstruktiv mit ihren Einschränkungen umzugehen. Ihre Mutter Sabine Wegner machte sie daher auf einen Fernsehbericht aufmerksam, den sie eher zufällig entdeckte: Speziell ausgebildete Hunde seien in der Lage, Epilepsiepatienten rechtzeitig vor einem Anfall zu warnen, damit diese einen geschützten Ort aufsuchen und sich in Sicherheit bringen können. Ihre Recherchen führten Sabine Wegner zur Stiftung „Hunde helfen leben“, die sogenannte Servicehunde an Menschen mit Handicap vermittelt. Mit Hilfe der Stiftung wurde die kleine Mila bei ihrem Züchter in Krefeld ausfindig gemacht, und bei Karen Wegner war es Liebe auf den ersten Blick.
Bereits seit einem halben Jahr bereitet sich die junge Frau aus Godshorn auf ihre zukünftige tierische Begleiterin vor: An mehreren Wochenenden hat sie in einer spezialisierten Hundeschule bei Aachen viel über das Verhalten von Hunden und den richtigen Umgang mit ihnen gelernt. In den kommenden anderthalb Jahren wird sie nun viele Wochenenden gemeinsam mit Mila in der Ausbildungsstätte verbringen; am Ende wird die Retriever-Hündin über eine Reihe besonderer Fähigkeiten verfügen.
Anfallwarnhunde können einen nahenden Epilepsieanfall bei einem eng vertrauten Menschen mehrere Stunden im Voraus wahrnehmen und durch eingeübte Signale, etwa das Lecken der Hände, davor warnen. Sie können ihre Besitzer an einen sicheren Ort führen, über ein Hausnotrufsystem einen Notruf absetzen, den Betroffenen in die stabile Seitenlage rollen und durch ihre Anwesenheit und Zugewandtheit psychischen Beistand leisten. Per Gesetz sind diese Hunde als Hilfsmittel anerkannt und dürfen an jeden Ort mitgenommen werden – an den Arbeitsplatz ebenso wie in Geschäfte, in Schulen oder Schwimmbäder. „Vielleicht kann ich, wenn Mila ausgebildet ist, Fahrrad fahren oder schwimmen gehen“, wünscht sich Karen Wegner; seit sieben Jahren muss sie auf beides verzichten, um sich nicht in tödliche Gefahr zu bringen. Sie hofft auch, dass die Zahl der Anfälle sich durch die Unterstützung ihres Hundes vermindert: Die Angst vor jedem neuen Anfall, der sie ohne Vorwarnung trifft, führt zu psychischen Problemen und Verspannungen, die wiederum Anfälle begünstigen.
Sabine Wegner ist glücklich über die neue Sicherheit, die ihre Tochter durch Mila gewinnen wird, und hat sich intensiv darum gekümmert, Karen einen Servicehund zu ermöglichen. Gleichzeitig kamen damit neue Probleme: Kauf und Ausbildung der Hündin kosten rund 24.000 Euro, die aufzubringen für die Familie ein großes Problem ist. Hilfesuchend wendete sich Sabine Wegner, die ehrenamtlich in der Godshorner Kirchengemeinde engagiert ist, daher an Pastor Falk Wook aus Godshorn und Diakonin Dorothee Beckermann vom Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen, die sich nun bemühen, Fördermöglichkeiten und Spender zu finden. Gleichzeitig wünschen sich Karen und Sabine Wegner, die Möglichkeit des Einsatzes von Servicehunden bekannter zu machen: Deutschland- und europaweit ist diese Möglichkeit noch weitgehend unbekannt; erst wenige Hunde wurden ausgebildet und sind ihren Besitzern eine große Hilfe.
Wer sich vorstellen kann, Familie Wegner bei der Ausbildung von Mila zu unterstützen, kann zu diesem Zweck ein Konto des Diakoniefonds nutzen: Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen, Konto 6041 bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft Hannover, BLZ 520 604 10, Verwendungszweck „00/2120/04 Epilepsiehund“. Informationen zu Anfallwarnhunden und anderen Servicehunden sind zu finden unter www.hunde-helfen-leben.de.