Nach „glücklicher Fügung“ mit sich im Reinen

Hat viele verschiedene Sichtweisen in seinem langen Berufsleben kennen gelernt: Günter Lenz. (Foto: O. Krebs)

Früherer Abgeordneter und VW-Betriebsratschef Günter Lenz geht in den Ruhestand

Langenhagen/Wedemark (ok). Er hat im Laufe seines langen Berufslebens alle Facetten des Arbeitslebens und alle Seiten verschiedener Schreibtische kennen gelernt. Jetzt ist für Günter Lenz (60) in seiner Führungsposition bei Volkswagen Schluss, er tritt seine Altersregelung an. Das heißt aber lange noch nicht, dass Lenz sich zur Ruhe setzen wird. Ein Naturell, das so gar nicht auf den umtriebigen und quirligen ehemaligen Politiker zutrifft. Lenz war von 2003 bis 2007 Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Langenhagen, Burgwedel und Isernhagen. Nichts Besonderes, davor und danach gab es ja auch welche? Das stimmt, aber niemanden, der zugleich auch Betriebsratschef bei Volkswagen Nutzfahrzeuge im Werk in Stöcken war. „Ich habe diese beiden intensiven Jobs vier Jahre lang parallel ausgefüllt. Das ging nur mit einem straffen Terminmanagement und der Nähe meines Wahlkreises zum Landtag in Hannover.“ Der frühere Ministerpräsident hatte Seiteneinsteiger Lenz, der eine steile Karriere im VW-Konzern hingelegt hatte, in die Politik geholt. Lenz hatte in Stöcken Werkzeugmacher gelernt, war 1987 in den Betriebsrat gewählt worden. Seit 1998 war er Betriebsratsvorsitzender bei VW Nutzfahrzeuge, seit 1999 saß er im Aufsichtsrat des Automobilkonzerns. Eine Doppelfunktion als Politiker und VW-Betriebsratschef, die im Sinne Sigmar Gabriels war, dessen Nachfolger Christian Wulff im Amt des Ministerpräsidenten aber gar nicht geschmeckt habe. Mit ihm hat sich Lenz – zugleich wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion – im Landtag einige Wortgefechte geliefert. Für 2008 war Lenz erneut als Kandidat der SPD, für die er auch 20 Jahre lang Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen war, für den Landtag gesetzt, trat im Zuge der VW-Affäre aber von seinem Amt als Landtagsabgordneter und als Betriebsratschef zurück. Um nach kurzer Zeit auf die andere Seite des Schreibtisches in die Position eines Geschäftsführers zu kommen. Die Grundlagen hatte er vorher schon durch diverse Weiterbildungen, unter anderem zum Betriebswirt, gelegt. Lenz leitete bis 2015 die Business Unit Spezialfahrzeuge als kaufmännischer Geschäftsführer und ab 2009 dann parallel die Volkswagen-Gebrauchtfahrzeughandels- und Service GmbH mit Sitz in Langenhagen erfolgreich. Äußerst erfolgreich, denn Umsatz und Mitarbeiterzahl hat er in der Zeit nahezu verdoppelt. Ein Erfolg, der ohne seine motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht möglich gewesen wäre. Im Nachhinein bezeichnet er die unfreiwillige Wende im Jahr 2007 als „glückliche Fügung des Schicksals“ geht er doch mit einem bestellten Feld und beruflichen Erfahrungen aus drei verschiedenen Blickwinkeln rundum zufrieden in den Ruhestand. Er sei mit sich im Reinen. In seinen neuen Lebensabschnitt hat er eine Menge vor: Lenz will sein Spanisch perfektionieren, wieder Klavierunterricht nehmen, sich um seinen Garten im heimischen Resse kümmern. Außerdem liebt er Oldtimer und restauriert mit Freunden eine Finca auf Mallorca. Und: Günter Lenz, der früher selbst lange Fußball gespielt hat, führt seit acht Jahren als Vorsitzender den Kreisligisten TuS Mecklenheide. Den Verein, in dem er das Kicken gelernt hat, dem er sich nach wie vor verbunden fühlt und wo er für viele einfach immer noch „der Günter“ ist.