Nicht nur ein ökologischer Mehrwert

Wollen das Thema Nachhaltigkeit in die Köpfe ihrer Mitmenschen bringen: Rainer Meyer von der Wirtschaftsförderung der Region Hannover (von links), Michael Biesel, Antonia Hingler, Wirtschaftsförderung der Gemeinde Wedemark, Ursula Schwertmann vom NABU Wedemark und Barbara Olze vom Umweltzentrum Hannover. (Foto: O. Krebs)
 
Der Steinhaufen zählt auch zur naturnahen Gestaltung Michael Biesels. (Foto: O. Krebs)

Familienunternehmen Biesel gestaltet sein Firmengelände naturnah

Wedemark. Als eines der ersten Unternehmen aus der Region Hannover hat sich die Tischlerei Biesel - ein Familienunternehmen, das früher in Godshorn und seit einem Jahr in Bissendorf sein Zuhause hat -  für die Teilnahme am Projekt "Außenstelle Natur - Firmengelände naturnah gestalten" entschlossen. Das Projekt ist ins Leben gerufen worden, um der Bedrohung von Insekten entgegen zu wirken. Ursächlich dafür sind der Klimawandel, Monokulturen und Insektengifte sowie die Strukturarmut von Gärten und Außengeländen. In vermeintlich pflegeleichten "Schottergärten" finden flliegende oder krabbelnde Sechsfüßler weder Nahrung noch einen Lebensraum. Durch Naturgärtnerin Rosemarie Gemba und zusätzlich beraten durch den NABU Wedemark wurde der gesamte Gebäudeumschwung des ökologischen Neubaus zum Wohle der Insekten gestaltet. Statt Rasenstreifen und -flächen wurde heimischen Blumen, Sträucher und Bäume gepflanzt, es entstand eine Abbruchkante mit offenen Bodenflächen um bodennistenden Wildbienen Raum zu geben, hinter dem Gebäude wurde eine Versickerungsmulde geschaffen – denn Wasserstellen sichern das Überleben vieler Tiere. Die Parkflächen bestehen aus Rasengittersteinen, darüber hinaus sind auch eine Vogelschutzhecke und ein Steinhaufen angelegt worden. Zusätzlich wurde eine Trockenmauer gebaut, die Kleinstlebewesen und auch Amphibien Unterschlupf bietet. Und auch ein Turmfalke nistet bereits unter dem Dach Gepflanzt und gesät wurde ab Frühjahr 2020. Naturnahe Flächen benötigen einige Jahre, um ihr volles ökologisches, aber auch optisches Potential zu entfalten. Heute, ein Jahr nach den ersten Schritten in Richtung „naturnah“, sieht man dem Gelände eine große Veränderung an. Für üppige Blütenpracht und ein vollständig sich selbst erhaltendes Ökosystem (das auch nicht bewässert werden muss), wird die Vegetation vor Ort noch etwas Zeit benötigen. Denn viele der etablierten Pflanzen säen sich selbst aus und vermehren sich dadurch. Zusätzlich müssen Austriebe aus Samen, die noch im Boden verborgen sind, aber nicht länger erwünscht sind, vor allem im ersten Jahr nach der Umstellung entfernt werden. Daher packen am heutigen Tag die Mitarbeitenden der Tischlerei bei einer gemeinsamen Jät-Aktion mit an. Denn auch sie profitieren von der neuen „grünen Aussicht“ und möchten einen Beitrag zum langfristigen Erhalt des ökologisch aufgewerteten Außenbereichs des Betriebs leisten. Durch das Bundesprogramm "Biologische Vielfalt" soll dafür gesorgt werden, dass nicht nur im öffentlichen Raum auf Nachhaltigkeit gesetzt wird. Familie Biesel jedenfalls hat genauso wie sein Nachbar Alexander Machill, Geschäftsführer der Firma "drytec", den Klima- und Umweltschutzgedanken sehr zu Herzen genommen. Michael Biesel: "Das Tischlerhandwerk ist eines der energieintensivsten Gewerke. Wir gewinnen etwa 70 Prozent unseres benötigten Stroms über eine Fotovoltaikanlage und setzen auch auf eine Wärmepumpe." Für ihn ein eindeutiger Mehrwert, der sich auf seinem 6.200 Quadratmeter großen Grundstück nicht nur ökologisch widerspiegelt.