Pfarrer-Initiative braucht Beteiligung

Aufbruch der Pfarrer nicht nur in der katholischen Krichengemeinde in der Wedemark: (von links) Meik Barwisch, Andres Wulfes und Stefan Hesse.

Öffentliche Diskussion zu Priestermangel und Gemeindefusionen

Region (gg). Als ungewiss beschreiben die Pfarrer Meik Barwisch und Andres Wulfes, Pfarrer aus Soltau-Schneverdingen, zusammen mit Stefan Hesse, Pfarrer in Mellendorf, die Zukunft der katholischen Gemeindearbeit. Insbesondere der bekannte Priestermangel führte in den letzten Jahren zu unbesetzten Stellen. „In Deutschland sind etwa zwei Drittel der Priester im pensionsfähigen Alter. Im Bistum Hildesheim gehen in jedem Jahr etwa 20 Pfarrer in den Ruhestand und höchstens ein neuer rückt nach“, sagt Barwisch. Gemeindefusionen sind die Folge, das war der Weg für die Gemeinden Soltau und Schneverdingen bereits im Jahr 2005. Große Probleme gibt es bei der Aufrechterhaltung der Gottesdienste. Taufen, Beerdigungen und vieles mehr werden zum Problem im Zeitplan. „Die Seelsorge in den Gemeinden bleibt auf der Strecke“, sagt Hesse. Nun wenden sich die Pfarrer mit einer Einladung zur öffentlichen Diskussion an die Gemeinde. Sie wollen ein Zeichen setzen und einen modernen liberalen Weg gehen. Anlass ist die aktuelle Situation in Österreich. Die Öffnung des Priesteramtes ist in den Medien dort seit Monaten ein großes Thema. Die Position kompetenter Laien soll gestärkt werden, denn sie können Gottesdienste ausüben, die Sakramentenverwaltung bleibt im Priesteramt. In Mellendorf erfüllt Betina Schenk bereits diese Funktion. Sie ist von Bischof Norbert Trelle bevollmächtigt, die Trauergottesdienste zu leiten und im Trauercafé präsent, das an jedem zweiten Mittwoch im Monat im Karl-Heine-Haus im Karpatenweg 1 in Mellendorf von 16 bis 18 Uhr geöffnet hat. Hesse erklärt: „Wir müssen neue Wege finden, denn wenn ein Pfarrer eine Vielzahl von Pfarreien zu betreuen hat, erfüllt er organisatorische Aufgaben und damit ganz andere, als die, die von den Gemeindemitgliedern erwartet werden. Wir müssen die Realität im Auge behalten. Die Welle der Kirchenaustritte ist nach wie vor hoch.“ Barwisch ergänzt: „Die Einnahmen aus der Kirchensteuer steigen, seit 1990 bis heute um zehn Prozent.“ Ihre Initiative wollen die Pfarrer nicht als Revolution verstehen, trotzdem es um brisante Themen geht. Statt dessen soll eine neue Diskussionskultur neue Wege ermöglichen. Los geht es mit einer Gesprächsrunde am Montag, 19. März, um 19.30 Uhr im Pfarrzentrum Wiesenstraße 5 in Soltau. Gastreferent ist Pfarrer Helmut Schuller, Obmann der österreichischen Pfarrer-Initiative, die mit Nachdruck auf Reformen in der katholischen Kirche pocht.