Rekordjahr für die digitale Ausleihe

Der Bibliotheksverbund “Onleihe Niedersachsen" erzielte mehr als 1,7 Millionen Entleihungen im Jahr 2020

Langenhagen/Wedemark. Das Jahr 2020 war aufgrund der Corona-Pandemie ein besonderes Jahr. Dies betraf auch die Öffentlichen Bibliotheken im Land und ihre Angebote, darunter die E-Book-Ausleihe, genannt Onleihe. Diese wurde in Zeiten der Corona-Pandemie – besonders während des bundesweiten Lockdowns im März/April und im Dezember – sehr viel häufiger genutzt. Deutlich mehr Menschen als sonst liehen Bücher digital aus.
Ein digitaler Schub für die Bibliotheken im Land: Der niedersächsische Verbund “Onleihe Niedersachsen”, dem 145 Öffentliche Bibliotheken unterschiedlichster Größenordnung angehören, konnte im Jahr 2020 mehr als 1,7 Millionen Entleihungen verzeichnen. Dies bedeutet eine Steigerung von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Corona-Krise hat in den Öffentlichen Bibliotheken in Niedersachsen für einen deutlichen Anstieg der Online-Zugriffe gesorgt. „Die E-Medien haben einen enormen Zuspruch erlebt“, gibt Franziska Sievert aus der Büchereizentrale Niedersachsen Auskunft, die den niedersächsischen Verbund koordiniert. Mehrere Wochen lang war auch in Niedersachsen keine Ausleihe vor Ort möglich. Wer sich vor der Schließung der Bibliotheken nicht mit genügend Lesestoff ausgestattet hatte, konnte nun bei der Onleihe zugreifen.
Damit gerade während der Kontaktbeschränkungen auch die Menschen Bücher ausleihen konnten, die bisher keinen Bibliotheksausweis hatten, boten etliche der Verbundbibliotheken eine online-Anmeldung für Neukundinnen und Neukunden an. Allein in den Monaten März und April meldeten sich so jeweils rund 2.800 neue Nutzerinnen und Nutzer für die Onleihe an, um das digitale Angebot nutzen zu können. Im Vorjahr sind es in diesen Monaten nur etwa 800 bzw. etwa 900 Neuanmeldungen gewesen.
Im Verbund stehen rund 161.900 Medien-Exemplare zur Verfügung. Beliebt waren im letzten Jahr vor allem Krimis, Thriller und andere Unterhaltungsliteratur. Gefragt waren aber auch verstärkt Ratgeber zu Fragen der Lebensführung und Lebenshilfe und Finanzratgeber. Durch die coronabedingten Schließzeiten entstand außerdem eine erhöhte Nachfrage nach Literatur zu den Themen Kochen, Backen, Handarbeiten, Beschäftigung und Garten.
Aufgrund der zwischenzeitlichen Auslands-Reiseverbote hat sich auch die Nachfrage nach Reiseführern verändert. Während Ziele im Ausland kaum noch gefragt waren, gab es einen großen Bedarf nach Reisefühern zu deutschen Tourismusgebieten, Campingführern und Radwanderkarten.
Da das Lesen von Zeitschriften und Zeitungen vor Ort in den Bibliotheken nicht möglich war, waren E-Papers und E-Magazine ebenfalls sehr beliebt. Die Ausleihe digitaler Tages- und Wochenzeitungen, ist im Vergleich zum Vorjahr in 2020 um satte 68 Prozent gestiegen. Viele Nutzerinnen und Nutzer freuten sich über die Möglichkeit die FAZ beim Frühstück auf dem Tablet lesen zu können oder am Bildschirm in die neueste Ausgabe des Spiegels zu “blättern” und so mit den aktuellsten Nachrichten versorgt zu sein. 384 digitale Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements hält der Verbund für seine Nutzerinnen und Nutzer vor, das Angebot reicht von der “Auto Bild” über die “BRAVO” und “LandIDEE” bis zur “Wirtschaftswoche”.
Höherer Finanzbedarf zum Ausbau der digitalen Services und Urheberrechtsprobleme
Um auf die hohe Nachfrage schnell reagieren zu können, mussten die finanziellen Mittel für die Onleihe aufgestockt werden: dank einer großzügigen Förderung durch den niedersächsischen Landesverband des dbv (Deutscher Bibliotheksverband) und durch Fördermittel des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur standen in 2020 insgesamt 30.000 Euro zusätzlich zur Verfügung. So konnte das Angebot im Web ausgebaut und besonders beliebte Titel als Mehrfachexemplare erworben werden.
Die digitalen Angebote sind ein selbstverständlicher Teil des Portfolios der Öffentlichen Bibliotheken in Niedersachsen geworden. Der Trend zum Digitalen hat sich durch die Corona-Pandemie verstetigt.
Allerdings können Bibliotheken aufgrund von urheberrechtlichen Einschränkungen E-Books nicht in gleicher Art und Weise verleihen wie gedruckte Bücher. Verlage bieten den Bibliotheken E-Books häufig erst mit großer Zeitverzögerung nach dem Erscheinen zum Kauf an, so dass viele Bestseller nicht zur elektronischen Ausleihe zur Verfügung stehen.
Bibliotheken fordern daher in ihrer Kampagne “Buch ist Buch” die längst überfällige rechtliche Gleichstellung von E-Books und Print.