United feiert ersten Bundesliga-Korb von Rookie Hell

Der Moment vor der Premiere: United-Rookie Tobias Hell visiert in der Schlussminute gegen die BSC Rollers Zwickau Korb an. (Foto: M. Lobback)
 
Assistenztrainer Oliver Jokisch (von links), Jan Haller, Joe Bestwick (verdeckt), Jan Sadler, Betreuer Enrique David Cordova und Vanessa Erskine bejubeln die ersten beiden Bundesliga-Punkte von United-Rookie Tobias Hell. (Foto: M. Lobback)

Youngster trifft 51 Sekunde vor Schluss zum 91:45-Endstand / Hannover fix Dritter

Hannover. Oft sind es ja die letzten Spielminuten, die im Rollstuhlbasketballdie Entscheidung bringen. In der Bundesliga-Begegnung zwischen Hannover United und den BSC Rollers Zwickau ist das nicht der Fall. Schon zur Halbzeit liegt United mit 17 Punkten in Front. Nach dem dritten Viertel sind es 34 Zähler Vorsprung. Dennoch ist der Jubel nach dem letzten Korb der Gastgeber 51 Sekunden vor der Schlusssirene am lautesten: Weil Oliver Jantz, Alexander Budde und Christoph Lübrecht von Zwickau zugestellt sind, passt Mariska Beijer den Ball links in die freie Zone zu Tobias Hell. Der Youngster visiert sofort das Ziel an, wirft, der Ball springt einmal am Korbrand auf und rauscht dann durchs Netz – das 91:45 und die ersten beiden Bundesliga-Punkte für den Rookie.
Entsprechend groß ist der Jubel auf der Auswechselbank und den gut gefüllten Rängen. Routinier Jan Haller wirbelt wild ein Handtuch durch die Luft, Kapitän Jan Sadler und Assistenzcoach Oliver Jokisch brüllen ihre Freude über den Treffer des Jüngsten heraus. Und was macht Hell? Der rollt umgehend mit Dampf Richtung United-Wurfzone und ärgert Zwickaus Topspieler Edgaras Ciaplinskas und Vytautas Skucas ein letztes Mal in diesem Spiel. Wenig später ist die Begegnung vorüber und der Kleinste bekommt die größte Aufmerksamkeit.
„Tobi hat in den letzten Monaten so hart und verbissen gearbeitet und jetzt den Mut, den Ball einfach reinzuwerfen. Das freut mich unglaublich für ihn“, sagte United-Kapitän Sadler. „Er hat in den letzten Trainingseinheiten viel Herzblut und Selbstbewusstsein gezeigt und sich mit den ersten beiden Punkten belohnt. Tobi macht in der Defensive einen Super-Job und geht dann bestärkt in die Offensive mit – an dem Jungen werden wir noch viel Spaß haben.“
Hell, sogenannter Lowpointer mit der Klassifizierung 1.0, war zu Saisonbeginn von Regionalligist Cottbus nach Hannover gewechselt. Er trainiert hart, bekommt aber aufgrund der Line-Up-Möglichkeiten in der Regel nicht so viele Spielminuten. Der 18-Jährige, der noch kurz vor seinem Wechsel das Abitur baute, freute sich heimlich über ein tolles Spiel und den gelungenen Wurf. „Ich dachte einfach nur, dass ich mir die Chance nehmen sollte. Wir hatten keine Anspielstationen. Deswegen habe ich den Ball angenommen und ihn direkt reingefeuert“, beschrieb Hell die Situation. Und er gab zu: „Ich habe schon ein bisschen gezittert, ob er endlich reinfällt.“
Das 91:45 von United gegen die BSC Rollers war gleichzeitig der elfte Saisonsieg für die Mannschaft von Trainer Martin Kluck und bedeutet zwei Spieltage vor Ende der Hauptrunde in der 1. Rollstuhlbasketball-Bundesliga (RBBL1) sicher Platz 3 – die beste Platzierung der Vereinsgeschichte. „Jetzt können wir mit dem Rückenwind von diesem dritten Platz weiter Richtung Playoffs und natürlich dem Final Four entgegen gehen“, sagte Sadler. Am kommenden Wochenende ist Hannover United bei den Rhine River Rhinos Wiesbaden zu Gast. Am letzten Spieltag (22. Februar, 18 Uhr) kommen die Roller Bulls Ostbelgien in die United Arena. Eine Woche später (29. Februar/1. März) steigt dann die riesige Pokal-Party in Hannover, wenn United mit den BG Baskets Hamburg, Rekord-Cupsieger RSV Lahn-Dill und Triple-Gewinner RSB Thuringia Bulls um den DRS-Pokal kämpft.
Hannover United: Joe Bestwick (33 Punkte), Jan Sadler (27), Christoph Lübrecht (12), Jan Haller (8), Alexander Budde (7), Tobias Hell, Oliver Jantz (je 2), Vanessa Erskine, Mariska Beijer.
BSC Rollers Zwickau: Vytautas Skucas (12 Punkte), Edgaras Ciaplinskas, Benjamin Kenyon (je 10), Marianne Buso (8), Daniel Gehse (3), Maximilian Chagger (2), Frank Oehme.