„Vertrauen bei den Vereinen schaffen“

Will den Leistungshandball in der Region Hannover auf eine breitere Basis stellen: Multi-Millionär Martin Weiß. (Foto: O. Krebs)

Gesunde Skepsis in Sachen „Hunderter-Klub“ bei Handballern in der Region

Region (ok). 100 Sponsoren, die sich mit einer Einlage von jeweils einer Million Euro beteiligen? In Zeiten von nicht nur ein ziemlich sportliches Ziel, weil es um Handball geht. Genau das ist aber der Plan des Multi-Millionärs und Mäzen des Drittligisten TuS Vinnhorst, Martin Weiß. Weiß, Mitgründer des Personaldienstleisters ZAG, hat gerade den 1. Handball-Club Hannover (1. HC) ins Leben gerufen. Seine Idee: Unter dem Dach des neuen Klubs sollen sich Vereine im Umkreis von 82 Kilometern um die Landeshauptstadt für den Leistungssport engagieren. Die wirtschaftliche Basis soll die so genannte „Handball Niedersachsen GmbH“ bilden, deren Gesellschafter der 1. HC, die ZAG GmbH Kinder-Art und der TuS Vinnhorst sind. Den Rest soll die angesprochenen Vereine mit jeweils 100 Euro zeichnen. Mit den jährlichen Erträgen soll auch der Etat der Recken in der Handball-Bundesliga aufgestockt werden. Gedanken, die Weiß allerdings im Vorfeld nicht mit den Recken-Verantwortlichen geteilt hatte. Konkrete Gespräche sollen im August folgen. Ob die TSV Hannover-Burgdorf dazu allerdings überhaupt bereit ist, steht noch in den Sternen. Bislang gibt es jedenfalls keine offizielle Stellungnahme des Handball-Primus in der Region Hannover. Dafür aber von den Vereinen aus unserem Verbreitungsgebiet: Die Meinung des MTV Mellendorf ist skeptisch, was den „Lockruf des Geldes“ angeht. Nina Sievers, Vorstandsmitglied des Lehrter SV, zeigt sich auf Nachfrage sehr zugeknöpft und will kein Statement zu dem Vorhaben abgeben. Keine Reaktion auch von den Dataliners aus Burgwedel.
Reinhold Scheiba von der HSG Langenhagen findet die Ideen zwar grundsätzlich interessant, die Präsentation allerdings scheint ihm überhastet und mangelhaft vorbereitet. Scheiba: „Da muss erst eine Grundlage und Vertrauen bei den betroffenen Vereinen durch Netzwerkarbeit geschaffen werden.“ Und das werde schwer werden, denn viele befürchteten, dass mit der Konzentration der Sponsoren auf die Bundesliga-Lizenz der Recken für die hannoverschen Klubs unterhalb der Bundesliga nur noch wenig Geld für ihren Leistungshandball übrig bliebe. Handball-Abteilungsleiter Timo Mügge vom MTV Engelbostel/Schulenburg findet es generell gut, den Handballsport zu fördern und bekannter zu machen. Aber: Neben den hohen Ambitionen im Profibereich sollte der Amateursport in der Region nicht vernachlässigt werden. Es fehlten beispielsweise Hallen und Trainingszeiten. Und das von den ganz Kleinen bis zu den Großen. Die Politik habe es verpasst, Investitionen in Neubauten und Restaurierungen zu tätigen und so die Grundlage für viele Hallensportarten zu legen. Im Klartext: Investitionen und Ambitionen im Profisport seien schön und gut – jedoch fehlten die nötigen Voraussetzungen an der Basis, und das seien nun einmal taugliche Sporthallen.
Was die Pläne von Martin Weiß angeht: Er muss liefern, wie es so schön im Sport heißt. Und er muss die Frage beantworten, was das Kontrukt den kleineren Vereinen bringen soll. Bloße Lippenbekenntnisse reichen ihnen ebenso wenig wie eine vollere ZAG-Arena auf dem Expo-Gelände.  „Butter bei die Fische“ heißt die Devise. Und das gilt nicht nur für seinen ambitionierten „Hunderter-Klub“, sondern natürlich auch für sein prestigeträchtiges Objekt einer Multi-Sportanlage auf dem Gelände des ehemaligen Hallenfreibades in Godshorn (das ECHO berichtete mehrfach).