Wahlempfehlung nur bei zwei Zugeständnissen

Wollen Regionspräsident werden oder bleiben (von links): Axel Brockmann, Hauke Jagau und Michael Fleischmann.Foto: O. Krebs

Wer soll's denn nun sein? Kandidaten beim Speed-Dating in der Langenhagener VHS

Region Hannover (ok). Der Präsident der Region Hannover hat Verantwortung für mehr Bürgerinnen und Bürger als die Ministerpräsidentin des Saarlandes. Der Führungspostion kommt also eine enorme Bedeutung zu – wichtige Themen wie etwa Öffentlicher Nahverkehr oder auch Abfallentsorgung liegen im Verantwortungsbereich der Regionsversammlung, quasi das Pendant zum Rat der Stadt Langenhagen. Außer den fünf Langenhagener Bürgermeisterkandidaten, die in unseren Ausgaben in den vergangenen Wochen ausführlich zu Wort gekommen sind, haben sich jetzt drei der Kandidaten für das Amt des Regionspräsidenten – Amtsinhaber Hauke Jagau (SPD), Axel Brockmann, der als Parteiloser für die CDU kandidiert, und Michael Fleischmann (Linke) beim Speed-Dating in der Langenhagener VHS vorgestellt. In Kleingruppen kamen sie mit Interessierten jeweils etwa zwölf Minuten ins Gespräch, machten dabei ihre Positionen deutlich. Bei Michael Fleischmann wurde klar dass er sich nicht wirklich Chancen auf den Posten ausrechnet, Jagau mit seinen Stimmen aber in die Stichwahl zwingen will. "Dann muss er vor allen Dingen zwei Zugeständnisse machen, wenn er eine Wahlempfehlung der Linken haben möchte", so Fleischmann. Das wichtigste: Die Krankenhäuser müssen in kommunaler Trägerschaft bleiben, damit die Patientenversorgung sichergestellt ist. Ansonsten könne Hauke Jagau sich eine Unterstützung der Linken "von der Backe knallen". Auch am Herzen liege ihm ein neues Berufsschulkonzept, das bisherige sei "für die Tonne". Eltern, Schüler und Lehrer müssten beteiligt werden, die Berufsschule 6 müsse erhalten bleiben.
In vielen Punkten stimmt auch Axel Brockmann mit dem Regionspräsidenten nicht überein – das liegt natürlich in der Natur der Sache. Alkohol in Bus und Bahn – das geht für Brockmann gar nicht. Die "gefühlte Sicherheit" sei für ihn ganz wichtig. Was die zwölf Krankenhäuser in der Region angehe; auf die müsse in der Zukunft mehr Augenmerk gelegt werden. Eien wohnortnahe Versorgung sei enorm wichtig. Zudem legt Brockmann,Wert auf "Bürgernähe und Transparenz".
Die nimmt natürlich auch Amtsinhaber Hauke Jagau für sich in Anspruch. Jagau verweist darauf, dass er vor acht Jahren einen sehr schwierigen Haushalt übernommen die Region Hannover unter seiner Führung in den vergangenen vier Jahren 200 Millionen Euro Schulden abgebaut habe. Wichtig ist auch für ihn weiterhin eine gute Gesundheitsversorgung und die Finanzierung der Krankenhäuser.
Aber nicht nur Bürgerneister und Regionspräsident werden am Sonntag gewählt, auch die Kandidaten für das Europäische Parlament. Die Drei-Prozent-Hürde ist aufgehoben worden, eine "buntere Mischung" des Parlaments ist möglich. Bernd Lange (SPD), Burkhard Balz (CDU) und Gesine Meissner (FDP) haben relativ sichere Plätze, und auch ein Langenhagener macht sich Hoffnungen. Gerriet Kohls aus Kaltenweide, der schon bei Landtags- und Bundestagswahl angetreten ist, will für die Freien Wähler "nach Europa". Er rangiert bundesweit auf Platz 6 der Liste der Freien Wähler und setzt sich unter anderem für Bürgerentscheide auf Europaebene ein. Sollten die Freien Wähler bundesweit um die sechs Prozent erhalten, könnte der Weg für Kohls ins Europäische Parlament frei sein.